Konzerthaus Kammerorchester

von Karen Allihn 7. Mai 2026

Teilen

Inhalt

Konzerthaus Kammerorchester

Michael erxleben Leitung und Violine
 

DAS 
PROGRAMM

CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK (1714 - 1787)
Auszüge aus der Ballettmusik zu „Don Juan“ 
 

JOSEPH HAYDN (1732 - 1809)
Sinfonie Nr. 6 D-Dur Hob I:6 („Le Matin“)
Adagio – Allegro
Adagio 
Menuetto 
Finale: Allegro


PAUSE
 

JOSEPH HAYDN 
Sinfonie Nr. 7 C-Dur Hob I:7 („Le Midi“)
Adagio – Allegro
Recitativo – Adagio
Menuetto
Finale: Allegro


Sinfonie Nr. 8 G-Dur Hob I:8 („Le Soir“)
Allegro molto
Andante
Menuetto
La Tempesta. Presto

 

ERSTES „BALLET D’ACTION“

Christoph Willibald Gluck: Auszüge aus der Ballettmusik zu „Don Juan“

1761 ging der Siebenjährige Krieg in seine letzte Phase. Fünf Jahre schon tobte – zwischen Preußen und Großbritannien auf der einen sowie Österreich, Frankreich und Russland auf der anderen Seite – ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft in Europa und um Kolonien in Amerika, Asien und Afrika. Neue Allianzen, geopolitische Neuordnungen und Finanzkrisen waren die Folgen dieses Konflikts. Doch obwohl vielerorts Tod und Verwüstung Einzug hielten, ging das Leben in anderen Regionen weiter. So heiratete der britische König Georg III. 1761 die mecklenburgische Prinzessin Sophie Charlotte. Und im Juni registrierten die Astronomen ein extrem seltenes Himmelsschauspiel: Der Planet Venus zog zwischen Erde und Sonne entlang.

Am 17. Oktober jenes Jahres gab es in Wien, damals ein Zentrum der Ballettkunst, eine vielbeachtete Uraufführung: Mit „Don Juan ou Le festin de Pierre“ (Don Juan oder das steinerne Gastmahl) nach Molière bekam das Publikum zum ersten Mal in der Geschichte dieses Genres kein barock-höfisches, standardisiertes Werk, sondern eine Choreografie mit durchgehendem Handlungsfaden zu sehen. Die Musik zu diesem „Ballet d’action“ rund um den berühmten Wüstling und egomanen Frauenheld Don Juan hatte ein damals 47 Jahre alter Jägerssohn aus der Oberpfalz geschrieben, der in Nordböhmen aufgewachsen war und ab 1731 in Prag studiert hatte. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa – mit Stationen u.a. in Mailand, London, Hamburg und Dresden – hatte er sich 1752 in Wien niedergelassen und dort schnell Anschluss an die führenden Künstlerkreise der Stadt gefunden: Christoph Willibald Gluck.

Seine ungemein ausdrucksstarke und kontrastreiche Ballettmusik besteht aus 31 meist relativ kurzen Abschnitten, die die Handlung gleichsam in Klänge übersetzen. Kulminationspunkt ist Don Juans Ende am Grab eines von ihm im Duell getöteten geistlichen Amtsmannes. Als er jede Reue verweigert und dem in einem steinernen Denkmal verewigten Komtur trotzig die Hand reicht, wird er von Furien und Dämonen in den Höllenschlund gerissen. Dieses rasante Finale, oft auch „Danse des spectres et des furies“ (Tanz der Geister und Furien) genannt, lässt an Dramatik nichts zu wünschen übrig: ein wirbelnder, aufpeitschender Totentanz, gespickt mit dahinjagenden Läufen, Reibungen und Bläsersignalen. Die Zeitgenossen hörten in dieser „Katastrophenmusik“ übrigens auch den Nachhall eines schrecklichen Naturereignisses: des verheerenden Erdbebens, das sechs Jahre zuvor Lissabon erschüttert hatte.

zurück

ERWACHENDER MORGEN

Joseph Haydn: Tageszeiten-Sinfonien

Das Jahr 1761 spielt auch in der Biografie Joseph Haydns eine besondere Rolle. Am 1. Mai trat er als Vizekapellmeister in den Dienst des Fürsten Paul II. Anton Esterházy, der von 1756-58 im Siebenjährigen Krieg gekämpft hatte und nun wieder im ungarischen Eisenstadt residierte. Ein Glücksfall für den damals 29 Jahre alten österreichischen Musiker, der seinen Lebensunterhalt bisher vorwiegend als freischaffender Musiklehrer und Komponist in Wien verdient hatte. Nun gehörte er Livrée tragend zum Hofstaat einer der angesehensten und reichsten, die Künste fördernden Adelsdynastien von Österreich-Ungarn.

Laut Vertrag hatte Haydn jede Musik zu schreiben, die der Fürst von ihm verlangte. Seine Werke, an denen er keine Rechte hatte, durften nicht kopiert oder weitergegeben werden. Außerdem hatte er zu kontrollieren, ob die Mitglieder der Hofkapelle an den Proben teilnahmen und die Urlaubsregelungen einhielten. Zu den insgesamt 14, teils drakonischen Paragraphen gehörte auch das Recht seiner Hoheit, ihn jederzeit zu entlassen.

Doch dazu kam es nicht; Haydn wusste seine Chance zu nutzen. „Die Annahme des Vertrages“, schreibt der französische Komponist und Autor Pierre Barbaud, „ermöglichte ihm ein langes fruchtbares Schaffen auf materiell gesicherter Basis bei geregelter Lebensweise“. Haydn selbst hat dazu die folgenden Worte hinterlassen: „Ich war von der Welt abgesondert. Niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so musste ich original werden.“

Zu den ersten Werken, die Haydn für das Fürstenhaus Esterházy komponierte, gehören die Sinfonien Nr. 6 D-Dur „Le Matin“ (Der Morgen), Nr. 7 C-Dur „Le Midi“ (Der Mittag) und Nr. 8 G-Dur „Le Soir“ (Der Abend). Mit dieser Tageszeiten-Trias steht Haydn ganz in der Tradition der barocken Programmmusik, die er jedoch mit modernen Elementen der sich gerade entwickelnden Wiener Klassik kombinierte. Für Abwechslung sorgen solistisch hervortretende Instrumente – fast alle Musiker der exzellenten Hofkapelle erhielten Gelegenheit, sich zu bewähren.

Außerdem regen musikalische „Zeichnungen“ die Phantasie an: So beginnt der erste Satz in „Le Matin“ mit einem Klangbild des erwachenden Morgens samt Sonnenaufgang, während man zu Beginn des zweiten Satzes Ohrenzeuge der morgendlichen Singstunde eines Chores wird. Dramatische Gegensätze prägen „Le Midi“. Über „Le Soir“ hat der Musikschriftsteller Heinrich Eduard Jacob geschrieben: „Die Welt wird tief purpurn, der Tag ist vorbei, die Geigen singen ihr Abendlied. Aber kann das ohne Gewitter enden?“ Lassen Sie sich überraschen!

zurück

Konzerthaus Kammerorchester

Konzerthaus Kammerorchester

Das 2009 von Musikern des Konzerthauses gegründete Konzerthaus Kammerorchester besteht fast ausschließlich aus Mitgliedern des Konzerthausorchesters Berlin und kommt ohne Dirigenten aus. Der demokratisch organisierte Klangkörper hat einen festen Platz in der Konzertsaison des Hauses und tritt wiederholt auf internationalen Podien in Erscheinung. So führten mehrere Konzertreisen das Ensemble beispielsweise in die Türkei, nach Holland und nach Japan.

Mehrere CD-Einspielungen sind erschienen, darunter mit dem Geiger Daniel Hope aus der Reihe „Recomposed by Max Richter“ die „Vier Jahreszeiten“ nach Antonio Vivaldi, ausgezeichnet mit dem „Echo Klassik“ 2013. Das Repertoire konzentriert sich hauptsächlich auf Werke für Streichorchester, aber auch auf Bearbeitungen von großen Kammermusikwerken wie zum Beispiel Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ in der Bearbeitung von Gustav Mahler. Auch sinfonische Werke mit kleinerer Bläserbesetzung oder Solokonzerte mit Solisten wie dem Cellisten Julian Steckel, dem Geiger Ning Feng oder dem Pianisten Matthias Kirschnereit gehören zum Programm.

www.konzerthaus-kammerorchester.de

Das Konzerthaus Kammerorchester spielt im heutigen Konzert in folgender Besetzung:

Violine
Michael Erxleben
Sayako Kusaka 
Johannes Jahnel
Melanie Richter
Linda Fichtner
Jana Krämer-Forster
Pin-Jou Chu
Elena Cotrone
Ulrike Töppen
Andreas Feldmann

Viola
Matthias Gallien
Felix Korinth
PeiYi Wu
Ayano Kamei

Violoncello
Alexander Kahl
Xiaotang Xu
Rouven Schirmer

Kontrabass
Igor Prokopets 
Theo Lee

Flöte
Giorgio Bani
Antje Schurrock

Oboe
Michaela Kuntz
Nadine Resatsch 

Fagott
Franziska Haußig

Horn
Dimitry Babanov
Markus Bruggaier

Michael Erxleben

ist Erster Konzertmeister des Konzerthausorchesters Berlin. Er wurde in Dresden geboren und studierte in seiner Heimatstadt bei Annemarie Dietze, in St. Petersburg bei Michail Waiman sowie in Berlin bei Werner Scholz. Seit 1982 ist er Mitglied im Konzerthausorchester. Er spielt außerdem als Konzertmeister im Konzerthaus Kammerorchester.

Als Solist trat Michael Erxleben in Europa, Japan, China und den USA auf, unter anderem mit den Münchener Philharmonikern, den Berliner Philharmonikern und dem Concertgebouworkest Amsterdam. Er hat Violinkonzerte von Schostakowitsch, Schönberg, Strawinsky, Hartmann und Martin bei verschiedenen Labels eingespielt. Bis 2001 war Michael Erxleben gemeinsam mit Jac van Steen künstlerischer Leiter des Neuen Berliner Kammerorchesters. Er unterrichtet als Gastprofessor an der Universität der Künste in Berlin.

Unsere Konzertempfehlungen

Weiterleitung

Für diese Veranstaltung erhalten Sie Tickets nicht über unseren Webshop. Sie werden daher auf eine externe Seite des Veranstalters weitergeleitet. Falls Sie Buchungen auf konzerthaus.de nicht abgeschlossen haben, verfallen diese nach 20 Minuten.

Abbrechen