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KHO, Joana Mallwitz & Alice Sara Ott, Brucknerhaus Linz © Reinhard Winkler

Sechs Konzerte an sieben Tagen – von Hamburg bis Linz und von Nürnberg bis Köln sind das Konzerthausorchester, Chefdirigentin Joana Mallwitz und Solistin Alice Sara Ott unterwegs. Auf den Pulten: Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 und Mahlers Fünfte.

Kontrastprogramm – unterwegs in Linz mit Konzertmeisterin Sayako Kusaka zu Linzer Torte mit Aussicht

Drei Konzerte liegen hinter uns, drei vor uns – von Hamburg sind wir früh am Donnerstagmorgen nach Linz geflogen. An einem solchen Reisetag ist abends kein Konzert, und auch der Freitag lässt allen bis zur Anspielprobe am Abend Luft, um durch die Altstadt mit dem barocken Hauptplatz und seinen verwinkelten Gassen zu flanieren und den Blick über die breite Donau schweifen zu lassen. Die Sportlerinnen unter uns gehen joggen, Bergwanderer und Badelustige brechen für ein paar Stunden in die Umgebung auf. „Wir sind schon richtig im Süden“, stellt unsere italienische Social Media-Managerin Eleonora Gelmetti hocherfreut fest.

Auch unsere 1. Konzertmeisterin Sayako Kusaka hat eine Pause mehr als verdient. Vom Hauptplatz rumpelt die kleine Pöstlingbergbahn seit 1898 an der Musikhochschule, Wäldchen und Wiesen vorbei den Linzer Hausberg hinauf. Wir steigen ein, denn wir sind auf der Suche nach dem einzig wahren, originalenリンツァートルテ, mit anderen Worten: Linzertorte! Die gibt es seit 1929 in der Konditorei Jindrak, die sich schlauerweise den Platz für eine Filiale mit Aussicht oben auf dem Berg gleich bei der barocken Wallfahrtskirche gesichert hat. Und wie es immer so ist auf Tournee: Andere Orchestermitglieder kommen auf die gleiche Idee.

„Schön für mich ist, dass ich Gelegenheit habe, mich mit vielen Kolleginnen und Kollegen länger zu unterhalten, wenn wir zusammen unterwegs sind. Dafür haben wir in Berlin selten Zeit", erzählt Sayako. „Und es macht immer Spaß, Spezialitäten zu probieren und kleine Geschäfte zu entdecken.“ 

Fragen unterwegs... unser Konzertmeister Zweite Geigen Johannes Jahnel über Mahlers Adagietto

„Ich liebe Mahler generell, weil er es auf so geniale Weise schafft, größten emotionalen Ausdruck zu erzeugen. So wie er jedes einzelne Instrument einsetzt und an seine Grenzen führt. Es ist wie überdimensionierte Kammermusik, in der jedes Detail ineinander greift und ein großes Ganzes bildet. Der 4. Satz der 5. Sinfonie berührt mich besonders mit seiner unglaublichen Intimität und zugleich Expressivität.

Er ist ja als Liebeslied gedacht – ich würde meiner Frau auch so ein Liebeslied schreiben, wenn ich könnte. Passenderweise spielt die Harfe eine zentrale Rolle, und unsere Tochter spielt Harfe, so dass der Satz für mich etwas sehr Persönliches hat.

Aber es  ist mehr als ein Liebeslied. Mahler fängt darin den kosmischen Aspekt der Liebe ein, alles geht über das rein Menschliche hinaus in das Ewige hinein. Ist ja klar, denn ich glaube, die ganze Menschheit sehnt sich nach Liebe, braucht Liebe. Die Bibel sagt sogar: Gott ist Liebe. Mahler wird als Jude die Worte aus dem Hohelied Salomos gekannt haben: ‚Lege mich wie ein Siegel an dein Herz. Stark wie der Tod ist die Liebe, eine Flamme Gottes.‘ (Hohelied 8:6).“

Fragen unterwegs... Orchestermanagerin Sophia Berendt

Welche Details bei der monatelangen Vorbereitung einer Tour sind am arbeitsintensivsten?

Im Vorfeld ist das die Logistik. Ich muss alle Optionen für Wege genau prüfen und auf dieser Basis Entscheidungen für Verkehrsmittel treffen. Wenn es keine Konzertagentur gibt, kümmere ich mich auch um Bus- und Hotelplanung. Das sind viele Kontakte, alle Zeiten müssen stimmen. Kurz vorher geht  es umHotellisten mit Namensänderungen, das jeweilige Check-in-Prozedere und die Frage, wann die Zimmer tatsächlich fertig sind, muss jedes Mal neu geklärt werden. Unsere Solist:innen haben vielleicht andere Hotels, Reiserouten oder Bedürfnisse als das Orchester. Das bedeutet, das Ganze ein weiteres Mal für eine Person durchzuplanen.

Was hast Du im  Laufe der Saisons an Erfahrungen gewonnen?

(Lacht). Zum Beispiel: Bis zum letzten Moment, wenn wir wieder in Berlin ankommen, kann immer noch etwas passieren, auf das man sich im Vorfeld nicht vorbereiten kann. Die Konzentration muss also immer noch da sein. Man muss eine Menge Vertrauen in Musiker:innen,  Busunternehmen, Veranstalterkolleg:innen und die eigene Vorbereitung haben. Außerdem: Nicht aufgeben! Und: Es findet sich immer eine Lösung für alles. 

Was war für dich ein emotional berührender Moment auf einer Tournee?

Unser Abschied von den Kolleg:innen der japanischen Agentur, die uns 2023 auf der Tournee betreut hat. Wir haben Tage sehr intensiv an den gleichen Sachen zusammengearbeitet und hatten ein unausgesprochenes Einverständnis, gemeinsam alles möglich zu machen. Man ist ohnehin überwältigt von den vielen Sinneseindrücken im fernen Land. Und weiß beim Verabschieden nicht, wann und ob man sich jemals wiedersieht. 

Worauf freust du dich besonders, wieder zu Hause bist nach einer Woche Trubel unterwegs?

Auf meine Familie und mein eigenes Bett, denn die klimatisierten Hotelzimmer nerven mich nach einer Weile immer. 

Kontrastprogramm – Unterwegs in Köln mit Cellistin JaeWon Song & Bratscherin Peiyi Wu zu Kunst mit Punkten

Nach fünf Konzerten an sechs Tagen und einer Zugfahrt von Nürnberg nach Köln, die auf Umwegen zwei Stunden länger gedauert hat als geplant, sind wir alle nicht so frisch wie gewohnt. Dusche im Hotel, Mittagsschlaf und Ramen beim bereits von anderen Reisen bekannten Restaurant um die Ecke reichen manchmal nicht aus. Ein wirksames  „Lebenselixir“ für sie sei dann Kunst, erzählt Cellistin JaeWon Song: „Es hilft mir, nach dieser ermüdenden Fahrt wieder frei im Kopf zu werden für das letzte Konzert heute Abend.“ Zum Glück gibt es direkt neben der Kölner Philharmonie das Museum Ludwig. Eine gute Stunde war für JaeWon und Bratscherin Peiyi Wu lange nicht genug, um alle ausgestellten Werke der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama ausführlich anzusehen, aber genug, um sie beglücken zwischen gepunkteten Kürbissen,  Spiegelräumen und unendlichen inneren Landschaften. „Es hat so gut getan, kurz in diese Welt einzutauchen“, freut sich Peiyi. Und von dort zur Anspielprobe sind es nur ein paar Meter.

Und sonst so?

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