16.00 Uhr
Konzerthausorchester Berlin, RIAS Kammerchor, Joana Mallwitz
Unser Solo-Cellist Friedemann Ludwig freut sich darauf, in einem Rezital am 15. März mit Pianistin Zhora Sargsyan in die musikalische Welt der Pariser Salons um 1830 einzutauchen. Das Programm spannt den Bogen zwischen den dort gepflegten Musikstilen von „sérieux“ bis brillant-unterhaltend und stellt ein imaginiertes Treffen Frédéric Chopins mit Felix Mendelssohn neben die reale Künstlerfreundschaft mit Cellist Auguste Franchomme:
„Gesichert ist, dass Chopin und Mendelssohn um 1831 in Paris waren und berühmte Salons der Metropole besuchten. In adligen Kreisen waren eher Walzer oder gefällige Melodien gefragt, aber in bürgerlichen Salons lauschte man auch konzentriert progressiver, ernsthafter Musik. Chopin hat zwar als Virtuose Erfolge gehabt, aber nicht als Komponist. Er war sehr unglücklich, dass er in Paris nicht gut ankam und brauchte Geld. In einer Anekdote heißt es, er habe schon ein Ticket nach Amerika gebucht, als er Mendelssohn traf, der eine enorme Reputation hatte und ihm Unterstützung anbot.
Das Konzert beginnen wir zeitlich vorausgreifend mit Mendelssohns Klaviervariationen von 1841 und der herrlichen zweiten Cellosonate von 1843. Darin scheint sein Leben an uns vorbeizuziehen, von jugendlichem Genie über den Humor des „Sommernachtstraum“ bis zu tiefer Religiosität. Ihr steht im zweiten Teil Chopins Cellosonate gegenüber – eines seiner letzten Werke, das er seinem langjährigen Cellopartner Auguste Franchomme widmete. Klavier und Cello sind darin ganz gleichberechtigt. Gemeinsam mit dem berühmten Cellisten hat er außerdem ein ‚Grand Duo Concertant‘ über Themen aus ‚Robert le Diable‘ von Meyerbeer geschrieben, dem Pariser Opernkomponistenstar der Epoche. Das ist unser virtuoser Ausklang.“
Tara Hansen ist in der Programmabteilung für Künstlerische Produktionsplanung verantwortlich. Sie empfiehlt, sich am 19. März mit dem KHO, der jungen Violinistin Ava Bahari und Nachwuchsdirigent Killian Farrell zu einem besonders großen Espresso(-Konzert) zu treffen:
„Ich freue schon mich darauf, beide gemeinsam zu erleben. Sie strahlen viel Energie und große Lebendigkeit aus, was die intensive Musik von Ernest Chaussons „Poème“ für Violine und Orchester braucht. Das Stück wird nicht häufig gespielt. Es besteht zwar nur aus einem Satz von einer Viertelstunde, benötigt aber den solistischen Gestus eines Violinkonzerts und Ausdrucksstärke, ohne zu überziehen. Webers „Euryanthe“-Overtüre, die immer ein wenig im Schatten der „Freischütz“-Ouvertüre steht, und ein ebenfalls selten gespieltes, mal tänzerisches, mal feierliches Orchesterstück von Schumann rahmen das schon fast impressionistisch klingende „Poème“ von 1896 mit Werken aus früheren Phasen der Romantik sehr schön ein.“
Solo-Bratscherin Amalia Aubert und Johannes Jahnel, Konzertmeister der 2. Geigen, sind Mitglieder im Konzerthaus Quartett. Sie freuen sich auf ihr Konzert am 27. März, wenn neben Haydn und Brahms das zweite Streichquartett von Leoš Janáček erklingt. Die Proben dazu begannen mit einer Überraschung – und einer Lektion in Editionsarbeit:
„Ich hatte meine Janáček-Stimme in der 2008 erschienenen Originalfassung bei meinen Eltern liegen lassen. Per Post kam sie nicht rechtzeitig, also behalf ich mir mit einem Ausdruck aus der Notendatenbank. In der Probe merkten wir dann beim Vergleich mit der Partitur, dass noch eine sehr andere Version seines zweiten Streichquartetts existiert“, erzählt die Bratscherin. „Kurz vor seinem plötzlichen Tod hatte der Komponist nämlich mit dem Moravian Quartet geprobt, das das Werk stark editiert hat. Diese Fassung war in der Notendatenbank.
Aber Janáček hatte das Stück mit dem Titel ‚Intime Briefe‘ selbst schon fertig geschreiben und Kamilia Stösslová gewidmet, die er vergötterte. Ursprünglich sollte deshalb darin eine Viola d'amore die übliche Viola ersetzen. Dieses Verhalten eines 70-Jährigen gegenüber einer – noch dazu verheirateten – viel jüngeren Frau erscheint mir nebenbei bemerkt ziemlich problematisch. Die Viola d'amore wurde vom Komponisten schnell wieder durch die Bratsche ersetzt. Aber sie ist der Grund, warum die Bratschenstimme in der Originalfassung auf den ersten Blick unspielbar weit in die Höhe geht. Eine Freundin, Bratscherin im Parker Quartet, versicherte mir aber, dass man diese Fassung später nicht mehr missen möchte. Also spielen wir sie nun.“
„Und sind sehr gespannt auf die Wirkung", ergänzt Geiger Johannes Jahnel. „Für mich wird es leichter, weil die Bratsche alles in den Noten hat, was ich vorher spielen musste. Amalia muss nach oben in den ewigen Schnee, und ich darf mich entspannen und schöne Musik machen (lacht). Aber abgesehen davon erscheint mir zum Beispiel auch die Wahl der Tempi emotional überzeugender. Dass wir außerdem Haydns Kaiserquartett spielen, freut besonders Amalia, die gerade neben der Schweizer Staatsbürgerschaft die deutsche bekommen hat. Und ein Brahms-Quartett haben wir Geigen, also Sayako Kusaka und ich, uns lange gewünscht – das macht uns allen nun sehr viel Spaß und dem Publikum hoffentlich auch.“