KHO on Tour – Lucerne Festival

von Annette Zerpner 9. September 2026

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KHO & Rundfunkchor Berlin mit Duncan Ward im KKL Luzern © Patrick Hürlimann/Lucerne Festival

„Was müssen wir tun, um auch einen See hinter dem Konzerthaus zu bekommen?“ Unser erstes Gastspiel beim Lucerne Festival hat alle begeistert – die perfekte Akustik im Saal des KKL Luzern ebenso wie die Schweizer Bilderbuchumgebung aus See und Bergpanorama.

Der perfekte Tournachmittag

Fotos: KHB (Musikerinnen); Ralf Forster (KKL)

Aus Zürich angekommen, rasch die Geige ins Hotel gebracht und ab auf den See – mit Sayako Kusaka haben wir die Zeit für eine gemütliche Schiffsrundfahrt in der Nachmittagssonne genutzt und überlegt, in welches Häuschen oben an den Hängen oder unten am Ufer wir am liebsten einziehen würden – unser Favorit stand in einem Örtchen namens Kastanienbaum gleich neben der Anlegestelle. Danach ging es für unsere Erste Konzertmeisterin aber doch wieder ins Hotel zum Instrument.

Unsere Cellistin Jae Won Song kennt Luzern schon seit 1986. Als 14-Jährige ist sie mit ihrer Cellolehrerin aus Seoul zu einem Meisterkurs angereist: „Damals gab es noch kein KKL, der Kurs fand im Konservatorium statt.“ Zwei Spezialitäten hat sie allerdings erst jetzt probiert: Luzerner Birewegge, einen Strudel mit gedörrten Birnen, Pflaumen und Nüssen – und „Rivella“, das unangefochten liebste Erfrischungsgetränk der Schweiz. Empfohlen wurde ihr beides von ihrer Schweizer  Cello-Kollegin Nerina Mancini, die in Basel studiert hat. Sie erinnert sich an Arbeitsphasen mit dem Gustav Mahler Jugendorchester: „Wir waren oben auf dem Bürgenstock untergebracht und sind jeden Tag für die Proben in die Stadt runtergefahren.“ Sie hat den freien Nachmittag des Gastspiels genutzt, um „tatsächlich zum ersten Mal“ auf Luzerns Hausberg Pilatus zu fahren.

Wasserwege, Waldesruh und eine verstörende Sinfonie

Fotos: Ralf Forster

Zurückgekehrt von Berggipfel und Bootstour, stand am nächsten Morgen natürlich bei allen die Musik im Mittelpunkt: Anspielprobe für Henzes 9. Sinfonie im Kultur- und Kongresszentrum Luzern, einem ganz besonderen Konzertort.

Zwei Kanäle durchziehen das 1998 eröffnete Gebäude im Erdgeschoss, ein riesiges Dach ragt weit über das Gebäude hinaus in Richtung See, die holzverkleidete Außenwand des Konzertsaals wölbt sich dem Betrachter wie ein Cellokasten entgegen – Architekt Jean Nouvel hat am Vierwaldstätter See ein Haus voller Überraschungen geschaffen, optisch wie akustisch. Der Geräuschpegel im Konzertsaal liegt bei 18 Dezibel, liest man in der Selbstbeschreibung des Hauses. Das entspricht „Waldrauschen und ist im normalen Frequenzbereich für das menschliche Ohr nicht hörbar.“ Es herrscht also tiefe Stille, eine wunderbare Voraussetzung, um ein Musikstück in seiner gesamten Dynamik zu hören – im Saal, aber auch auf der mit einem speziellen Schallreflektor namens Canopy ausgestatteten Bühne.

Das Werk, mit dem das Konzerthausorchester am Abend seinen Einstand im beschaulichen Luzern gab, ist wahrlich alles andere als das: Hans Werner Henze, der heuer seinen 100. Geburtstag hätte feiern können, schrieb seine 1997 uraufgeführte 9. Sinfonie „als Apotheose des Schrecklichen und Schmerzlichen“ in Gedenken an und Verehrung für Menschen, die im Widerstand gegen den Faschismus ihr Leben gegeben haben.

Das Konzerthausorchester – groß besetzt unter anderem mit 9 Schlagzeugern, Orgel sowie seltenen Klangfarben wie Kontrabassklarinette oder Heckelphon – der Rundfunkchor Berlin und Dirigent Duncan Ward haben das Festival-Publikum am Montagabend mit ihrer Aufführung tief beeindruckt.

Fotos: Patrick Hürlimann/Lucerne Festival

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