Konzerthaus Kammerorchester

von Felix Kriewald 17. September 2026

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Inhalt

KONZERTHAUS KAMMERORCHESTER

SUYOEN KIM Violine und Leitung

DAS PROGRAMM

Edvard Grieg (1843–1907)
„Aus Holbergs Zeit“ – Suite für Streichorchester G-Dur op. 40
Präludium: Allegro vivace
Sarabande: Andante
Gavotte: Allegretto
Air: Andante religioso
Rigaudon: Allegro con brio

 

Pjotr Tschaikowsky (1840–1893)
Drei Stücke für Violine und Klavier op. 42 („Souvenir d'un lieu cher“), für Violine und Streichorchester bearbeitet von Alexandru Lascae
Méditation: Andante molto cantabile
Scherzo: Presto giocoso
Mélodie: Moderato con moto

 

Pause
 

Pjotr Tschaikowsky
Serenade für Streichorchester C-Dur op. 48
Pezzo in forma di sonatina: Andante non troppo – Allegro moderato
Valse: Moderato. Tempo di valse
Elegia: Larghetto elegiaco
Finale (Tema russo): Andante – Allegro con spirito

 

Ständchen im alten Stil

Zum 200. Geburtstag des dänisch-norwegischen Dichters Ludvig Holberg veranstaltete dessen Heimatstadt Bergen einen großen Festakt. Dabei ging es aber nicht nur um die Ehrung des Geburtstagskinds, sondern auch darum, Holberg für sich als Norweger zu beanspruchen. Zu Holbergs Zeit (1684–1754) war Norwegen Teil einer Union mit dem vorherrschenden Dänemark. So gilt Holberg heute noch immer in beiden Ländern als Nationaldichter. Den Soundtrack für diese politische Party im Dezember 1884 sollte der neue Nationalheld liefern: Edvard Grieg, ebenfalls in Bergen geboren, war zu dem Zeitpunkt einer der bekanntesten Komponisten Europas. Eine inbrünstige, patriotische Kantate für Männerchor, die im Freien gesungen werden sollte und eine Suite für Klavier sind die musikalischen Zeitzeugen dieser Veranstaltung. Die Kantate geriet schnell in Vergessenheit – die Aufführungsbedingungen waren alles andere als optimal, wie eine zynische Aufzeichnung von Grieg zeigt: „Schnee, Hagel, Sturm und jede Art von Unwetter, riesiger Männerchor mit offenen Mündern, in die der Regen hineinströmt, ich selbst als Dirigent mit wasserdichtem Umhang, Wintermantel, Gummistiefeln und Schirm! Und danach natürlich eine Erkältung oder wer weiß, was für eine Krankheit! Na ja, so kann man auch für sein Land sterben!“ Die Suite im alten Stil, wie das zweite Stück auch übertitelt ist, entwickelte sich jedoch schnell zu einem der beliebtesten Werke des Komponisten – eine Begeisterung, die bis heute anhält. Nach dem Erfolg der Originalfassung für Klavier bearbeitete Grieg sein Werk umgehend für Streichorchester. Es ist einer barocken Tanzsuite nachempfunden, wie sie zu Holbergs Zeit (der sich seine Lebensdaten grob mit Bach und Händel teilt) typisch war. Griegs Talent für lyrische Melodien blitzt dabei immer wieder auf, vor allem der getragene vierte Satz ist bei aller barocker Imitation unverkennbar romantisch angehaucht.

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Klingende Erinnerung

Pjotr Tschaikowskys Violinkonzert gehört heute zu den beliebtesten Solokonzerten überhaupt. Bei seiner Uraufführung war das Wohlwollen allerdings begrenzt – berühmt wurde Eduard Hanslicks Ausspruch, das Konzert sei der Beweis, dass Musik stinken könne. Vielleicht hat sich Tschaikowsky deshalb dagegen entschieden, der Geige weitere große Werke zu widmen. Klein, aber fein ist sein im gleichen Jahr wie das Violinkonzert entstandene „Souvenir d’un lieu cher“. Der titelgebende „geliebte Ort“ ist das ukrainische Dorf Brajiliw, wo der Komponist 1878 bei seiner Mäzenin Nadeschda von Meck logiert und sich hörbar pudelwohl gefühlt hat. Die Méditation an erster Stelle entstand allerdings bereits gemeinsam mit dem Violinkonzert in der Schweiz, da sie ursprünglich dessen Mittelsatz bilden sollte. Besonders nostalgisch klingt die finale Mélodie. Vom süßlich-schmachtenden Thema bleibt am Ende nur noch eine Erinnerung, bevor auch diese sich in Luft auflöst. Abgesehen von eigenen Arrangements anderer Werke ist sein „Souvenir d’un lieu cher“ das einzige Stück, das Tschaikowsky für Geige und Klavier komponiert hat. Die heute erklingende Version für Geige und Streichorchester stammt vom rumänisch-holländischen Dirigenten Alexandru Lascae und ist bei größerer Klangfülle als das Original gleichzeitig intimer als die häufiger gespielte Orchesterfassung von Alexander Borodin.

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Eine große Nachtmusik

Kein anderer Komponist war Pjotr Tschaikowsky so wichtig wie Wolfgang Amadeus Mozart. Schon als Kleinkind geriet er bei seinen Werken in „heiliges Entzücken“ und sein Don Giovanni soll Tschaikowsky selbst überhaupt erst zum Komponieren bewegt haben. 100 Jahre nach der Uraufführung ebendieser Oper widmete Tschaikowsky seinem Vorbild eine Orchestersuite mit dem Titel Mozartiana. Ein weitaus bekannteres Zeugnis seiner Liebe zu Mozart ist jedoch seine Streicherserenade in C-Dur. Mozart hatte diese Gattung nicht zuletzt mit seiner „kleinen Nachtmusik“ maßgeblich geprägt. Während die Serenaden der Wiener Klassik in aller Regel für wenige Instrumente geschrieben wurden, wollte Tschaikowsky seinem Werk keine Grenzen setzen – in der Partitur vermerkte er: „Je zahlreicher das Streichorchester, desto mehr wird es den Wünschen des Componisten entsprechen.“ Schon der einleitende Choral mit seinem feierlichen, fast opernhaften Gestus öffnet eine weitaus dichtere Klangwelt als die Serenaden von Mozart, Haydn und Zeitgenossen. Der wohl beliebteste Satz ist der folgende Walzer, der bei der Uraufführung 1881 sogar als Zugabe wiederholt wurde – eine luftige Hommage an Mozarts Menuette, die aber auch an Tschaikowskys Ballettmusiken denken lässt. Das heimliche Herzstück ist jedoch der dritte Satz mit seinem innigen Dialog zwischen Geigen und Celli. Im nahtlos anknüpfenden Finale verbindet Tschaikowsky klassische Eleganz mit russischer Folklore. Das tänzerische Thema ist einem Volkslied entnommen, das sich rückwirkend als Grundlage für den Choral aus dem ersten Satz entpuppt – Raffinesse, auf die Mozart sicher stolz gewesen wäre.

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Konzerthaus Kammerorchester

Das 2009 von Musiker*innen des Konzerthauses gegründete Konzerthaus Kammerorchester besteht ausschließlich aus Mitgliedern des Konzerthausorchesters Berlin und kommt ohne Dirigenten aus. Der demokratisch organisierte Klangkörper hat einen festen Platz in der Konzertsaison des Hauses und tritt wiederholt auf internationalen Podien in Erscheinung. So führten mehrere Konzertreisen das Ensemble beispielsweise in die Türkei, nach Holland und nach Japan. Mehrere CD-Einspielungen sind erschienen, darunter mit dem Geiger Daniel Hope aus der Reihe „Recomposed by Max Richter“ die „Vier Jahreszeiten“ nach Antonio Vivaldi, ausgezeichnet mit dem „Echo Klassik“ 2013. Das Repertoire konzentriert sich hauptsächlich auf Werke für Streichorchester, aber auch auf Bearbeitungen von großen Kammermusikwerken wie zum Beispiel Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ in der Bearbeitung von Gustav Mahler. Auch sinfonische Werke mit kleinerer Bläserbesetzung oder Solokonzerte mit Solisten wie dem Cellisten Julian Steckel, dem Geiger Ning Feng oder dem Pianisten Matthias Kirschnereit gehören zum Programm. Die Geigerin Sayako Kusaka trat im März 2008 das Amt als Erste Konzertmeisterin des Konzerthausorchesters Berlin an und ist die künstlerische Leiterin des Kammer­orchesters. Auch die anderen Konzertmeister*innen des Konzerthausorchesters arbeiten regelmäßig in leitender und solistischer Funktion mit dem Kammerorchester zusammen. www.konzerthaus-kammerorchester.de

Suyoen Kim

Die Geigerin Suyoen Kim wurde 1987 in Münster geboren und erhielt ihren ersten Geigenunterricht mit fünf Jahren. Im Alter von neun Jahren wechselte sie als jüngste Jungstudentin Deutschlands zu Prof. Helge Slaatto an die Musikhochschule Münster, an der sie mit Diplom abschloss. 2010 und 2012 absolvierte sie ein Aufbaustudium bei Prof. Ana Chumachenco an der Hochschule für Musik und Theater München und an der Kronberg Academy. Schon während ihres Studiums gewann sie 2006 den 1. Preis beim Internationalen Violin-Wettbewerb Hannover. 2009 war Suyoen Kim 4. Preisträgerin beim Queen Elisabeth International Violin Competition in Brüssel. Suyoen Kim tritt als Solistin mit renommierten Orchestern und Dirigenten sowie mit zahlreichen Kammermusikpartnern auf, das Artemis Quartett ist das erste Kammermusikensemble, in dem sie eine feste Position inne haben wird. Seit Anfang 2018 ist Suyoen Kim Erste Konzertmeisterin im Konzerthausorchester Berlin. Suyoen Kim spielt die Violine „Lord Newlands“ von Antonio Stradivari aus dem Jahre 1702, die die Nippon Music Foundation freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Und täglich grüßt das Probespiel

Wer sich einen Platz an unserer Orchesterakademie erspielt, ist mit dem Musikstudium meistens fast fertig und beherrscht sein Instrument auf jeden Fall hervorragend. Im Konzerthausorchester lernen die Stipendiatinnen und Stipendiaten den Alltag ihres künftigen Berufs kennen. Immer ein Thema: Wo finden Probespiele um Orchesterstellen statt?

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