16.00 Uhr
Konzerthausorchester Berlin, RIAS Kammerchor, Joana Mallwitz
Mit Mahlers Vierter, diesem zweifelhaften Himmel voller Geigen, dem Konzerthausorchester, Jonathan Nott und Sopranistin Camilla Tilling fing es am 14. Februar an, unser Festival „Vom Anfangen“. Zusammen mit dem Trickster Orchestra und weiteren freien Ensembles erklang im zweiten Teil des Eröffnungskonzerts die Utopie eines transtraditionellen Sinfonieorchesters. Die angeleitete Improvisation „Amphiphilie“ dirigierte Komponistin Cymin Samawatie.
„Arab Song“ verwob Melodien aus Syrien, Jordanien und dem Libanon mit zeitgenössischen Jazz- und Fusion-Elementen. Tranceartige Beats und hypnotische Klänge der marokanischen Gnawa-Musik heizten die Stimmung an, bevor im dritten Teil der Session alle auf der Bühne zusammenkamen, um mit überraschenden Improvisationen die Vielfalt arabischer Musiktraditionen zu feiern. „Coming Home With Music“ hieß es bereits am Morgen, als die Lautten Compagney Berlin mit Countertenor Reginald Mobley den „Amerikanischen Traum“ in Gospels, afroamerikanische Spirituals, barocke Arien und Popsong-Arrangements als ursprünglichen Traum von Ankommen, Daheimsein und Zugehörigkeit auf die Bühne brachte.
Das Märchen „Frau Holle“ war Grundlage der Klangcollage „Vom Unfertigen“ über das „Leben mit seinen unfertigen Seiten und nicht fertig gewordenen Anfängen“, die in wöchentlichen Workshops mit Schüler*innen vom Campus Rütli entstanden ist. Mit dabei in der ersten Festival-Woche war das Chaos String Quartet, das seinem Namen alle Ehre machte, indem es sich dem oft ambivalenten, aber hochkreativen Zustand zwischen Verwirrung und Neuschöpfung in Werken von Haydn, Rebel und Ligeti sowie Fugen von Bach und Beethoven widmete. Um Gründe und Leid des Verschiebens ging es übrigens in der Woche darauf erneut bei Berliner Singer-Songwritern & Berlin Strings sowie in Nele Pollatscheks Lesung aus ihrem Roman „Kleine Probleme“ mit unserem KHO Bläserquintett.
Doch zunächst kam die Schönheit des Fragments voll zur Geltung: Franz Schuberts „Unvollendete“ macht für Joana Mallwitz immer wieder aufs Neue „das Jenseits hörbar“, seine Werke waren ihre Initialzündung, das Leben mit Musik zu verbringen. Für Solistin Tabea Zimmermann „singt, tanzt, weint und tröstet“ die Bratsche in Bartóks unvollendeten Konzert für Viola jedes Mal aufs Neue – so auch am 20. & 21. Februar im Großen Saal.
Das Berliner Vocalensemble The Present feierte mit seiner neuen Marienvesper „Ex Utero“ weibliche (Er-)Schaffenskraft über vier Jahrhunderte hinweg, dann folgte am dritten und letzten Wochende die Vertonung christlichen Anfangsglaubens schlechthin – Joseph Haydns „Schöpfung“. Das Konzerthausorchester, der RIAS Kammerchor, das Quinett der Gesangsolist*innen Elsa Dreisig, Kieran Carrel, Tareq Nazmi, Julia Grüter und Michael Nagl sowie Joana Mallwitz teilten zu Festivalabschluss vom 27. Februar bis 1. März im ausverkauften Großen Saal die Freuden universellen Beginnens mit ihrem Publikum – ein Gefühl, dass sich am Ende in langem, begeistertem Applaus entlud.