Horenstein Ensemble

von Barbara Gugisch 25. Januar 2026

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Inhalt

HORENSTEIN ENSEMBLE 
    JOHANNA PICHLMAIR 
Violine
    JANA KRÄMER-FORSTER  Violine
    MATTHIAS BENKER  Viola
    ANDREAS TIMM  Violoncello
    RALF FORSTER  Klarinette
    RONITH MUES  Harfe
    YUAN YU  Flöte
    TIGRAN MIRZOIAN  Perkussion
FLORIAN VON RADOWITZ  Klavier

GABRIEL FAURÉ (1845 – 1924)
Fantasie für Flöte und Harfe C-Dur op. 79
Andantino
Allegro


ANDRÉ JOLIVET (1905 – 1974)
„Chant de Linos“ für Flöte, Harfe und Streichtrio


BRYCE DESSNER (*1976) 
„Murder Ballades“ für sechs Instrumente
Omie Wise
Young Emily
Dark Holler
Wave The Sea
Brushy Fork
Pretty Polly
Tears For Sister Polly

 

PAUSE


WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756 - 1791)
Klarinettenquintett A-Dur KV 581
Allegro
Larghetto
Menuetto – Trio I -/Trio II
Allegretto con variazioni

 

Von Paris über Cincinnati nach Wien

„Für mich existiert Kunst, und vor allem Musik, um uns soweit wie möglich über die Alltagsexistenz zu erheben“, so Gabriel Fauré. Das gelingt sehr gut bei einem Programm, das den Bogen von Europa nach Amerika und zurück schlägt, Werke aus vier Jahrhunderten bietet und dabei ein vielgestaltiges Instrumentarium erklingen lässt. Während die Auftaktstücke von der Flöte getragen werden, ist das Quintett nach der Pause Wolfgang Amadeus Mozarts Verneigung vor den Möglichkeiten der Klarinette. Mit Bryce Dessner kommt der aktuelle Composer in Residence des Konzerthauses zu Gehör.

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Lehrstücke voller Esprit

Gabriel Fauré war ein sehr vielseitiger Komponist. Die Stellung als Organist an der Pariser Kirche La Madeleine schloss den Erfolg in den Salons der künstlerischen Bohème nicht aus. Ab 1896 Professor für Komposition, war er zwischen 1905 und 1920 zudem Direktor des Conservatoire. In diesem Zusammenhang entstand seine Fantasie op. 79 – geschrieben auf eine Bitte des Kollegen und Widmungsträgers Paul Taffanel hin, seines Zeichens Flötenprofessor. 1898 gab dieser ein virtuoses Prüfungsstück von etwa fünf Minuten Länge für den alljährlichen „Concours de flûte“ in Auftrag, und Fauré lieferte das Manuskript mit dem dringenden Hinweis, „unbrauchbare Passagen zu ändern“. Inwieweit Taffanel tatsächlich eingegriffen hat, weiß man nicht, weil das Autograph verschollen ist. Die zweiteilige Fantasie ist ursprünglich für Flöte mit Klavierbegleitung komponiert, neben der heute erklingenden Fassung mit Harfe gibt es beispielsweise auch eine Orchesterversion.

André Jolivet, der zwischen 1945 und 1959 der musikalische Leiter des Pariser Nationaltheaters „Comédie-Française“ war und ab 1966 für fünf Jahre eine Anstellung als Professor für Komposition am Conservatoire hatte, komponierte 1944 sein „Chant de Linos“ – wie zuvor Fauré – für den Flötenwettbewerb der renommierten Ausbildungsstätte. Noch im selben Jahr schuf er die Fassung für Flöte mit Streichtrio und Harfe. Dem etwa zehnminütigen Stück liegt der Mythos um den sagenhaften Sänger Linos zugrunde, Lehrer von Herakles und Orpheus. Jolivet nannte seine Musik einen altgriechischen Trauergesang. Der einsätzige „Chant de Linos“ gliedert sich in vier Abschnitte und basiert auf einer archaisch wirkenden modalen Tonleiter. „Der Musik soll ihr ursprünglicher und uralter Charakter als magischer und beschwörender Ausdruck menschlicher Gemeinschaft zurückgegeben werden“, so Jolivets erklärtes Ziel.

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Mörderische Balladen

Gabriel Fauré war ein sehr vielseitiger Komponist. Die Stellung als Organist an der Pariser Kirche La Madeleine schloss den Erfolg in den Salons der künstlerischen Bohème nicht aus. Ab 1896 Professor für Komposition, war er zwischen 1905 und 1920 zudem Direktor des Conservatoire. In diesem Zusammenhang entstand seine Fantasie op. 79 – geschrieben auf eine Bitte des Kollegen und Widmungsträgers Paul Taffanel hin, seines Zeichens Flötenprofessor. 1898 gab dieser ein virtuoses Prüfungsstück von etwa fünf Minuten Länge für den alljährlichen „Concours de flûte“ in Auftrag, und Fauré lieferte das Manuskript mit dem dringenden Hinweis, „unbrauchbare Passagen zu ändern“. Inwieweit Taffanel tatsächlich eingegriffen hat, weiß man nicht, weil das Autograph verschollen ist. Die zweiteilige Fantasie ist ursprünglich für Flöte mit Klavierbegleitung komponiert, neben der heute erklingenden Fassung mit Harfe gibt es beispielsweise auch eine Orchesterversion.

André Jolivet, der zwischen 1945 und 1959 der musikalische Leiter des Pariser Nationaltheaters „Comédie-Française“ war und ab 1966 für fünf Jahre eine Anstellung als Professor für Komposition am Conservatoire hatte, komponierte 1944 sein „Chant de Linos“ – wie zuvor Fauré – für den Flötenwettbewerb der renommierten Ausbildungsstätte. Noch im selben Jahr schuf er die Fassung für Flöte mit Streichtrio und Harfe. Dem etwa zehnminütigen Stück liegt der Mythos um den sagenhaften Sänger Linos zugrunde, Lehrer von Herakles und Orpheus. Jolivet nannte seine Musik einen altgriechischen Trauergesang. Der einsätzige „Chant de Linos“ gliedert sich in vier Abschnitte und basiert auf einer archaisch wirkenden modalen Tonleiter. „Der Musik soll ihr ursprünglicher und uralter Charakter als magischer und beschwörender Ausdruck menschlicher Gemeinschaft zurückgegeben werden“, so Jolivets erklärtes Ziel.

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Eine unwiderstehliche Freundesgabe

„Was du mit deinem Instrument beginnst, das hört' ich noch nie. Hätt's nicht gedacht, dass ein Klarinet menschliche Stimmen so täuschend nachahmen könnte, als du sie nachahmst. Hat doch dein Instrument einen Ton so weich, so lieblich, dass ihm niemand widerstehn kann, der ein Herz hat." Ein Zitat über den Klarinettisten der Wiener Hofkapelle Anton Stadler von 1785, leider nicht von Wolfgang Amadeus Mozart, sondern dem Theaterdichter und Librettisten Johann Friedrich Schink. Aber er sprach Mozart aus dem Herzen. Ohne Stadler – wie Mozart selbst gehörte er zur Freimaurer-Loge – wäre das erste Klarinettenquintett der Musikgeschichte, 1789 fertiggestellt, nicht entstanden. Stadler ging im Hause Mozart ein und aus und war wohl nicht der verträglichste Zeitgenosse. Mozart liebte seinen Ton – bezeichnete ihn gern liebevoll-scherzhaft als „Ribiselgesicht“ wegen seiner roten Gesichtsfarbe beim Spiel.

Stadler faszinierte auf der vom Tonumfang her eine große Terz tieferen „Bassettklarinette“, einer eigenen Entwicklung. Für Richard Strauss liegt in jedem Takt des viersätzigen „Stadler-Quintetts“  der „unerhörte Reiz von Mozarts Melodie und seine Grazie”, „melancholische Heiterkeit” und die „ganze Skala des Ausdrucks menschlichen Empfindens”. Wir erleben Abgeklärtheit, Melodienseligkeit und verschleierte Traurigkeit, heitere Volkstümlichkeit und Erhabenheit nebeneinander.

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HORENSTEIN ENSEMBLE

Horenstein Ensemble

Das 2008 aus Musikern des Konzerthausorchesters Berlin gegründete Horenstein Ensemble zeigt die große Vielfalt der Kammermusik und das Zusammenspiel der verschiedenen Instrumentengattungen wie Streicher, Bläser und Harfe in spannungsvollen Konzertprogrammen auf. Unterschiedliche, zum Teil außergewöhnliche Besetzungen auch mit Gastmusikern sind kennzeichnend für den Charakter des Ensembles.

Das Repertoire ist nicht auf eine bestimmte Musikepoche begrenzt und umfasst Werke von Mozart und Spohr über Brahms, Ravel und Messiaen bis hin zu Widmann und Yun. Darüber hinaus widmet sich das Horenstein Ensemble der in Deutschland selten zu hörenden englischen Kammermusik, wie den Kompositionen von Vaughan Williams, Bax, Elgar, Somervell, Arnold, Butterworth und Britten. 

Durch die enge Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten entstanden zahlreiche Auftragskompositionen für die besondere Besetzung des Ensembles: So wurde 2010 das Werk „Philaki“ von Samir Odeh-Tamimi zum Mauerfallgedenken uraufgeführt und 2011 „Le Tombeau de Maurice Ravel“ von Allain Gaussin, eine Hommage an den bedeutenden Vertreter des musikalischen Impressionismus. 2017 fand die Uraufführung von „Die Dichterliebe recomposed“ von Christian Jost im Konzerthaus Berlin statt, es folgte 2018 „Poéme secret“ von Robert Groslot.

Die ungeteilte Verehrung für das Wirken des Dirigenten Jascha Horenstein, der eine starke, künstlerische Bindung an Berlin hatte, gab dem Ensemble seinen Namen.

Nachdem das Ensemble 2011 sein Debütalbum „Tempelhof“ bei dem Label ACOUSENCE records als CD und Vinyl-LP veröffentlichte, erschien 2015 die zweite Einspielung auf demselben Label. „Lost Generation“ ist der Titel des Albums, auf dem das Horenstein Ensemble der Frage nachgeht, was jene Generation von Komponisten, die sehr jung im 1. Weltkrieg gefallen ist, noch hätte erschaffen können. Exemplarisch hierfür stehen George Butterworth, Cecil Coles und Rudi Stephan, deren Kompositionen teilweise als Ersteinspielungen auf dieser CD abgebildet wurden. 2019 erschien bei dem Label „Deutsche Grammophon“ die Aufnahme der „Dichterliebe“ von Christian Jost mit dem Horenstein Ensemble auf CD, eine Neukomposition von Robert Schumann´s Liederzyklus für Gesang und Kammerensemble.

Die Vision, grenzüberschreitend und innovativ nach neuen Wegen zu suchen, sowohl musikalisch als auch bei der Vermittlung von Kunst und Musik, ist für das Horenstein Ensemble Antrieb und Anspruch zugleich.

www.horensteinensemble.de

FLORIAN VON RADOWITZ

Ausgebildet an den Musikhochschulen in Mannheim und Berlin sowie in Meisterkursen bei Menahem Pressler, Thomas Quasthoff, Wolfram Rieger und Rudolph Jansen, konzertiert der Pianist Florian von Radowitz regelmäßig im In- und Ausland. Einladungen führten ihn zu Konzerten in Deutschland, Italien, Spanien, Portugal, Kanada und Südamerika. Vielbeachtete CD-Produktionen verbinden ihn mit dem Saxophonisten Jan Schulte-Bunert.

Florian von Radowitz ist Preisträger von Wettbewerben wie dem Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, dem Matthaes-Wettbewerb, dem Tonkünstler-Wettbewerb Baden-Württemberg und dem 4. Concorso Internazionale Giovani Concertisti Rom. 2005 wurde er Stipendiat des Vereins „Yehudi Menuhin Live Music Now“. 2007 gewann er zusammen mit der Geigerin Andrea Kim beim Deutschen Musikwettbewerb ein Stipendium, verbunden mit der Teilnahme an der 52. Bundesauswahl „Konzerte Junger Künstler“ des Deutschen Musikrates. 2009 erhielt das Duo Kim/von Radowitz beim 7. Internationalen Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ in Graz den Sonderpreis für die beste Interpretation eines Werkes der Moderne. Er ist festes Teammitglied der Arosa Music Academy. Seit 2011 ist Florian von Radowitz Lehrbeauftragter an den Musikhochschulen in Berlin und Basel und regelmäßiger Gast zu Meisterkursen, Diplomkonzerten und Prüfungen an den Musikhochschulen in Würzburg und Lübeck.

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