13.00 Uhr
Rundgang
Teresa Kammerer Violine
Linda Fichtner Violine
Felix Korinth Viola
Katja Plagens Viola
Alexander Kahl Violoncello
Viola Bayer Violoncello
Nadine Resatsch Oboe
Anna Kirichenko Klavier
DAS PROGRAMM
Dobrinka Tabakova (*1980)
„Highland Pastorale“ (2019) für Streichquartett
August Friedrich Klughardt (1847 – 1902)
„Schilflieder“ – Fünf Fantasiestücke für Oboe, Viola und Klavier op. 28
Langsam, träumerisch
Leidenschaftlich erregt
Zart, in ruhiger Bewegung
Feurig
Sehr ruhig
Pause
Ludwig van Beethoven (1770 – 1825)
Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 („Pastorale“), bearbeitet für Streichsextett von Michael Gotthard Fischer
Allegro ma non troppo („Angenehme, heitere Empfindungen, welche bei der Ankunft auf dem Lande im Menschen erwachen“)
Andante molto moto („Szene am Bach“)
Allegro („Lustiges Zusammensein der Landleute“)
Allegro („Donner, Sturm“)
Allegretto („Hirtengesang. Wohltätige, mit Dank an die Gottheit verbundene Gefühle nach dem Sturm“)
Diese euphorische Notiz über die wohltuende Wirkung der Natur schrieb der gestresste Großstädter Ludwig van Beethoven, den es immer wieder ins Umland von Wien hinauszog. Und so wirkt der große Komponist 200 Jahre später in einer anderen europäischen Großstadt plötzlich überraschend nahbar, zeigen Umfragen doch immer wieder, dass auch heute noch die Sehnsucht nach Natur und Landleben in Städten besonders ausgeprägt ist. Und um diese Sehnsucht geht es in der Musik heute. Um die Natur als Inspirationsquelle und als romantische Metapher für große Gefühle. Und um den Wunsch, diese in ihrer Vielfalt zu bewahren.
Pastorale aus dem schottischen Hochland
Dass es in seiner Musik um ebenjene Gefühle geht und nicht das Abbilden der Natur war Beethoven so wichtig, dass er dem Untertitel seiner sechsten Sinfonie noch hinzufügte: „Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei!“ Zu dieser Sinfonie mit dem Beinamen „Pastorale“ kommen wir am Ende des Programms. Die von der Hirtenmusik abgeleitete Genrebezeichnung („pastor“ ist das lateinische Wort für „Hirte“) hatte sich bereits zur Zeit des Barock im 17. und 18. Jahrhundert etabliert und inspiriert Komponist*innen bis heute. So auch die britisch-bulgarische Komponistin Dobrinka Tabakova, deren „Highland Pastorale“ die heutige Matinee eröffnet. Das Stück war ursprünglich als Teil des Orgelwerks „Diptych“ konzipiert und wurde zum 75-jährigen Jubiläum des Cheltenham Music Festivals eigens von der Komponistin für Streichquartett arrangiert. So liegt der Bordun („Brummbass“), der an einen Dudelsack erinnert, nun im Violoncello, während die Erste Violine, teils mit Unterstützung der übrigen Stimmen, verzierte und an Volksmusik erinnernde Melodien darüber spielt. So einfach und frei schwebend, als würden sie beim Anblick der Berge und Hügel spontan improvisiert werden.
Vom Herzschmerz klagendes Schilfrohr
Auch immer wieder in Verbindung mit Pastoralmusik gebracht wird der Klang der Holzblasinstrumente, insbesondere der der Oboe. Eines der berühmtesten Beispiele ist hierfür wahrscheinlich die sogenannte Hirtenmusik zur Eröffnung der zweiten Kantate in Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Mit Blick auf das aus Schilfrohr gebaute Mundstück der Oboe ist es also gleich in doppelter Hinsicht schlüssig, dass August Friedrich Klughardt neben der Viola und dem Klavier dieses Instrument zur Vertonung der „Schilflieder“ wählte. Sie basieren auf dem gleichnamigen Gedichtzyklus des österreichischen Dichters Nikolaus Lenau. Dieser bedient sich hier der für die Romantik typischen Natursymbolik, um den verzweifelten Liebesregungen seines lyrischen Ichs Ausdruck zu verleihen: „traurig säuseln“ die Weiden und „klagen“ die lauten Winde, während das Rohr geheimnisvoll „rauscht“ und „flüstert“, dass ich „weinen, weinen“ soll. Doch so eng Klughardt sich auch am Text orientiert hat – dieser ist sogar in den Noten notiert und für Sie im digitalen Programmheft nachlesbar - am Ende können die expressiven Melodien von Oboe und Viola, unterstützt von einem vielschichtigen Klaviersatz, den Herzschmerz vielleicht doch am besten vermitteln.
Versöhnlicher Hirtengesang
Auf Oboen muss in der heutigen Fassung von Beethovens sechster Sinfonie ebenso verzichtet werden wie auf Flöten und Klarinetten. Ihre Stimmen übernehmen in der Bearbeitung des Beethoven-Zeitgenossen Michael Gotthard Fischer die Violinen, während Fagott- und Hornstimmen in den Bratschen liegen und Hörner, Trompeten und Pauken in den Aufgabenbereich der Violoncelli fallen. Die kammermusikalische Fassung des Erfurter Organisten und Komponisten gab so, lange vor jeglichen Tonträgern oder Streaminganbietern, Profi- und Laienmusiker*innen die Möglichkeit, Beethovens „Pastorale“ auch außerhalb von seltenen Sinfoniekonzerten kennenzulernen. Womit wir wieder bei der Hirtenmusik wären. Auch wenn der „Hirtengesang“ ganz explizit erst im letzten Satz auftaucht, führen die vorangehenden Sätze in eine landschaftliche Idylle, wie auch die doch recht programmatisch anmutenden Satzüberschriften verraten. Und ganz scheint sich Beethoven der Tonmalerei nicht entziehen zu können. Oder hört man da etwa nicht ein Vogelgezwitscher am Ende des zweiten Satzes, einen bäuerlichen Tanz im dritten oder Donner und Blitze im vierten Satz?
Gleichsam den Gesetzmäßigkeiten der Natur folgend fließen die Melodien und Rhythmen in Beethoven sechster Sinfonie besonders organisch ineinander und schließen mit einer versöhnlichen Danksagung.
Wandel in Gemeinschaft
Auf diese emotionale und versöhnliche Kraft der Musik setzt auch die Initiative „Orchester des Wandels“, der die Musiker*innen des Konzerthausorchesters im Herbst 2025 beigetreten sind. Der Zusammenschluss von Mitgliedern zahlreicher deutscher Berufsorchester will mit Konzerten und Projekten rund um Themen des Klima-, Natur- und Artenschutzes inspirieren und in einem Gefühl von Gemeinschaft den gesellschaftlichen Wandel mitgestalten.
1.
Drüben geht die Sonnen scheiden,
Und der müde Tag entschlief.
Niederhangen hier die Weiden
In den Teich, so still, so tief.
Und ich muß mein Liebstes meiden:
Quill, o Träne, quill hervor!
Traurig säuseln hier die Weiden,
Und im Winde bebt das Rohr.
In mein stilles, tiefes Leiden
Strahlst du, Ferne! hell und mild,
Wie durch Binsen hier und Weiden
Strahlt des Abendsternes Bild.
2.
Trübe wird’s, die Wolken jagen,
Und der Regen niederbricht,
Und die lauten Winde klagen:
„Teich, wo ist dein Sternenlicht?“
Suchen den erloschnen Schimmer
Tief im aufgewühlten See.
Deine Liebe lächelt nimmer
Nieder in mein tiefes Weh.
3.
Auf geheimem Waldespfade
Schleich ich gern im Abendschein
An das öde Schilfgestade
Mädchen, und gedenke dein!
Wenn sich dann der Busch verdüstert,
Rauscht das Rohr geheimnisvoll,
Und es klaget, und es flüstert,
Daß ich weinen, weinen soll.
Und ich mein, ich höre wehen
Leise deiner Stimme Klang
Und im Weiher untergehen
Deinen lieblichen Gesang.
4.
Sonnenuntergang;
Schwarze Wolken ziehn,
O wie schwül und bang
Alle Winde fliehn!
Durch den Himmel wild
Jagen Blitze, bleich;
Ihr vergänglich Bild
Wandelt durch den Teich.
Wie gewitterklar
Mein ich dich zu sehn,
Und dein langes Haar
Frei im Sturme wehn!
5.
Auf dem Teich, dem regungslosen,
Weilt des Mondes holder Glanz,
Flechtend seine bleichen Rosen
In des Schilfes grünen Kranz.
Hirsche wandeln dort am Hügel,
Blicken in die Nacht empor;
Manchmal regt sich das Geflügel
Träumerisch im tiefen Rohr.
Weinend muß mein Blick sich senken;
Durch die tiefste Seele geht
Mir ein süßes Deingedenken,
Wie ein stilles Nachtgebet!
wurde in Heidelberg geboren und studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler bei Stephan Picard, der Indiana University in Bloomington (USA) bei Mauricio Fuks sowie in Köln bei Mihaela Martin. Seit 2006 ist sie Mitglied im Konzerthausorchester Berlin und Vorspielerin der Ersten Violinen. Sie spielt außerdem im Konzerthaus Kammerorchester, in dessen aktuellem Vorstand sie sich engagiert. Sie ist unter anderem Preisträgerin des Ibolyka-Gyarfas-Wettbewerbs Berlin und der Internationalen Wettbewerbe in Heerlen (NL) und Bled (SVN) sowie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes, der Fulbright-Kommission, des DAAD, der Deutschen Stiftung Musikleben, der Jürgen Ponto Stiftung und der Landessammlung Baden-Württemberg. Teresa Kammerer spielt eine Violine von Guiseppe Rocca aus dem Jahre 1831.
studierte in ihrer Heimatstadt Berlin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler bei Werner Scholz und Michael Erxleben sowie in Leipzig bei Carolin Widmann. Seit 2016 ist sie Mitglied im Konzerthausorchester Berlin, in dem sie bereits seit 2011 mit einem Zeitvertrag spielte. Die Preisträgerin des Internationalen Königin Sophie Charlotte Wettbewerbs musiziert außerdem im Konzerthaus Kammerorchester.
studierte in seiner Heimatstadt Berlin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler bei Gerhard Riedel. Seit 2005 ist er Mitglied im Konzerthausorchester Berlin, außerdem spielt er im Konzerthaus Kammerorchester. Der passionierte Kammermusiker tritt regelmäßig in verschiedenen Besetzungen auf. Als Akademiebauftragter betreut Felix Korinth die Stipendiat*innen der Kurt-Sanderling-Akademie des Konzerhausorchesters
wurde in Heidelberg geboren und studierte Violine in Mainz bei Dénes Zsigmondy sowie an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler bei Eberhard Feltz – außerdem dort Viola bei Stephan Fehlandt. Seit 2004 ist sie Mitglied im Konzerthausorchester Berlin. Sie war Stipendiatin der Orchesterakademie der Berliner Staatsoper.
wurde in Hanau geboren. Er studierte in Berlin und Rostock bei Michael Sanderling und Josef Schwab. Seit 2005 ist er Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin, außerdem spielt er im Konzerthaus Kammerorchester. Mit den „Berliner Cellharmonikern“ tritt er bei internationalen Festivals auf.
wurde in Kaiserslautern geboren. Sie studierte in Saarbrücken, Köln und Düsseldorf. Seit 2001 ist sie Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin, außerdem spielt sie im Konzerthaus Kammerorchester. Viola Bayer war Stipendiatin der Stiftung „Villa Musica“ und spielt als passionierte Kammermusikerin in verschiedenen Besetzungen mit. Sie ist im aktuellen Vorstand des Konzerthaus Kammerorchesters.
wurde in Bamberg geboren und studierte in Würzburg und Köln sowie in der Meisterklasse von Günter Passin. Seit 2007 ist sie Solo-Englischhornistin des Konzerthausorchesters Berlin. Sie war Stipendiatin der Stiftung „Villa Musica“. Mit ihrem Trio Colorit hat sie das preisgekrönte Kinderhörspiel „Ratze-Fatze-Rüdiger“ produziert.
studierte an der Hochschule „Neshdanova“ in ihrer Heimatstadt Odessa Klavier und Komposition sowie im Fach Klavier bei Hans Leygraf am Mozarteum Salzburg. Seit ihrem Debüt im Alter von sechs Jahren mit dem Philharmonischen Orchester Odessa verbindet sie eine intensive Zusammenarbeit mit führenden Orchestern in der Ukraine. Anna Kirichenko war Klavierpartnerin von Reiner Goldberg, Kurt Rydl, Klaus Thunemann, Karl Leister, Silvia Careddu, Christopher Corbett und Reinhold Friedrich. Die Preisträgerin des Prokofjew-Wettbewerbs ist Gast bei vielen internationalen Festivals wie dem Schleswig-Holstein Musikfestival, Summerwinds, Landsberger Musiksommer, TwoDays/TwoNights Odessa. Anna Kirichenko ist Dozentin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.