Vom Anfangen... mit Kontrabassistin Karla Wulff

von Konzerthaus Berlin 9. Februar 2026

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Akademistin Karla Wulff (re) mit Kollegin bei einer Kammermusikprobe © Simon Pauly

Wie hat das angefangen mit Dir und dem Kontrabass?

Ich bin im Kinderchor in mein musikalisches Leben eingestiegen. In meinem Heimatland Dänemark war ich auf einem Musikgymnasium, wo wir verschiedene Instrumente als Nebenfach ausprobieren konnten. Da hat mir der Kontrabass sehr gefallen. Ich habe damit begonnen und bin jetzt hier an der Kurt-Sanderling-Akademie (lacht). Das ist das erste Interview meines Lebens.

Du stehst am Anfang Deiner Karriere und erlebst vieles zum ersten Mal. Was hat Dich zuletzt besonders beeindruckt?

Neulich habe ich zum ersten Mal im Konzerthaus Kammerorchester musiziert. Das hat mich sehr beeindruckt. Wir haben die ‚Metamorphosen‘ von Richard Strauss gespielt, worin alle 23 Musiker Verantwortung für eine eigene Solostimme haben. Ich habe jeden Kollegen ganz genau gehört. In kleinerer Besetzung kann man sich als individueller Musiker viel besser ausdrücken als in einem großen Sinfonieorchester. Ich habe das Stück zwar bereits mehrfach gespielt, aber es fühlt sich in einer neuen Konstellation jedes Mal ganz neu an.

Welches Werk hat einen Anfang, den Du besonders magst?

Die ‚Metamorphosen‘ haben einen sehr besonderen Anfang: Cello und Bass kommen aus der Tiefe, daraus entwickelt sich dann alles weitere. Und es endet auch wieder in der Tiefe. Die Geschichte, die dieses Stück erzählt, liegt mir sehr am Herzen.

Hast Du Geduld mit einem zwischenzeitlichen Grad an „Chaos“, das zu jedem Schöpfungsprozess gehört?

Manchmal, aber nicht immer. Ich weiß, dass ich meine Geduld trainieren muss. Als Orchestermusikerin braucht sehr viel Geduld, denn es geht immer darum, einen kollektiven Ausdruck zu finden. Ich kann aber nur die Verantwortung für meine Stimme im Ganzen übernehmen. Wenn in einer Probenphase etwas noch nicht ganz perfekt läuft, muss ich Geduld haben, bis sich alles sammelt, damit aus unvollendeter Musik vollendete wird.

Gibt es etwas, was du nicht abgeschlossen hast und bedauerst?

Ein kurze Antwort wäre: Ich habe meinen Masterabschluss noch nicht gemacht. Aber ich glaube, es gibt viel, was ich noch nicht abgeschlossen habe. Und auch viel, was ich nicht abschließen möchte. Vor ein paar Jahren hatte ich mein Bachelorexamen und fühle mich heute fast weniger fertig als mit 18, als ich gerade mit dem Studium begonnen habe. Ich glaube, das Leben als Musikerin ist eine lange Reise, die nie fertig ist. Es geht darum, immer wieder etwas Neues zu entdecken – musikalische Wahrheit vielleicht, auch wenn das ein bisschen nach einem Klischee klingt (lacht).

Wieviel Spielraum für eigene Schöpfung bleibt im Orchester?

Nach einem Kammermusikprojekt finde ich, dass ich inspirierter bin, wenn ich ein paar Tage danach wieder im Orchester sitze. Nicht, dass ich dann alles selbst entscheiden möchte, aber ich fühle mehr innere Freiheit. Ja, das ist es. Man muss aber auch immer aufpassen, dass man sich nicht zu viel Freiheit nimmt, denn dadurch kann das Zusammenspiel kaputt gehen.

Ist man mit einem Werk jemals „fertig“?

Ich habe das Gefühl, dass ich noch nie ein Stück perfektioniert habe. Man kann immer ein andere, eine schönere Farbe finden. Ich bin ja Studentin und wirklich noch auf der Suche. Ich glaube aber auch, dass ich das nie fühlen werden, selbst in vielen Jahren nicht. Trotzdem stehe ich immer irgendwann auf der Bühne und habe einen bestimmten Punkt erreicht und versuche, mir einfach die Freiheit zu geben, zu spielen. Zweifeln und Sich-Fragen-Stellen gehört ins Übezimmer. Dort bringt es mich auf jeden Fall weiter. Auf der Bühne darf ich keine Fragen haben, sondern muss eine Antwort geben. Das nächste Mal kann es eine andere sein.

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