13.00 Uhr
Rundgang
Avigail Bushakevitz Violine
Nilay Özdemir Viola
Constance Ricard Violoncello
Zhora Sargsyan Klavier
DAS PROGRAMM
Jean Françaix (1912 – 1997)
Divertissement für Klavierquartett
Lili Boulanger (1893 – 1918)
„D'un soir triste“ für Klaviertrio
Pause
Gabriel Fauré (1845 – 1925)
Klavierquartett c-Moll op. 15
Allegro molto moderato
Scherzo. Allegro vivo – Trio
Adagio
Finale. Allegro molto
Ihr Leben in der beflügelnden Stadt Paris verband die drei Komponist*innen. Natürlich kannte und begegnete man sich – sowohl in der Halböffentlichkeit der berühmten Salons wie auch etwa am Pariser Conservatoire. Jean Françaix, der Jüngste, begann als 18-Jähriger sein Studium an der renommierten Ausbildungsstätte. Seine Kompositionslehrerin war Nadia Boulanger – ältere Schwester von Lili Boulanger – die schon den zehnjährigen in Kontrapunkt und Harmonielehre unterwiesen hatte. Und Gabriel Fauré, der zwar nicht am Conservatoire studiert hatte, aber zwischen 1905 und 1920 dessen Direktor gewesen war – und wiederumr Lehrer der Boulanger-Schwestern. Denn obwohl Lili zeitlebens krank und zerbrechlich war, begleitete sie Nadia so oft wie möglich zum Unterricht.
Jean Françaix wollte erklärtermaßen eine „Musique pour faire plaisir“ (Musik, die Freude bereiten will) schaffen, das Avantgardistische war nie sein Ziel. In Le Mans in eine Musikerfamilie hineingeboren war er nicht nur Komponist, sondern auch Pianist.
Seine Kompositionslehrerin wurde mit ihrem satztechnisch und gestisch reduzierten Klassizismus prägend, besonders für seine Kammer- und Klaviermusik. Musikalische Vorbilder waren Mozart, Haydn und Schubert, aber vor allem Ravel und Strawinsky beeinflussten seine Arbeit. Als Franzose und typischer Vertreter seiner Zeit schuf er charmante, liebenswürdig-spritzige Werke, die originell und witzig unterhalten. Komplexe Rhythmik ist mit einfacher Harmonik gekoppelt. Bei allem Reichtum der Klangfarben sind die Stücke durchsichtig, voll von französischem Esprit, spielerischer Grazie und leicht hingeworfener Ironie.
Das melodisch-elegante Divertissement für Klavierquartett, 1933 entstanden, ist ein überzeugendes Beispiel seiner geistreichen und an klassischen Vorbildern wie Mozart und Haydn orientierten leichten „Unterhaltungsmusik“. Und über sein berühmtes und stilistisch ähnliches Concertino für Klavier schrieb die zeitgenössische Kritik sogar: Dieses Werk ist „wie frisches Wasser, das aus einer Quelle rauscht mit der gnädigen Spontaneität von allem, was natürlich ist.“
„Meine Schwester Lili, das war die Komponistin, ich habe kein Talent", so Nadia Boulanger über ihre Schwester, die für sie „die erste Komponistin von Belang" gewesen war. Und auch wenn der schwesterliche Stolz hierbei wohl ein wenig übertrieb, Lili galt durchaus als die Begabtere der beiden. Und es gelang ihr 1913 als erste Frau in der 110-jährigen Geschichte den Hauptpreis des prestigeträchtigen „Prix de Rome“ zu gewinnen.
Nadia und Lili wuchsen in einem hochmusikalischen Elternhaus auf und wurden von klein auf gefördert. Ihr Vater war Komponist und Gesangslehrer, die Mutter, eine adlige Russin, Sängerin. Sie hielt regelmäßig Salons ab – die künstlerische Elite der Stadt gab sich die Klinke in die Hand. Für die Schwestern war es ganz normal von Dichter*innen, Maler*innen und Musiker*innen umgeben zu sein. Und obwohl Lili chronisch lungenkrank war und unter Morbus Crohn litt, bekam sie Instrumentalunterricht und begleitete Nadia so oft wie möglich ans Conservatoire. Lili Boulanger beeindruckte Komponisten wie Fauré und Ravel mit ihrem Talent und alle bestärkten sie darin, trotz der angeschlagenen Gesundheit, Komponistin zu werden.
In ihrer viel zu kurzen Lebenszeit – Lili Boulanger wurde nur 24 Jahre alt –komponierte sie hauptsächlich Lieder und Chormusik. Zum schmalen instrumentalen Œuvre gehört das 1917/18 entstandene „D'un soir triste“ (Von einem traurigen Abend) – ebenso wie „D'un matin de printemps“ (Von einem Frühlingsmorgen). Die zwei impressionistisch grundierten Naturschilderungen bilden ein Gegensatzpaar. Heute erklingt das schmerzvoll klagende Abendstück in der Fassung für Klaviertrio. Daneben gibt es Versionen für Cello und Klavier und für Orchester.
Anders als Jean Francaix und Lili Boulanger stammte Gabriel Fauré aus einfachen Verhältnissen. Der Vater brachte den knapp Zehnjährigen nach Paris an die neugegründete École de Musique religieuse et classique, wo er in zehn Jahren eine umfassende musikalische und Allgemeinbildung bekam. Hier lernte er Camille Saint-Saëns kennen, der den jungen Kollegen wegen seines unübersehbaren Talents förderte. So standen Fauré die Türen der Pariser Salons schnell offen. Offenbar waren seine Art und Ausstrahlung wie gemacht für diese intimen Treffen. Im Haus der Boulangers war er nicht nur als Lehrer der Töchter ein Stammgast.
Saint-Saëns und seine Mitstreiter hatten – ausgelöst durch den verlorenen Krieg gegen Preußen 1871 – als deutliches Zeichen gegen die deutsche Dominanz gerade in der Kammermusik, die Société Nationale de Musique gegründet. Ziel war es, eine eigene französische Musiksprache zu schaffen. Hier wurde Fauré zum vielleicht wichtigsten Vertreter. Mit seinem ersten Klavierquartett, 1883 beendet, orientierte er sich an einer Komposition von Saint-Saëns. Er übernahm die in der deutschen Romantik übliche Viersätzigkeit, rückte jedoch das langsame Adagio an die dritte Stelle. Über dieses schreibt der britische Musikwissenschaftler Robert Orledge: „Nachdenklich und schön, mal verhalten, mal kraftvoll verlangt es von Interpreten und Zuhörern gleichermaßen ein Maximum an Konzentration.“
wurde in Israel geboren und ist in Südafrika aufgewachsen. Sie studierte an der New Yorker Julliard School bei Sylvia Rosenberg, anschließend in Tel Aviv sowie schließlich in Berlin bei Ulf Wallin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler. Seit 2014 ist sie Mitglied im Konzerthausorchester Berlin. Am Konzerthaus spielt sie außerdem im Franz Trio und im Konzerthaus Kammerorchester. Sie gewann Wettbewerbe in Israel, Spanien und Südafrika und tritt als Solistin regelmäßig mit allen großen Sinfonieorchestern Südafrikas auf. Als Kammermusikerin konzertiert sie unter anderem in Duoprogrammen mit ihrem Bruder, dem Pianisten Ammiel Bushakevitz.
wurde im japanischen Nagoya geboren. Sie studierte am Toho Gakuen College Geige und wechselte im vierten Studienjahr zur Bratsche. Seit 2019 ist die Stellvertretende Solo-Bratscherin Mitglied im Konzerthausorchester Berlin, außerdem spielt sie im Konzerthaus Kammerorchester. Davor war Ayano Kamei seit 2011 Mitglied des SWR Sinfonieorchesters.
Die Preisträgerin mehrerer nationaler Wettbewerbe spielte unter anderem unter Leitung von Seiji Ozawa als Solistin mit verschiedenen japanischen Orchestern. Als Kammermusikerin war sie beispielsweise bei den International Sejong Soloists (NY), beim Aspen und beim Affinis Music Festival sowie den Dresdener Musikfestspielen zu Gast.
wurde in Paris geboren und lebt seit 2012 in Berlin, wo sie in verschiedenen Kammermusik- und Orchesterformationen sowie als Cellopädagogin tätig ist. Ihr Studium absolvierte sie am Conservatoire Supérieur de Paris – C.N.R in der Celloklasse von Marc Coppey und später an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig bei Peter Bruns. Außerdem studierte sie Barockcello bei Balázs Máté und Jan Freiheit. Orchestererfahrung sammelte sie als Akademistin im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und im Konzerthausorchester Berlin und spielt seitdem regelmäßig mit diesen beiden Orchestern. Seit 2017 ist sie regelmäßig als Gast mit der Akademie für Alte Musik Berlin zu hören und ist seit 2015 Gründungsmitglied des Ensemble Tamuz.
studierte bei Klaus Hellwig an der Universität der Künste Berlin und schloss im Sommer 2025 sein Konzertexamen ab. Er ist Preisträger internationaler Wettbewerbe, unter anderem beim Long-Thibaud-Wettbewerb in Paris, beim Aram Khachaturyan Wettbewerb und beim Arthur-Schnabel-Wettbewerb (Berlin). Als Solist und Kammermusikpartner trat er international bereits bei zahlreichen Musikfestivals und mit Orchestern wie dem Orchestre National de France und dem Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo auf. Solistische Debüts führten Sargsyan nach Holland (Concertgebouw Amsterdam), Korea und China. Vergangene Saison war er im Rahmen des Programms ECHO Rising Stars mit dem Cellisten Benjamin Kruithof auf Tournee. Zhora Sargsyan unterrichtet und gibt seit 2022 Meisterkurse beim Harleshäuser Musikfest in Kassel. Er unterstützt das Projekt Kammerton, das jungen Menschen in Armenien und Georgien seit 2008 das Studium ermöglicht.