14.00 Uhr
Espresso-Konzert
Einige Impressionen stellvertretend für eine tolle Spielzeit: Mit Ravels „Bolero“ begannen das KHO & Joana Mallwitz ihr mitreißendes Eröffnungskonzert samt Livestream in zwei Berliner Freiluftkinos, wobei auch Artist in Residence Alice Sara Ott & Composer in Residence Bryce Dessner nicht fehlen durften; Solo-Kontrabassistin Maria Krykov als Solistin vor ihrem Orchester; Spielfreude in der Cellogruppe und voller Einsatz in der Posaunensektion; Trompeter Gergő Turai bei seinem Solo vom Rang, volles Haus bei Abo- und Expeditionskonzerten: drei herrliche Aufführungen von Haydns „Schöpfung“ (denen eine Aufnahme folgte); Konzerte mit großartigen Gästen wie Dirigent Aziz Shokhakimov und Trompeterin Tine Thing Helseth; eine glückliche Chefdirigentin.
Ihren Einstand hatte unsere Artist in Residence Alice Sara Ott gleich zur Saisoneröffnung mit dem KHO, Joana Mallwitz und einem ihr gewidmeten Klavierkonzert von Composer in Residence Bryce Dessner. Mit jazzinspiriertem Klavierkonzert G-Dur Ravels und Sonaten von Beethoven und Nocturnes von John Field wurde sie ebenso gefeiert wie mit Beethovens Drittem Klavierkonzert am Gendarmenmarkt und auf einwöchiger Tournee. Zum Haydn-Tag schließlich brachte sie ihr eigenes „Papa Haydn“-Programm für Klavier und Kammerorchester mit. Brava, Alice!
In unserer neuen Reihe „Berlin Tracks – Musik der Stadt im Konzerthaus“ waren Musiker*innen und Ensembles aus Berlin zu Gast, um klassische westliche Musik verschiedener Jahrhunderte experimentierfreudig mit Stilen zusammenbringen, die alle in dieser Stadt eine Heimat haben: Die Berliner Cembalistin Elina Albach mit Ensemble CONTINUUM und Frames Percussion, der aus Tblissi stammende Wahlberliner Pianist Giorgi Gigashvili mit Nikala Zubiashvili (Live-Electronik & Synthesizers) und dem Programm „Serious Music“, die aus Hamburg stammende und in Berlin lebende Sängerin & Bağlama-Spielerin Derya Yıldırım mit Mandolinist Avi Avital und Ensemble Resonanz sowie das Kollektiv „A Song For You“, das mit dem KHO das Beethoven-Projekt „A Soulful Missa“ aufführte.
Im neuen Konzerthaus-Salon „Herz über Kopf“ wurde an vier Abenden aus Fanperspektive über klassische Musik gesprochen: Schauspieler Charly Hübner geriet als Enthusiast & Gastgeber mit der eingeladenen Runde ins Schwärmen und Nachdenken.
Vor ihren Auftritten am Gendarmenmarkt haben wir die „Tracks“-Musiker*innen fürs Konzerthaus Magazin in ihren Kiezen oder an für sie wichtigen Orten besucht.
Auch beim „Jungen Konzerthaus“ war wieder eine Menge los: Familienkonzerte, Kinderprogramme wie KlangKüken, dazu Spaß am Kindertag im März mit dem Konzerthausorchester sowie kleineren Konzerten für unterschiedliche Altersgruppen vom Baby aufwärts, Instrumenten zum Ausprobieren und digitalen Stationen wie unserer „Orchesterbox“. Premiere hatte „Happy Birthday, Charly!“ mit Schlagwerk Voermans, die allen ab 5 zeigten, wieviel Musik in einer Küche steckt.
Mit der Gemeinschaftsschule Rütli Campus gab es ein halbjähriges Hörspielprojekt zum Thema Dinge verschieben namens „Vom Unfertigen oder Morgen ist auch noch ein Tag“, Den Schülerinnen und Schülern bescherte das im Februar einen Auftritt beim Festival „Vom Anfangen“. Außerdem haben wir für ein Jugendarbeitsprojekt mit dem ORWOhaus in Marzahn kooperiert.
Vom 19. bis 23. November habe wir sie gefeiert: Lili Boulanger, die 1913 als hochbegabte 20-jährige mit dem Prix de Rome ausgezeichnet, kaum fünf Jahre später starb und so nur ein schmales Lebenswerk hinterließ. Und ihre Schwester Nadia, 1887 geboren, wurde 92. Die berühmte in Paris und den USA lehrende Klavier- und Kompositionspädagogin führte über Jahrzehnte einen musikalischen Salon, „Boulangerie“ genannt.
Christiane Paul, Ulrich Noethen und das Boulanger Trio ließen sie atmosphärisch aufleben. Geleitet von Shiyeon Sung spielte das KHO Werke der Boulangers sowie ihrer Pariser Zeitgenossen Ravel, Fauré und Debussy. Dazu kam ein Orgelkonzert, Mezzosopranistin Lucile Richardot sang Lieder der Schwestern, Boulanger Trio und Quinteto Ángel widmen sich Kammermusik von Schülern und Freunden Nadias. Zum Schluss öffnete sich das Festival zur finalen grande fête in die Stadt: Ein Amateurchorfest in Zusammenarbeit mit dem Chorverband Berlin brachte Werke von Lili im Großen Saal auf die Bühne.
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, schrieb – oft zitiert – Hermann Hesse. Aber bis der sich entfaltet, ist's oft ein weiter Weg: Den Aufbruch bremsend machen sich oft Zweifel und Angst vor allzuviel kreativem Chaos breit, ehe der Rausch der Schöpfung einsetzen kann. Von 14. Februar bis 1. März widmeten sich das KHO und die freie Szene der Stadt Aufbruch, Chaos und Schöpfung von Barock bis Pop – ein paar Höhepunkte in der Galerie.
Zur Eröffnung imaginierten KHO, Jonathan Nott und Sopranistin Camilla Tilling mit Mahler 4 einen paradiesischen Schöpfungsraum. Mit dem Trickster Orchestra und weiteren freien Ensembles formierte sich danach die Utopie eines transtraditionellen Sinfonieorchesters für Cymin Samawaties & Ketan Bhattis „Amphiphilie“. Unter Chefdirigentin Joana Mallwitz spielte das KHO Schuberts h-Moll Sinfonie, die berühmte „Unvollendete“, und begleitete die große Solistin Tabea Zimmermann mit Bartóks Bratschenkonzert, das der Komponist vor seinem Tod nicht beenden konnte. Die musikalische Lesung „Kleine Probleme“ zum Thema Aufschieben brachte Romanautorin Nele Pollatschek und ein KHO-Bläserquintett zusammen.Transtraditioneller Jam mit ein bisschen Party, ein bisschen Überraschung, vor allem aber unmittelbarer musikalischer Interaktion und Improvisation über syrisch-libanesische Lieder und marokkanische Gnawa-Beat begeisterte das Publikum von „Arab Songs“. Das KHO, der RIAS Kammerchor, renommierte Solistinnen, Solisten und Joana Mallwitz beendeten das Festival mit drei Aufführungen von Joseph Haydns „Schöpfung“.
Im Alltag eines Orchesters gehören Tourneen zu den Höhepunkten. Und eine gelungene Orchesterreise muss nicht um den halben Globus gehen.
Mit Chefdirigentin Joana Mallwitz, Artist in Residence Alice Sara Ott, Beethoven 3. Klavierkonzert und Mahler 5 waren wir zu ausverkauften Konzerten in Bielefeld, Essen, der Hamburger Elbphilharmonie, dem Linzer Brucknerhaus, in Nürnberg und Köln zu Gast – mehr dazu im Magazin: