Gemeinsamer Atem & Ehe zu siebt

von Annette Zerpner 15. September 2026

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Konzerthaus Kammerorchester, Viola Bayer © Simon Pauly

Musik lässt sich individuell direkt über den Körper wahrnehmen. Zugleich besitzt sie eine enorme Kraft, Verbindung und Gemeinschaft herzustellen. Zu diesem Saisonthema haben wir uns im Konzerthausorchester umgehört und erfahren: Kammermusik zu spielen, bringt für unsere Musikerinnen und Musiker beides intensiv zusammen – ob im Konzerthaus Kammerorchester, im Horenstein Ensemble oder in unterschiedlichen Besetzungen, die sich für einzelne Konzerte im Laufe der Saison für insgesamt 11 Konzerte finden.

„Für mich ist Musik reine Emotion – und wo, wenn nicht im Körper, spürt man Emotion?...“

„Der Übergang vom Körperlichen, wenn man die Töne der Kontrabässe im Bauch fühlt, zur Empfin­dung, die aufsteigt, wenn die Geigen eine richtig schöne Kantilene spielen, ist fließend. Das kann mein eigenes Instrument nicht, und es bereichert mich sehr, wenn ich es im Orchester beim Zuhören erlebe“, erzählt Cellistin Viola Bayer, die sich im Konzerthaus Kammerorchester-Vorstand engangiert.

„Mein Idealzustand bei Kammermusik ist, sich ohne Worte nur durch Musik zu verstehen. Am Anfang braucht man selbstverständlich erstmal sei­nen Kopf: Ich muss mich mit meiner Cellostimme beschäftigen. Dann klären wir gemeinsam unsere Vorstellungen und vereinbaren, wie etwas gespielt wird. Wenn irgendwann alle mitfließen und unsere Stimmen so ineinandergreifen, dass jeder sofort erspürt, was der andere sagen möchte, ist das wun­dervoll. Ich liebe Streichquartett und -sextett, das hat für mich genau die richtige Ensemblegröße.“

Eine Probenphase mit dem Konzerthaus Kammerorchester ist jedes Mal zugleich ein Glück und eine Herausforderung für sie: „Je mehr von uns beteiligt sind, desto wichtiger wird, vieles vorher abzuklären und zu vereinheitlichen. Deshalb haben wir unsere Künstlerische Leiterin Sayako Kusaka oder einen Gastkonzertmeister. In einer Probe können keine 23 Streicher über die Strauss-Metamorphosen diskutie­ren. Insofern rückt ein Kammerorchester näher ans Sinfonieorchester heran, wo der Dirigent oder die Dirigentin ihre Ideen verwirklichen. Aber es bleibt ein Ensemble – wir haben die Möglichkeit, uns musika­lisch zu treffen und zu einer gemeinsamen Sprache zu finden. Sehr speziell ist das Gefühl, wenn wir in der Stimmgruppe Celloensemble spielen. Da sind wir so vertraut mit dem Spiel der anderen, den Instrumenten und dem gemeinsamen Klang, dass es am allerein­fachsten ist, einander zu finden.“

Vier Konzerte spielt das Konzerthaus Kammerorchester diese Saison – das erste am 17. September leitet unserer Erste Konzertmeisterin Suyoen Kim, das zweite am 3. Dezember ihre Kollegin Sayako Kusaka, die auch Künstlerische Leiterin des KHKO ist.

Suyoen Kim während einer Kammermusikprobe im Konzerthaus; Sayako Kusaka mit dem Konzerthaus Kammerorchester (c) Simon Pauly

„Diskutieren, ausprobieren und hinterfragen, bis zur gemeinsamen Interpretation“

Unser ältestes Konzerthaus-Ensemble ist so gut wie einzigartig und liebt gemeinsames Musizieren in besonderer Flexibilität: Bei jedem Konzert stehen Werke in unterschiedlichen Besetzungen auf dem Programm.

„Man sagt ja, ein Streichquartett sei wie eine Ehe. Wenn das stimmt, sind wir polyamor – wir sind sieben im Horenstein Ensemble. Das ist Berlin“, sagt Harfenistin Ronith Mues und lacht. „So wie wir sind, passt's wunderbar zusammen: Jana Krämer-Forster, Matthias Benker und Andreas Timm an Geige, Bratsche und Cello, unser Klarinettist Ralf Forster und ich sind bald zwanzig Jahre dabei. Wir haben also fast im Sandkasten angefangen. Johanna Pichlmair an der Ersten Geige und Yuan Yu an der Flöte sind jetzt unsere festen Gäste. Wir hatten die Freude, auf diesen Positionen bereits mit vielen tollen Musikerinnen und Musikern zu spielen. Für einzelne Stücke haben wir uns außerdem auch schon weitere Gäste wie einen unserer Schlagzeuger eingeladen.

Für mich ist Kammermusik fast die Königsdisziplin. Man hat durchweg zu spielen – für eine Harfenistin im Orchester keine Selbstverständlichkeit. Man sitzt nah beieinander, interagiert die ganze Zeit, atmet gemeinsam und merkt sofort, wie die Energien untereinander zu fließen beginnen.

Ein Ensemble bietet technisch und klanglich noch andere Schichten der ‚Qualitätssicherung‘ als Orchesterspiel. In unseren Proben gehört dazu, dass wir diskutieren, ausprobieren und hinterfragen, bis wir unsere gemeinsame Interpretation haben. Niemand sagt, so wird's gemacht und fertig.“

Das Horenstein-Ensemble spielt sein nächstes Konzert bei uns am 11. Dezember.

Horenstein Ensemble (c) Simon Pauly

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