Berlin Tracks

von Micha Häußermann 17. April 2026

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Inhalt

DERYA YILDIRIM  Bağlama und Gesang
Avi Avital  Mandoline
ENSEMBLE RESONANZ   


Das Programm

VOLKSLIED AUS DERSIM
„Bebek" (Baby), bearbeitet von Taner Akyol (*1977)


PIETRO LOCATELLI (1695 - 1764)
Sinfonia funebre f-Moll
Lamento: Largo
Alla breve ma moderato


ALI N. ASKIN (*1962)
„Şeker Loops" für Kaval, Bağlama, sechs Violinen und Perkussion


VOLKSLIED AUS DRAMA
„Drama Köprüsü" (Die Brücke von Drama), bearbeitet von Antonis Anissegos


TANER AKYOL
„Oy Nenem" (Oh, meine Großmutter)


ANTONIO VIVALDI (1678 - 1741)
Konzert g-Moll op. 8 Nr. 2 RV 315 („Der Sommer“ aus „Die vier Jahreszeiten“), für Mandoline und Streichorchester bearbeitet von Avi Avital
Allegro non molto
Adagio e piano – Presto e forte Presto

 

PAUSE
 

TANER AKYOL
„PHOENIX“ - Konzert für Bağlama, Mandoline, Percussion und Streichorchester (Berliner Erstaufführung)


OMER AVITAL (*1971)
„Lonely Girl"


TANER AKYOL
„Zere Mê"


AVI AVITAL (*1978)
„Avi’s Song"

KLANGERINNERUNGEN

Die Frage nach dem Ursprung musikalischer Sprache – und ihren facettenreichen Verzweigungen in unendlich verschiedene Musiktraditionen – führt immer wieder zurück zur Volksmusik. Wie feine Spuren ziehen sich verschüttete Klangerinnerungen durch die Musik aller Epochen. Mal treten sie klar hervor, mal erscheinen sie als kaum lesbare, verblasste Linien.

Dieses Programm begibt sich auf die Suche nach der gegenwärtigen Relevanz von Volksmusik: eine Spurensuche, die mal zarte, mal wuchtige Klänge anatolischer Volkslieder vor pulsierende Schläge einer Rahmentrommel stellt, die eine leise erzitternde Mandoline durchblitzen lässt, während sie die höchsten Wipfel in Vivaldis Sommer erklimmt – vor dem dichten Zwitschern der Vögel in einer imaginären Klanglandschaft. Volksmusik und ihre Sprachen sind dabei nicht nur musikalisches Material: Oft tragen sie eine eigene, poetische Erzählkraft, die Geschichten, Emotionen und Erinnerungen vermittelt.

„In der Barockmusik wie in allen Epochen klassischer westlicher Kunstmusik finden wir Einflüsse von Volksmusik. Aber wie klingt sie heute? Wie klingt ein anatolisches Volkslied heute in Berlin oder Hamburg? Welche aktuellen Prozesse nimmt so ein Lied in sich auf?“, solche Fragen stellt sich das Ensemble Resonanz im heutigen Programm.

Im Zentrum dieser musikalischen Reise durch unterschiedliche Stile, Traditionen und Epochen stehen zwei außergewöhnliche Solist:innen: Derya Yıldırım an der Bağlama, einem Saiteninstrument aus Anatolien, das in der türkischen Volksmusik beheimatet ist, und Avi Avital an der Mandoline, einem Instrument mit italienischen Wurzeln, das seit der Barockzeit als Soloinstrument und in Ensembles weltweit geschätzt wird. Beide Instrumente entstammen der Familie der Lauten – und doch sind sie durch ihre jeweiligen Traditionen unterschiedlich eingefärbt.

„Die Mandoline und die Bağlama ähneln sich im Kern sehr, doch wie bei einem Gemälde prägen Farbe und Kontext die Wirkung. Am Ende geht es aber immer um dasselbe Ziel: nämlich beim Hörenden etwas zu bewegen.“, so Avi Avital. Für ihn seien es vor allem die Kontraste zwischen Volksmusik und den klassischen Anteilen, die das Programm so besonders machen.

Auch Derya Yıldırım verbindet mit diesem Projekt eine persönliche Dimension: „Es wird für mich zu einer Art musikalischer Geschichte, bei der wir die Klangwelten beider Instrumente erkunden und auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Besonders berührt es mich, die Bağlama – ein Instrument, das sonst kaum auf den großen Bühnen klassischer Konzerthäuser zu hören ist, aber für viele Menschen eine große kulturelle Bedeutung hat – in genau diesen Räumen wie der Elbphilharmonie oder dem Konzerthaus zum Klingen zu bringen.“

„Volksmusik ist keine Nostalgie. Sie ist Bewegung, Wandel, Ausdruck – ein Spiegel der Gesellschaft.“, so Derya Yıldırım über ihre musikalische Haltung. Gemeinsam mit dem Ensemble Resonanz verbindet sie eine enge musikalische Freundschaft und der unersättliche Antrieb, musikalische Grenzen auszuloten. Daraus entstand 2018 eine Zusammenarbeit für das Körber Resonanz Labor, das sich der Entwicklung transtraditioneller Konzertprojekte verschrieben hat. Die Idee zu »Derya's Songbook« war geboren: gefüllt mit Neukompositionen traditioneller Lieder aus Griechenland, Aserbaidschan und der Türkei, entstand ein Fundus, der eine Brücke zwischen musikalischem Kulturerbe und zeitgenössischer Komposition schlägt. Eine Auswahl dieser Lieder findet nun Eingang in das Programm – ergänzt durch weitere Stücke unterschiedlicher Traditionen sowie eine Neukomposition von Taner Akyol.

Taner Akyol, Komponist und Professor für Bağlama in Berlin, fasst diesen Gedanken so: „Es geht darum, einen Resonanzraum der Erinnerung zu schaffen, der uns miteinander verbindet – auch wenn wir die Sprache des anderen nicht verstehen.“

„Bebek“ (Baby) – Volkslied aus Dersim

Taner Akyol widmet sich in „Bebek“ einem politischen Volkslied aus Dersim auf, das an die gewaltsamen Ereignisse von 1937/38 erinnert. Hier geht es um die Geschichte einer kurdischen Mutter, die sich im gleichnamigen Ort mit ihrem Neugeborenen und einer Gruppe Dorfbewohner vor Soldaten versteckt. Um nicht entdeckt zu werden, hält sie dem Kind den Mund zu – als die Soldaten weiterziehen, ist das Kind gestorben.

Akyols Bearbeitung verdichtet diese Szene zu einem eindringlichen Klagegesang, der Angst, Ohnmacht und Verlust hörbar macht. Das persönliche Schicksal wird so Ausdruck kollektiver Erinnerung und zu einem stillen Appell an Menschlichkeit.

Pietro Locatelli: Sinfonia Funebre f-Moll

Der italienische Barockkomponist und Violinist Pietro Locatelli prägte die Entwicklung virtuoser Violintechniken. Sein Stil vereint eine reiche Palette an Klangfarben, einfallsreiche Instrumentierungen und erste formale Ansätze einer Sonatensatzform, die bereits einen Übergang vom Barock zur Klassik erahnen lässt.

Viel ist über den Hintergrund und die Entstehungsumstände dieser Sinfonie nicht überliefert, doch der langgezogene Orgelpunkt, über den sich klagend ein Akkordpendel quält, lässt keinen Zweifel an der Gefühlswelt des Komponisten und dem Stellenwert eines leise wimmernden inneren Narrativs, das den Tod einer unbekannten Frau betrauert.

Zum Basso Continuo, einer fortlaufenden Basslinie im Barockzeitalter, gesellt sich in dieser Sinfonie die Laute. Ähnlich wie auch ihre Verwandte, die Mandoline, hatte die Laute im Barockzeitalter ihre Blütezeit und wurde gerne als Teil des Basso Continuo genutzt, mit der Aufgabe, das harmonische Fundament zu unterstützen. Eine aufregende Klangwelt voller Kontraste entsteht: zwischen den Streichinstrumenten und dem durchdringenden, fast perkussiven Anzupfen der Lautensaiten.

Nach dem klagenden Lamento von Locatelli wandert das Thema Trauer und Verlust in eine andere musikalische Sprache: die anatolische Volksmusiktradition.

Ali N. Askin: „Şeker Loops“

„Şeker Loops“ von Ali N. Askin vereint Minimal Music, türkische Volksmusik, südindische Rhythmen sowie Improvisation und macht dabei einen spannenden Dialog zwischen den Soloinstrumenten, Violinen und Percussion auf. Der Titel kombiniert das türkische Wort „Şeker“ („Zucker“, hier im Sinne von Süße oder Lieblichkeit) mit dem englischen „Loops“ („Schleifen“) – ein Hinweis auf die spielerischen, wiederkehrenden Motive des Stücks.

Das Stück ist virtuos und kulturell facettenreich – ein Kaleidoskop musikalischer Verzweigungen, das die rhythmische und melodische Vielfalt der beteiligten Traditionen eindrucksvoll sichtbar macht.

„Drama Köprüsü“ (Die Brücke von Drama)

In dem türkischen Volkslied „Drama Köprüsü“ treffen traditionelles Liedgut und der Individualstil des Komponisten Antonis Anissegos aufeinander und verschmelzen zu einer Fusion unterschiedlicher Musikästhetiken und Klangfarben. Das Lied erzählt von Hasan, einem Volkshelden Anfang des 20. Jahrhunderts, der in den Bergen um Drama lebte und die Reichen bestahl. „Eine Art Robin Hood, der gegen die Osmanen kämpfte.“, so Derya Yıldırım.

Taner Akyol: „Oy Nenem“ (Oh, meine Großmutter!)

„Oy Nenem“ ist Taner Akyols persönliche Hommage an seine 2001 in Berlin verstorbene Großmutter. Am Tag ihres Todes schrieb er einen Text über ihr Leben, der später von Can Dündar gesungen wurde. Für Akyol war es sein ganz persönlicher Prozess sich von seiner Großmutter, die in seinem Leben eine besondere Rolle gespielt hatte, zu verabschieden. „Ihr Leben führte sie von ihrer Heimat Dersim nach Bursa und schließlich nach Berlin – ein Weg voller Mühe, Entbehrung und Hingabe.“, so der Komponist.

Die Komposition eröffnet mit Derya Yıldırım auf der Bağlama und ihrer Stimme einen tief bewegenden Klangraum voller Emotionalität und erzählerischer Intensität. Yıldırım: „Die Bağlama trägt eine enorme Energie, die weltweit von Menschen unterschiedlichster Herkunft wahrgenommen wird. Auch wenn man die Sprache nicht versteht, spricht die Musik für sich.“

Antonio Vivaldi: Konzert g-Moll op. 8 Nr. 2 RV 315

„Der Sommer“ aus „Die vier Jahreszeiten“

In der Bearbeitung für Streichensemble und Mandoline wartet dieses Violinkonzert, das auch als der „Sommer“ aus den vier Jahreszeiten bekannt ist, mit einer kontrastreichen Instrumentierung und einer Melodik voller überbordender Lebensfreude auf. Mit zwitschernden Vögeln und einem weich gezeichneten Naturbild, ist es ein Meilenstein der Musikgeschichte und Beispiel ganz früher Programmmusik.

Vivaldi fügte jedem dieser Konzerte kurze Sonette bei, die die Hitze, die Spannung vor dem Gewitter und den Sturm beschreiben. Sehr weit ist der Weg da zur Lyrik der anatolischen Volksmusik nicht mehr.

Avi Avital: „Ich spiele viel Musik, die eigentlich für die Geige geschrieben wurde. Wenn ich klassische Musik spiele, suche ich vor allem nach Stücken mit einer hohen Finesse und vielen verschiedenen Nuancen, die aber auch eine Konzerthalle mit dem, was die Mandoline klanglich leisten kann, ausfüllen.“

Taner Akyol: „PHOENIX“

Konzert für Bağlama, Mandoline, Percussion und Streichorchester

In seinem Auftragswerk spiegelt jedes Instrument seine eigene Klangpersönlichkeit wider. Das Streichorchester, die Mandoline, die Bağlama und das Schlagzeug agieren sowohl als individuelle Stimmen als auch Teil eines kollektiven Klangkörpers. „Manchmal treten sie für sich selbst hervor, manchmal verschmelzen sie mit dem Ganzen“, erklärt Akyol. Ihm gehe es darum, das Streben nach Neubeginn in musikalische Bewegung zu übersetzen: Fragmente entstehen aus der Stille, reiben sich aneinander, lösen sich auf und formieren sich neu. Die Grenzen zwischen den Instrumenten verwischen – Bağlama und Mandoline atmen wie zwei Stimmen derselben Erinnerung, die sich immer wieder annähern und entfernen.

Für Akyol hat die Musik stets auch eine politische Dimension. „Phoenix“ verwandelt das Unaussprechliche, Emotionale und die großen Spannungen der Zeit in Klang. Über den Untertitel „Konzert“ sagt er: „Für mich ist das „Konzert“ weniger eine Gattung als ein Raum. Mich interessiert nicht die traditionelle Form, sondern die Momente, in denen die Instrumente einander begegnen, sich befragen und gemeinsam atmen.“

Omer Avital: „Lonely Girl“

Nach den erzählerischen Volksliedern erklingt das Instrumentalstück „Lonely Girl“: Avi Avital beschreibt es als „sehr intimes, intensiv melodiöses Stück. Es ist nicht improvisiert, auch nicht jazzig, einfach nur reine Melodie mit wunderbaren Harmonien“, so Avi Avital. Die Ballade schlägt mit Mandoline und harmonischen Nuancen eine Brücke zwischen Jazz, Weltmusik und Pop. „Lonely Girl“ entfaltet eine ruhige, emotionale Atmosphäre und bietet einen Moment der inneren Einkehr nach den tragischen Geschichten der Volkslieder.

Taner Akyol: „Zere Mê“

„Türkü“, wie die Volkslieder der Aşıks genannt werden, entstehen seit Jahrhunderten. „Zere mê“ ist ein neuer Türkü aus der Feder von Taner Akyol. Auf Zaza, der Sprache von Akyols Vorfahren, bedeutet „Zere mê“ „mein Inneres“, oder auch „meine Liebe, mein Leben“. Inspiriert wurde Akyol dazu durch einen Film über einen Soldaten und seine Frau, die versuchen, nach Jahren im Exil in die Türkei zurückzukehren: „Doch sie kamen in einen Schneesturm, überall war es weiß, es war nichts mehr zu sehen“, erzählt Akyol.

Für die Bağlama komponiert er seit vielen Jahren, begleitet sich auch selbst als Sänger. „Das Instrument ist die Verlängerung meines Ichs, meines Innersten, meiner Seele. Sie ist ein heiliges Instrument, ein Familienmitglied. Wir beten sogar mit ihr, auch wenn ich seit Kindesbeinen Kommunist und Atheist bin.“ In seinen Kompositionen entwickelt Akyol die Spieltechniken der Langhalslaute weiter, von Vibrati über Verzierungen zu neuen Anschlagstechniken. Er schlägt sie, kratzt sie, versucht, neue Klänge aus ihr herauszuholen. „Ich gehe sehr frei mit ihr um, aber ich weiß auch, was ich nicht darf. Ihre Seele dürfen wir nicht anrühren.“

Avi Avital: „Avi's Song“

„Avi’s Song“ ist Avi Avitals erste eigene Komposition und stammt aus dem Album „Avital Meets Avital“ (2017), einem gemeinsamen Projekt mit dem Jazzbassisten Omer Avital – die beiden teilen nur den Nachnamen, sind aber nicht verwandt. Geprägt ist das Stück von einem charakteristischen 11/8-Rhythmus aus dem Balkan-Repertoire – einer rhythmischen Sprache, die Avital seit Langem begleitet und die er als zutiefst körperlich und natürlich empfindet.

Die Nähe der Mandoline zu den Zupfinstrumenten der Balkan- und osteuropäischen Musiktraditionen verleiht dem Stück eine besondere Selbstverständlichkeit. Die asymmetrischen Rhythmen dienen dabei nicht als folkloristisches Zitat, sondern als tragendes Fundament, auf dem sich Melodie, rhythmische Energie und stilistische Offenheit verbinden. So wird „Avi’s Song“ zu einem persönlichen musikalischen Statement – und zu einem offenen Ausklang des Programms, in dem sich unterschiedliche Traditionen selbstverständlich begegnen.

  • Libretto-Texte

    „Bebek“ (Baby)

    Elma attım yuvarlandı
    Gitti beşiğe dayandı
    Bebek uykudan uyandı

    Ich warf einen Apfel, er rollte fort,
    bis er an die Wiege stieß.
    Das Baby erwachte aus dem Schlaf.


    Nenni oğul oğul
    Nenni yavrum yavrum
    Nenni gülüm gülüm
    Nenni bebek bebek

    Schlaf, mein Sohn, mein Sohn,
    schlaf, mein Liebling, mein Liebling,
    schlaf, meine Rose, meine Rose,
    schlaf, mein kleines Baby.


    Sana bebek diyemedim
    Kalkıp meme veremedim

    Ich konnte dich nicht Baby nennen,
    konnte nicht aufstehen, um dich zu stillen.

    Nenni oğul oğul
    Nenni yavrum yavrum
    Nenni gülüm gülüm
    Nenni balam balam

    Schlaf, mein Sohn, mein Sohn,
    schlaf, mein Liebling, mein Liebling,
    schlaf, meine Rose, meine Rose,
    schlaf, mein kleiner Schatz.


    Kızlar gelin çaydan geçek
    Çay bulanık nerden içek
    Bebek ölmüş kefen biçek

    Mädchen, kommt, lasst uns durch den Fluss gehen, der Fluss ist trüb – wo sollen wir trinken?
    Das Baby ist gestorben – näht sein Leichentuch.


    Nenni oğul oğul
    Nenni yavrum yavrum
    Nenni gülüm gülüm
    Nenni bebek bebek

    Schlaf, mein Sohn, mein Sohn,
    schlaf, mein Liebling, mein Liebling,
    schlaf, meine Rose, meine Rose,
    schlaf, mein kleines Baby


    Sana bebek diyemedim
    Kalkıp meme veremedim

    Ich konnte dich nicht Baby nennen,
    konnte nicht aufstehen, um dich zu stillen.


    Nenni oğul oğul
    Nenni yavrum yavrum
    Nenni gülüm gülüm
    Nenni balam balam

    Schlaf, mein Sohn, mein Sohn,
    schlaf, mein Liebling, mein Liebling,
    schlaf, meine Rose, meine Rose,
    schlaf, mein kleiner Schatz.

     

    „Drama Köprüsü“ (Die Brücke von Drama)

    Drama köprüsü Hasan dardır geçilmez bre Hasan
    Soğuktur suları Hasan bir tas içilmez

    Die Brücke von Drama, Hasan, ist so eng, kaum zu überqueren,
    ihr Wasser so kalt, Hasan, kein Schluck lässt sich trinken.


    Anadan geçilir Hasan yardan geçilmez bre Hasan
    At martini debreli Hasan dağlar inlesin
    Drama mahpusunda Hasan dostlar dinlesin

    Man kann die Mutter verlassen, Hasan,
    doch die Geliebte niemals, o Hasan.
    Heb dein Gewehr, Hasan, lass die Berge aufheulen,
    im Gefängnis von Drama lauschen die Freunde.

    Mezar taşlarını Hasan koyun mu sandın bre Hasan
    Adam öldürmeyi Hasan oyun mu sandın

    Dachtest du, Hasan, die Gräber seien nur Steine?
    Dachtest du, Menschen zu töten sei ein Spiel?


    Drama mahpusunu Hasan evin mi sandın bre Hasan 
    At martni debreli Hasan dağlar inlesin 
    Drama mahpusunda Hasan dostlar dinlesin 

    Hast du das Gefängnis von Drama für dein Zuhause gehalten, Hasan?
    Heb dein Gewehr, Hasan, lass die Berge aufheulen,
    im Gefängnis von Drama lauschen die Freunde.

    Drama köprüsünü Hasan gece mi geçtin bre Hasan
    Ecel şerbetini Hasan ölmeden içtin

    Die Brücke von Drama, Hasan, hast du sie in der Nacht überquert?
    Hast du den Trank des Schicksals geschluckt, bevor du starbst?


    Anadan babadan Hasan nasıl vazgeçtin bre Hasan
    At martni debreli Hasan dağlar inlesin   
    Drama mahpusunda Hasan dostlar dinlesin 
    At martni debreli Hasan daglar inlesin 
    Drama mahpusunda Hasan dostlar dinlesin

    Wie konntest du die Eltern verlassen, Hasan?
    Heb dein Gewehr, Hasan, lass die Berge aufheulen,
    im Gefängnis von Drama lauschen die Freunde.

     

    „Oy Nenem“ (Oh, meine Großmutter)

    Kestiler mi yolunu oy nenem,
    Yıktılar mı evini oy nenem,
    Sen bir yaşlı çocuktun,
    Kırdılar mı soyunu oy nenem…

    Haben sie dir den Weg versperrt, oh Großmutter?
    Haben sie dein Zuhause zerstört, oh Großmutter?
    Du warst ein zu früh gealtertes Kind,
    Haben sie deine Wurzeln gebrochen, oh Großmutter?


    Çal benim öksüzüm çal
    Çal yarama merhem çal

    Heile meine Wunde, heile,
    heile meinen Schmerz…


    Yumruğun sıka sıka oy nenem,
    Dilini yuta yuta oy nenem,
    Büyüttün fidanını,
    Ardından baka baka oy nenem.

    Mit geballter Faust, oh Großmutter,
    deine Worte tief verschluckt, oh Großmutter,
    du hast deinen jungen Sprössling großgezogen,
    du wachtest mit stehenden Augen, oh Großmutter…


    Çal benim öksüzüm çal
    Çal yarama merhem çal

    Heile meine Wunde, heile,
    heile meinen Schmerz…

Derya Yıldırım

Derya Yildirim

Als Sängerin, Multi-Instrumentalistin und Komponistin hat sich Yıldırım als eine der bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen anatolischen Musikszene etabliert. Aufgewachsen in einer Familie, in der Musik zum Alltag gehörte, erlernte sie bereits in ihrer Kindheit Instrumente wie Klavier, Gitarre, Ud, Saxofon und Bağlama. Ihre ersten Erfahrungen mit der Bağlama machte sie nicht auf der Bühne, sondern inmitten familiärer Hausmusik – mit Liedern, die seit Generationen weitergetragen wurden. Doch ihre musikalische Reise führte sie weit über das Private hinaus: Sie studierte von 2013 bis 2016 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und schloss 2020 ihr Studium im Fach Bağlama bei Taner Akyol an der Universität der Künste Berlin ab. Seit 2024 gibt sie ihr Wissen als Dozentin an der Popakademie Baden-Württemberg weiter.

Mit ihrer international besetzten Band Derya Yıldırım & Grup Şimşek hat sie eine einzigartige Verbindung von anatolischer Volksmusik mit Psychedelia, Jazz und Funkeinflüssen geschaffen.

In ihren Solo-Konzerten kehrt sie zur Essenz zurück: Stimme und Bağlama. Sie interpretiert Volkslieder nicht neu, sondern lässt sie weiterleben – in einem Raum ohne Genregrenzen. Ihr Ziel ist es, die Bağlama als vollwertiges Konzertinstrument zu etablieren, jenseits folkloristischer Nischen. Seit 2015 arbeitet Yıldırım mit dem Ensemble Resonanz zusammen. Ihr Projekt Derya’s Songbook, das 2019 mit Uraufführungen in der Elbphilharmonie startete, führte traditionelle anatolische Musik in neue Kontexte und verknüpfte sie mit zeitgenössischen Kompositionen.

Nach ersten Erfahrungen mit der Komposition einzelner Szenen, etwa für „Der Russe, der Birken liebt“ (2022) von Pola Beck, übernahm Yildirim 2024 erstmals die komplette musikalische Gestaltung eines Films. Sie komponierte, produzierte und spielte den gesamten Soundtrack für den Dokumentarfilm „Die Möllner Briefe“ von Martina Priessner ein, der im Februar 2025 seine Weltpremiere auf der Berlinale feierte.

Neben ihren musikalischen Projekten engagiert sich Yıldırım für die Förderung anatolischer Musik und setzt sich aktiv für den musikalischen Nachwuchs ein. Seit 2024 ist sie regelmäßiges Jurymitglied beim Bundesjugendwettbewerb Jugend musiziert im Fach Bağlama.

Avi Avital

Avi Avital

Avi Avital, der erste Mandolinen-Solist, der für einen Grammy nominiert wurde, wird aufgrund seiner Meisterschaft auf seinem Instrument mit Andrès Segovia und aufgrund seiner unglaublichen Virtuosität mit Jascha Heifetz verglichen. Bei seinen Live-Auftritten ist er leidenschaftlich und „explosiv charismatisch“ (New York Times) und die treibende Kraft hinter der Wiederbelebung der Mandoline: Seit mehr als zwei Jahrzehnten gestaltet er die Geschichte und Zukunft seines Instruments neu und spielt es in den renommiertesten Konzerthallen der Welt. Darüber hinaus hat Avi Avital das Repertoire für Mandoline nicht nur durch Transkriptionen verschiedener Stücke erweitert, sondern auch über 100 Werke für Mandoline in Auftrag gegeben, darunter Konzerte für Mandoline und Orchester von Fazil Say, Jennifer Higdon, Anna Clyne, Avner Dorman und Giovanni Sollima.

Zu den Höhepunkten der Saison 2025/26 gehören Auftritte unter anderem mit Il Giardino armonico, dem Mozarteum Orchester Salzburg, dem Tonhalle Orchester Zürich, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, der Geneva Camerata sowie eine Residenz bei den Duisburger Philharmonikern. Dabei wird er mit so renommierten Dirigent*innen wie Giovanni Antonini, Alondra de la Parra, Jeanette Sorrell, Anna Rakitina und Hugo Ticciati zusammenarbeiten. Avi Avital gibt Rezitals und Kammermusikabende mit Omer Klein, Ksenija Sidorova und dem Viano Quartet und wird u.a. in die Alte Oper Frankfurt, die Berliner Philharmonie, das Muziekgebouw Amsterdam, die Elbphilharmonie Hamburg, zum Kissinger Sommer und zum Schleswig-Holstein Musik Festival zurückkehren.

Zu Avi Avitals jüngsten Engagements gehören die Sinfonieorchester von Chicago, Seattle, Toronto und Vancouver, das Orchestre symphonique de Montréal, das Los Angeles Philharmonic, die NDR Radiophilharmonie Hannover, die Essener Philharmoniker, das HR Sinfonieorchester, die Academy of St Martin in the Fields und viele weitere. Er arbeitete unter anderem mit Dirigenten wie Zubin Mehta, Kent Nagano, Alan Gilbert, Giovanni Antonini, Jonathan Cohen und Ton Koopman.

2023 gründete Avi Avital sein Ensemble „Between Worlds“. In seiner Arbeit erkundet das Ensemble verschiedene Genres, Kulturen und Musikwelten, die sich auf verschiedene geografische Regionen konzentrieren, und präsentierte in seinem ersten Jahr traditionelle, klassische und Volksmusik von der Iberischen Halbinsel, dem Schwarzen Meer und Süditalien.

Avi Avitals Vielseitigkeit führte zu Auftritten als „Portrait Artist“ beim Schleswig-Holstein Musik Festival, im BOZAR Brüssel, im Konzerthaus Dortmund und als Artist-in-Residence beim Bodensee Festival und der La Jolla Music Society California. Er ist regelmäßig bei großen Festivals zu Gast.

Als exklusiver Künstler der Deutschen Grammophon hat Avi Avital 2025 sein erstes Album mit seinem Ensemble „Between Worlds“ veröffentlicht: „Song of the Birds“ vereint Werke von Manuel de Falla, Otar Taktakishvili und Fazil Say mit traditionellen Werken der Folklore und wurde von Publikum und Kritik gefeiert. Sein Album „Concertos“ (2023) wurde 2024 mit dem Opus Klassik für die beste Konzertaufnahme des Jahres ausgezeichnet. Auch seine vorherigen Aufnahmen „Bach“ (2019), „Avital meets Avital“ (2017), „Vivaldi“ (2015), ein Album mit Avitals eigenen Transkriptionen von Bach Konzerten (2012) und „Between Worlds“ (2014) wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Avital wurde in Be'er Sheva im Süden Israels geboren und begann im Alter von acht Jahren, Mandoline zu spielen. Bald darauf trat er dem florierenden Jugendorchester für Mandoline bei, das von seinem charismatischen Lehrer, dem in Russland geborenen Geiger Simcha Nathanson, gegründet und geleitet wurde. Er studierte an der Jerusalem Music Academy und am Conservatorio Cesare Pollini in Padua bei Ugo Orlandi. Er spielt auf einer Mandoline des israelischen Geigenbauers Arik Kerman.

Ensemble Resonanz

Mit seiner außergewöhnlichen Spielfreude und künstlerischen Qualität zählt das Ensemble Resonanz zu den führenden Kammerorchestern weltweit. Die Programmideen der Musiker*innen setzen alte und neue Musik in lebendige Zusammenhänge und sorgen für Resonanz zwischen den Werken, dem Publikum und Geschichten, die rund um die Programme entstehen.

Das 21-köpfige Streichorchester ist demokratisch organisiert und arbeitet ohne feste*n Dirigent*in, holt sich aber immer wieder künstlerische Partner*innen an Bord. Wertvolle kreative Impulse erhalten die Musiker*innen durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Geiger und Dirgenten Riccardo Minasi, der das Ensemble als „Principal Guest Conductor & Partner in Crime“ begleitet. Enge künstlerische Partnerschaften bestehen unter anderem mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja, der Bratschistin Tabea Zimmermann, dem Cellisten Jean-Guihen Queyras und der Bühnenbildnerin Annette Kurz. Eine weitere treibende Kraft ist die Zusammenarbeit mit Komponist*innen und die beständige Entwicklung neuen Repertoires.

In Hamburg bespielt das Ensemble Resonanz mit der Elbphilharmonie und dem „resonanzraum St. Pauli“ zwei besondere und unterschiedliche Spielorte. Die Residenz an der Elbphilharmonie beinhaltet die Konzertreihe „resonanzen“, die seit über 20 Spielzeiten für Furore sorgt. Aber auch mit Kinderkonzerten sowie im Rahmen diverser Festivals gestaltet das Ensemble die Programmatik des Konzerthauses an der Elbe entscheidend mit und setzt Akzente für eine lebendige Präsentation klassischer und zeitgenössischer Musik.

In Hamburgs pulsierendem Stadtteil St. Pauli haben die Musiker*innen mit dem resonanzraum 2014 einen Proben-, Konzert- und Clubraum geschaffen, an dem klassische Musik neu gedacht und erlebbar gemacht wird. Hier setzen sie mit ihrer Konzertreihe „urban string“ und zahlreichen künstlerischen Kooperationen neue Maßstäbe, um die Menschen in der Stadt mit klassischer Musik zu verbinden und ein vielfältiges Publikum zu erreichen. Bei „urban string“ trifft Kammermusik auf elektronische Kunst, gestaltet und moderiert werden die Programme von den Musiker*innen selbst. Offene Proben, Hörstunden und Philosophie-Gespräche im „bunkersalon“ öffnen neue Erfahrungsräume rund um die Konzertprogramme. Der resonanzraum wurde 2017 für sein innovatives Programm zum Hamburger Musikclub des Jahres gewählt, erhielt 2023 den Applaus Award und zudem verschiedene Architektur-Preise wie den AIT-Award oder den Publikumspreis des BDA. Die Reihe urban string wurde 2016 mit dem Innovation Award der Classical Next ausgezeichnet.

Ausgehend von Hamburg gastieren die Musiker*innen auf diversen Festivals und an den führenden Konzerthäusern weltweit und lassen von Wien bis Tokio ein begeistertes Publikum zurück.
 

Violine
Barbara Bultmann**, Charlotte Thiele**, Gregor Dierck*, Skaistė Dikšaitytė, Tom Glöckner, David-Maria Gramse, Corinna Guthmann, Juditha Haeberlin, Christine Krapp, Benjamin Spillner, Swantje Tessmann

Viola
David Schlage, Maresi Stumpf, Tim-Erik Winzer*, Barbara Köbele

Violoncello
Jörn Kellermann, Saskia Ogilvie, Alma Hernán Benedí*

Kontrabass
Anne Hofmann, Benedict Ziervogel*

Laute
Vanessa Heinisch

Perkussion
Sebastian Flaig

** Konzertmeisterin
* Stimmführer*in

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