14.00 Uhr
Espresso-Konzert
Was war da los? Unsere KHO-Mitglieder erzählen, wie es zu einem Schnappschuss vor dem Konzert kam – dieses Mal mit Geigerin Jana Krämer-Forster und Tournee-Erinnerungen.
Das war letztes Jahr, auf unserer Tournee in Antwerpen hinter der Bühne. Da schaue ich mir mit Christoph Kulicke und Evgeny Vapnyarsky alte Fotos an und wir freuen uns, dass wir fast in der gleichen Besetzung zusammen spielen wie vor ein paar Jahren, als wir schon mal dort gastierten. Da haben wir uns dann spontan gleich noch einmal fotografiert. Manchmal machen wir auch auf der Bühne Fotos von der ganzen Zweite-Geigen-Gruppe. Damit man später mal sieht, wer alles dabei war. Zum Beispiel unsere Kollegen, die inzwischen in Pension gegangen sind.
Wir sind seit Jahren eine sehr konstante Gruppe und kennen uns mittlerweile ziemlich gut. Und feiern auch gern zusammen: Wenn zum Beispiel jemand Neues eine Stelle bekommen hat, ist es bei uns üblich, den Einstand als Gruppe gemeinsam zu feiern. Es ist ja ein großes Ereignis, eine Orchesterstelle zu bekommen. Und genauso wird auch der Ausstand gefeiert. Unser inzwischen pensionierter Stellvertretender Konzertmeister Stefan Markowski hat immer ein großes Sommerfest in seinem wunderschönen Garten für uns 2.Violinen ausgerichtet, oft sogar mit Familien.
Als Orchestermusiker haben wir das Privileg, durch Probespiele die Kollegen selbst aussuchen zu dürfen. Das machen wir gemeinschaftlich sehr sorgfältig und legen Wert auf einen guten Konsens, damit es kaum Fluktuation in der Gruppe gibt.
Manchmal hat jemand einen Zeitvertrag oder eine Akademiestelle bei uns und bekommt danach woanders eine feste Stelle. Wenn wir auf Tournee an ihrem neuen Standort spielen, kommen Ehemalige häufig zum Konzert. Darüber freuen wir uns immer sehr und es zeigt schon, wie gut die Stimmung in der Gruppe ist.
Zweite Geigen-Erinnerung: Jana Krämer-Forster und Narie Lee 2013 gemeinsam am Pult – fotografiert in einer Probe von Marco Borggreve.
Viele von uns sind unglaublich gern auf Orchesterreise, ich gehöre auf jeden Fall dazu. Unter meinen Favoriten sind die Asien-Tourneen, aber die Reisen durch Deutschland und Europa in den letzten Jahren fand ich auch spannend.
Ein besonderes Werk ist für mich Mahlers fünfte Sinfonie. Mit Musik ist es wie mit Geruch – sie lässt sofort Erinnerungen an Orte oder Momente aufleben. Wir haben die Fünfte sowohl in Tokio in der Suntory Hall als auch gerade dieses Jahr in der Hamburger Elbphilharmonie gespielt, zwei der großartigsten Konzertsäle überhaupt. In meinen Erinnerungen verbindet sich das.
Der vierte Satz, das „Adagietto“, ist wunderschöne Musik, die ich wirklich sehr liebe in ihrer filigranen Zartheit. Er wird nur von den Streichern mit der Harfe gespielt. Als Zweite Geige freue ich mich, dass wir dabei klanglich und strukturell sehr bedeutsam sind. Wir verdichten den Klang, verbinden Harmonie und Melodie, und tragen zu jener schwebenden und innigen Atmosphäre bei, die diesen Satz zu einem der berühmtesten langsamen Sätze der Orchesterliteratur macht.
Jana Krämer-Forster in einer Probe unseres Horenstein Ensembles (c) Simon Pauly