13.00 Uhr
Sommerliche Führung durch das Konzerthaus Berlin
Wer sich einen Platz an unserer Orchesterakademie erspielt, ist mit dem Musikstudium meistens fast fertig und beherrscht sein Instrument auf jeden Fall hervorragend. Im Konzerthausorchester lernen die Stipendiatinnen und Stipendiaten den Alltag ihres künftigen Berufs kennen. Immer ein Thema: Wo finden Probespiele um Orchesterstellen statt?
Jedes Piccolo, klein wie es ist, hat seinen eigenen Charakter. Giorgio Bani (Akademist Flöte 2024-26) trifft sich auf der Suche nach seinem perfekten Exemplar mit Mentor Daniel Werner, unserem Solo-Piccoloflötisten. Den Klang der Instrumente probieren sie im Großen Saal aus, denn dort spielt ja auch sonst die Musik – von Vivaldis C-Dur-Konzert bis zu den vielsagenden Piccolo-Stellen in Schostakowitschs Sinfonien.
So fasst Daniel Werner es zusammen. „Es ist sehr wichtig, sich gut mit anderen Instrumentengruppen zu mischen – von den Streichern bis zu den Trompeten. In der hohen Lage haben wir oft die herausfordernde Funktion, den Gesamtklang zusammenzufassen. Im Orchester ist die Besetzung jede Woche unterschiedlich, schon allein innerhalb der Flötengruppe. Wie passe ich mich da klanglich ein, bleibe aber präsent? Für solche Fragen gibt es uns Mentoren.“
Dass er als Akademist viele Dirigentinnen und Dirigenten kennenlernt, spielt für Giorgio Bani eine große Rolle: „Mahler 4 stand innerhalb kurzer Zeit zwei Mal auf dem Programm, in zwei ganz unterschiedlichen Interpretationen. Ich hatte auch das Glück, Werke mit wichtigen Probespielstellen für die Zweite Flöte wie Dvořák 9oder Ravels ‚Daphnis und Chloe‘ mitspielen zu können.Diese Erfahrung ist total gut für Probespiele. Und es ist jedes Mal ein Motivationsschub, die anderen Flöten so nah neben mir zu hören. Ich denke dann immer, krass, das will ich auch können!“
Bratscherin Nilay Özdemir war selbst Stipendiatin an der Kurt-Sanderling-Akademie: „Im Studium hatte man noch luxuriös viel Zeit, sich auf Konzerte vorzubereiten. Als ich Akademistin wurde, kamen hintereinander viele große Werke auf mich zu. Ich musste lernen, zu planen und schnell zu entscheiden, was gerade am wichtigsten ist.“ Die innere Dynamik zwischen Gruppe, musikalischer Freiheit, Präsenz und Zurückhaltung begreift man so richtig erst vor Ort im Orchester, erzählt sie.
Ihre Erfahrungen gibt Nilay inzwischen als Mentorin weiter. „Besonders wegen der vielen Probespiele ist die Akademiezeit sehr ‚sportlich‘. Schon unsere gemeinsamen Probespieltrainings, bei denen auch Orchestermitglieder zuhören, sind für die Akademisten eine Herausforderung.“ Ihr Mentee Joon Hurh (Akademist Bratsche seit 2025) stimmt zu, strahlt aber Abgeklärtheit aus:
Er zuckt mit den Schultern. „Am Anfang habe ich das nicht geglaubt. Das hat sich geändert. Man kann sich vorbereiten, gut spielen und hoffen, am besten zu sein, aber es nicht wirklich kontrollieren. Je mehr Probespiele man macht, desto weniger denkt man über jedes einzelne nach. Manchmal spielt man gut, bekommt sehr gutes Feedback von der Bratschengruppe – und dann ist leider der Geschmack des Orchesters ein anderer.“ Auf dem Weg ins Sinfonieorchester braucht man einen langen Atem.