11.00 Uhr
cappella academica, Christiane Silber
Konzerthausorchester Berlin
Joana Mallwitz Dirigentin
RIAS Kammerchor Berlin
Elsa Dreisig Sopran
Kieran Carrel Tenor
Tareq Nazmi Bass
Julia Grüter Sopran
Michael Nagl Bariton
Das Programm
Joseph Haydn (1732 – 1809)
„Die Schöpfung“ – Oratorium für Soli, Chor und Orchester Hob XXI:2
PAUSE NACH DEM 2. TEIL
Die Konzerte am 27. und 28.02. werden mit Video und Ton, das Konzert am 01.03.2026 für das Radio aufgezeichnet. Eine Produktion der Deutschen Grammophon in Koproduktion mit DLF.
DIE SCHÖPFUNG
Grundlage für die „Handlung“ in Joseph Haydns wohl berühmtestem Chorwerk ist der im Buch Genesis überlieferte Bericht der Erschaffung der Welt durch das Wort Gottes, erweitert durch Motive aus John Miltons epischem Gedicht „Paradise Lost“. Die himmlischen Heerscharen – aus dem Chorverband der Engel treten die Erzengel Gabriel (Sopran), Uriel (Tenor) und Rafael (Bass) als Solisten hervor – kommentieren mit Lobpreis Gottes Schöpfungswerk, wobei häufig Bibelverse hinzugezogen werden. Der allzu summarische Bericht über die Schaffung von Mensch und Tier wird detailliert ausgemalt, wobei Haydns Musik liebevoll und zuweilen in drolliger Genauigkeit den Intentionen des Dichters zu folgen vermag: man erlebt einen herrlichen Sonnenaufgang, hört leise Bäche rauschen, die zu gewaltigen Strömen anschwellen, sieht Hirsch, Rind und Schaf geordnet zu den Weideplätzen ziehen, bemerkt nicht zuletzt auch das „Heer der Insekten“ (dessen unermessliche Artenvielfalt den Librettisten und auch Haydn nicht sonderlich interessierte) und das „am Boden kriechende Gewürm“.
Idee und Textbuch dieses Oratoriums hatte Haydn von seiner zweiten England-Reise 1794/95 mitgebracht, dort war er auch von den großartigen Aufführungen Händelscher Oratorien beeindruckt worden. Seine mangelnde Beherrschung des Englischen ließen ihn jedoch von einer sofortigen Vertonung vorerst Abstand nehmen. In Wien fertigte der kaiserliche Bibliothekar Gottfried van Swieten eine deutsche Bearbeitung des englischen Textes an, die Haydn dann komponierte. 1798 wurde „Die Schöpfung“ erstmals in zwei Aufführungen einem geladenen Publikum präsentiert, die erste öffentliche Aufführung fand dann 1799 statt. Diese Aufführungen errangen für den greisen Komponisten einen durchschlagenden Erfolg, der Haydns europäische Berühmtheit und Popularität krönte. Auch der finanzielle Gewinn konnte sich sehen lassen.
Passend zu den drei Konzerten wird Haydns „Schöpfung“ in diesem Programmheft aus drei Perspektiven beleuchtet – von unserer Chefdirigentin Joana Mallwitz, von der Religionswissenschaftlerin Jasmin Mausolf und der Sozialwissenschaftlerin Esra Küçük.
Kurz gesagt – Joana Mallwitz über Haydns „Schöpfung“
Haydn erzählt mit seiner Musik die Schöpfungsgeschichte so bildlich und bunt, dass sie jedem verständlich wird. Die Musik ist ein Geniestreich, hat aber dennoch eine große Leichtigkeit und Humor. Sie belehrt nicht, ermahnt nicht und stellt auch nicht die Ernsthaftigkeit der biblischen Erzählung in den Vordergrund, sondern eine kindliche Freude, ein tiefes menschliches Staunen und einen fröhlichen, versöhnlichen Glauben.
Die Ouvertüre mit dem Titel „Die Vorstellung des Chaos“ ist für Haydns Zeit wahnsinnig modern. Es gibt starke Dissonanzen, verstreute Motive, extreme Dynamiken und plötzliche Überraschungsmomente, wir hören Licht, Weltall, Stille und unbändige Kraft – und das alles auf engstem Raum.
Auch die mit humoristischen Mitteln geschaffene Schilderung der verschiedenen Tiere ist unglaublich virtuos. Hier hört man nicht nur die Vögel zwitschern und tirilieren, sondern auch den im 6/8 Takt springenden Hirsch, den im Kontrafagott brüllenden Löwen, die im schnellen Streichertremolo ausschwärmenden Insekten und das in langsamen chromatischen Linien am Boden kriechende „Gewürm“.
Haydn hat ein unglaublich breites Œuvre hinterlassen: Es gibt 104 Sinfonien, Messen, Kammermusik und Opern. Die „Schöpfung“ komponierte er 1796 – 1798, als alle Sinfonien bereits geschrieben waren. Es ist ein echtes Spätwerk, bei der Uraufführung war er bereits 66 Jahre alt. Der Erfolg der „Schöpfung“ übertraf dabei alle vorherigen Werke Haydns. Schon bei einer ersten Aufführung in privatem Rahmen sammelten sich so viele Neugierige vor dem Saal, dass die Menge von der Polizei aufgelöst werden musste! Bei der öffentlichen Uraufführung in Wien war das Publikum dann so elektrisiert, dass es „Papa Haydn“ auf die Bühne rief und mit tosendem Applaus feierte. In den folgenden Jahren wurde die Schöpfung überall in Europa, von Prag, London, Berlin, Salzburg, bis Amsterdam, Moskau, St. Petersburg, Stockholm und Paris aufgeführt.
Das Konzerthausorchester und ich haben uns gleich am ersten Tag unserer Zusammenarbeit versprochen, dass wir auf jeden Fall eine „Schöpfung“ zusammen machen. In dieser und den vorangegangenen zwei Spielzeiten haben wir in unseren Konzerten immer wieder Haydn-Sinfonien gespielt und dabei viel experimentiert, ausprobiert und uns seiner Musik von vielen Seiten genähert. In unserer regelmäßigen Beschäftigung mit Haydn ist die „Schöpfung“ ein lange geplanter und ersehnter Höhepunkt. Jetzt ist es endlich so weit!
von Jasmin Mausolf
Noch bevor Worte entstehen, bevor die Erzählung Form gewinnt, eröffnet Klang einen Raum, in dem Welt hörbar wird. Wenn Haydns „Schöpfung“ erklingt, begegnen wir nicht nur einer musikalischen Deutung des biblischen Anfangs der Welt, sondern einem Geschehen, das selbst einen Anfang setzt. Musik und Religion begegnen sich hier auf eine Weise, die erfahrbar macht, dass jeder Anfang bereits in etwas Vorhandenes hineinspricht – in eine Welt, die uns vorausliegt und zugleich auf unsere Antwort wartet. Zum einen geht es um ein Bewusstsein dafür, dass Anfangen nicht voraussetzungslos ist, sondern immer schon in einem Gefüge steht. Welt ist bereits da, bevor sie gedeutet und zur Sprache gebracht wird; sie verlangt unsere Aufmerksamkeit. Zum anderen begegnet uns in Haydns Oratorium eine Erzählung vom Anfang der Welt, den wir nie erfahren haben, aber im Hören gegenwärtig wird. In diesem Sinn lässt sich das Oratorium als ein Werk verstehen, das einen Anfang setzt.
Dieser Anfang gewinnt konkrete historische und musikalische Form. Nicht nur, weil erstmals ein Oratorium in dieser künstlerischen und theologischen Spannweite die Erschaffung der Welt zum Thema macht, sondern auch, weil Joseph Haydn und der Librettist Gottfried van Swieten die überlieferte Tradition auf eigentümliche Weise weiterführten. Seinerzeit umstritten, greift das Libretto nicht auf eine kirchlich approbierte Bibelfassung zurück, sondern verbindet Teile der Schöpfungserzählung der Genesis mit Psalmentexten und Motiven aus John Miltons Epos „Paradise Lost“. Im Geist der Aufklärung erzählt das Oratorium in drei Teilen von der Schöpfung der Welt als Sechstagewerk und der Erschaffung des Menschen in der Gestalt von Adam und Eva. Im Stil des religiösen Lehrgedichts des 18. Jahrhunderts wird die biblische Erzählung dabei mit einem aufgeklärten Menschenbild verschränkt.
Aus dem in der Ouvertüre musikalisch dargestellten Chaos, das tastend, suchend und ohne festen Halt bleibt, tritt im Verlauf schlagartig das erste Licht hervor. Mit ihm verändert sich der Klangraum grundlegend: Ordnung und Maß erhalten Einzug, wo zuvor Unbestimmtheit herrschte. Dieses Licht lässt sich als Signatur einer Epoche lesen, in der Erkenntnis und Ordnung zu tragenden Kategorien des Weltverhältnisses werden. In der Erschaffung Adams tritt dieses Prinzip noch einmal auf andere Weise in Erscheinung: im Menschen selbst, dessen Geist als Sitz der Vernunft die Ebenbildlichkeit zu Gott bezeugt und ihm eine herausgehobene Stellung innerhalb der Schöpfung zuweist. Hier wird die Verbindung von biblischer Anthropologie und aufklärerischer Vernunftidee besonders deutlich.
Anstatt die Schöpfung mit der Ruhe Gottes am siebten Tag zu beschließen, entfaltet sich im dritten Teil ein anhaltender Lobgesang auf die vollendete Welt, der in das Liebesduett Adams und Evas mündet. Erst gegen Ende tritt eine leise Bedrohung in den Horizont des Oratoriums. Das verlorene Paradies Miltons klingt an, allerdings nicht in der Darstellung des sogenannten Sündenfalls, sondern als warnende Erinnerung aus dem Mund Uriels. Damit bleibt das Werk bewusst vor dem Einbruch des Bösen stehen. Mit dieser Zurückhaltung wird die Schöpfung des Oratoriums von einer nahezu idyllischen Harmonie getragen, die im gemeinsamen Lobpreis der Schöpfung und des Schöpfers ihren Abschluss findet.
Haydn bestätigt mit seinem Oratorium nicht eine bestehende Erzählung, sondern fügt sich gemeinsam mit van Swieten in die Reihe derjenigen ein, die den Anfang durch Interpretation lebendig halten. Indem das Werk die Schöpfung musikalisch neu zur Sprache bringt, wird eine Welt hörbar, die sich im Geschehen ihres Anfangens erschließt – über vertraute Formen religiöser Überlieferung hinaus. Die Schöpfung wird als Erzählung vom Ursprung der Welt neu ins Werk gesetzt – und zwar gerade nicht als bloße Wiederholung des biblischen Zeugnisses, sondern als Neuschöpfung innerhalb der Geschichte. Das Oratorium erzählt also nicht nur vom Anfang – es vollzieht ein Anfangen. Haydn und van Swieten setzen beim Anfang an und bewegen sich bewusst innerhalb dessen, was er einst eröffnet hat. Die Erzählung vom Ursprung wandert so durch die Zeit und wird zu etwas, das uns Hörende betrifft, weil sie erfahrbar macht, dass Anfangen kein einmaliger Akt ist, sondern als stete Möglichkeit des Neuen gegenwärtig bleibt.
Vielleicht liegt gerade darin die eigentümliche Aktualität dieses Oratoriums. In einer Zeit, in der so vieles erschöpft erscheint – die natürlichen Grundlagen des Lebens ebenso wie die Gewissheiten, die einst Orientierung und Ordnung versprachen –, hält das Oratorium „Die Schöpfung“ den Gedanken des Anfangens offen, indem der Anfang fortgeschrieben wird. In dieser Weise wird auch das (Zu-)Hören selbst zu einer Weise des Teilhabens an den Momenten, in denen Welt Gestalt gewinnt, und provoziert die Frage, wie ein Anfang heute aussehen könnte – und was es hieße, ihn zu wagen.
von Esra Küçük
Joseph Haydns „Schöpfung“ entsteht in einer Zeit des Umbruchs. Die Französische Revolution liegt nur wenige Jahre zurück, politische Ordnungen werden zu Unordnungen, alte Gewissheiten verlieren ihre Selbstverständlichkeit. Die Welt, in der Haydn komponiert, ist eine Welt im Übergang. Vielleicht ist es kein Zufall, dass er den Anfang nicht als triumphalen Akt denkt, sondern als tastenden Prozess.
Das berühmte Vorspiel, die „Vorstellung des Chaos“, verweigert zunächst jede Orientierung. Keine klare Tonart, keine stabile Ordnung, keine melodische Führung. Das Chaos ist hörbar – und es wird nicht überspielt. Haydn beginnt nicht mit Gewissheit, sondern mit Zumutung. Er mutet uns zu, einen Zustand auszuhalten, in dem Möglichkeiten noch nicht festgelegt sind. Eine „Vor-Ordnung“, in der noch offen ist, was entstehen wird.
Erst später tritt Ordnung hinzu. Und auch sie erscheint nicht als plötzliche Lösung, sondern als etwas, das sich schrittweise formt: gesetzt, ausprobiert, stabilisiert. Anfangen ist bei Haydn kein Ereignis, sondern ein Prozess. Die Schöpfung ist kein abgeschlossenes Werk, sondern ein Geschehen in Bewegung.
Bemerkenswert ist dabei auch die Rolle des Menschen. Er erscheint spät – nicht als Ursprung, sondern als Teil einer bereits bestehenden Ordnung. Haydn denkt Schöpfung nicht als Machtdemonstration, sondern als Verantwortungsübertragung. Die Welt ist da, aber sie ist nicht fertig. Sie bleibt offen für Gestaltung, Fürsorge, Weiterdenken.
Diese Vorstellung von Anfang wirkt heute erstaunlich gegenwärtig. Auch wir leben in einer Zeit, in der alte Ordnungen brüchig geworden sind und neue noch nicht greifen. Der italienische Denker Antonio Gramsci hat diesen Zustand einmal so beschrieben: „Die alte Welt stirbt, und die neue Welt ringt, geboren zu werden: Jetzt ist die Zeit der Monster.“ Gramsci beschreibt damit jene Übergangsphasen, in denen Unsicherheit, Instabilität und „krankhafte Erscheinungen“ sichtbar werden. Doch er versteht diese Zeit nicht nur als Gefahr. Sie ist auch eine Phase, in der neue Wege gesucht werden müssen – in der Alternativen entstehen können, wenn man bereit ist, sich der Ungewissheit zu stellen.A
Dafür braucht es, so Gramsci, den „Pessimismus des Verstandes und den Optimismus des Willens“. Eine nüchterne, realistische Analyse der Lage – und zugleich die Entschlossenheit, nicht im Zynismus stehen zu bleiben, sondern handlungsfähig zu bleiben. Anfangen heißt dann: nicht die Augen zu verschließen, sondern sich bewusst einzulassen auf das Unfertige.
Auch Erich Fried hat diese Spannung in seinem Gedicht „Du liebe Zeit“ eingefangen. Er widerspricht der Klage über die „unliebe Zeit“ – nicht, weil sie harmlos wäre, sondern weil sie unsere einzige ist. Unsere Lebenszeit.
Und weil wir sie nicht so lassen müssen, wie wir sie vorgefunden haben. Vielleicht liegt genau darin der leise Optimismus dieses Stücks. In der Einsicht, dass Anfänge selten klar sind, selten bequem, selten frei von Angst. Aber dass sie uns dennoch etwas zutrauen. Haydns „Schöpfung“ erinnert daran, dass Ordnung nicht aus dem Raushalten entsteht, sondern aus dem Aushalten des Chaos. Und dass Verantwortung dort beginnt, wo wir uns entscheiden, mitzugestalten.
In meiner eigenen Arbeit begegne ich täglich Menschen, die genau das tun. Menschen, die die Herausforderungen unserer Zeit nicht als Anlass zur Resignation begreifen, sondern als Aufforderung, Neues zu wagen. Die aktuelle Nachrichtenlage gäbe allen Grund, sich zurückzuziehen – ins Private, in die Gleichgültigkeit. Und doch erlebe ich vielerorts das Gegenteil.
Ich denke an Sonia und Douglas, die in griechischen Flüchtlingslagern Medienschulen gegründet haben, um einige der dunkelsten Orte Europas in Orte des Lernens zu verwandeln. Ich denke an die Sozialunternehmer Hannah, Julia und Moritz aus Wien, die mit der scheinbar einfachen Idee, Cafés zu eröffnen, in denen „Omas und Opas vom Dienst“ arbeiten und backen, ein tragfähiges Modell gegen Altersarmut, Einsamkeit und soziale Isolation entwickelt haben. Und ich denke an das Team der „Mobilen Retter“, das eine smartphonebasierte Alarmierung für Ersthelfende geschaffen hat – eine technologische Idee, die heute flächendeckend schnelle medizinische Hilfe ermöglicht und jedes Jahr Tausende Menschenleben rettet.
Diese Beispiele ließen sich ewig fortsetzen. Was sie verbindet, ist der Glaube daran, dass Veränderung möglich ist – nicht abstrakt, sondern konkret, nebenan. Dass wir selbst etwas tun können, um die Welt solidarischer, menschenfreundlicher und lebenswerter zu machen. Es sind Menschen, die sich zusammenschließen, Verantwortung übernehmen und beginnen – ohne Garantie, aber mit Entschlossenheit. Die eine gerechtere Welt nicht nur fordern, sondern sie zumindest denkbar, und ein Stück weit auch möglich machen.
Vielleicht ist das der eigentliche Gedanke des Anfangens:
Nicht die Gewissheit, dass alles gut wird.
Aber die Überzeugung, dass es sich lohnt, es zu versuchen.
ERSTER TEIL
Nr. 1 Einleitung
Die Vorstellung des Chaos
Nr. 2 Rezitativ und Chor
Raphael. Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde;
und die Erde war ohne Form und leer;
und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.
Chor. Und der Geist Gottes schwebte auf der
Fläche der Wasser; und Gott sprach: „Es werde Licht“,
und es ward Licht. Und Gott sah das Licht, dass es
gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis.
Nr. 3 Arie mit Chor
Uriel. Nun schwanden vor dem heiligen Strahle
des schwarzen Dunkels greuliche Schatten;
der erste Tag entstand. Verwirrung weicht,
und Ordnung keimt empor! Erstarrt entflieht
der Höllengeister Schar in des Abgrunds Tiefen
hinab zur ewigen Nacht.
Chor. Verzweiflung, Wut und Schrecken begleiten
ihren Sturz. Und eine neue Welt entspringt auf
Gottes Wort.
Uriel. Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar
in des Abgrunds Tiefen hinab zur ewigen Nacht.
Chor. Und eine neue Welt entspringt auf Gottes Wort.
Nr. 4 Rezitativ
Raphael. Und Gott machte das Firmament
und teilte die Wasser, die unter dem Firmament waren,
von den Gewässern, die über dem Firmament waren;
und es ward so. Da tobten brausend heftige Stürme.
Wie Spreu vor dem Winde, so flogen die Wolken;
die Luft durchschnitten feurige Blitze;
und schrecklich rollten die Donner umher.
Der Flut entstieg auf sein Geheiß der allerquickende
Regen, der allverheerende Schauer, der leichte,
flockige Schnee.
Nr. 5 Solo und Chor
Gabriel. Mit Staunen sieht das Wunderwerk
der Himmelsbürger frohe Schar, und laut
ertönt aus ihren Kehlen des Schöpfers Lob,
das Lob des zweiten Tags.
Chor. Und laut ertönt aus ihren Kehlen
des Schöpfers Lob, das Lob des zweiten Tags.
Nr. 6 Rezitativ
Raphael. Und Gott sprach:
„Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel
zusammen an einem Platz, und es erscheine
das trockene Land!“, und es ward so. Und Gott nannte
das trockene Land: Erde, und die Sammlung
der Wasser nannte er Meer, und Gott sah, dass es gut war.
Nr. 7 Arie
Raphael. Rollend in schäumenden Wellen
bewegt sich ungestüm das Meer.
Hügel und Felsen erscheinen, der Berge
Gipfel steigt empor. Die Fläche, weit gedehnt,
durchläuft der breite Strom in mancher Krümme.
Leise rauschend gleitet fort im stillen Tal der helle Bach.
Nr. 8 Rezitativ
Gabriel. Und Gott sprach: „Es bringe die Erde
Gras hervor, Kräuter, die Samen geben,
und Obstbäume, die Früchte bringen ihrer Art gemäß,
die ihren Samen in sich selbst haben auf der Erde!“,
und es ward so.
Nr. 9 Arie
Gabriel. Nun beut die Flur das frische Grün
dem Auge zur Ergötzung dar,
den anmutsvollen Blick erhöht der Blumen
sanfter Schmuck. Hier duften Kräuter Balsam aus;
hier sprosst den Wunden Heil.
Die Zweige krümmt der goldnen Früchte Last;
hier wölbt der Hain zum kühlen Schirme sich;
den steilen Berg bekrönt ein dichter Wald.
Nr. 10 Rezitativ
Uriel. Und die himmlischen Heerscharen
verkündigten den dritten Tag, Gott preisend
und sprechend:
Nr. 11 Chor
Chor. Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier,
lasst euren Lobgesang erschallen!
Frohlocket dem Herrn, dem mächtigen Gott!
Denn er hat Himmel und Erde bekleidet
in herrlicher Pracht.
Nr. 12 Rezitativ
Uriel. Und Gott sprach:
„Es sei'n Lichter an der Feste des Himmels,
um den Tag von der Nacht zu scheiden und
Licht auf der Erde zu geben, und es sei'n diese
für Zeichen und für Zeiten, und für Tage und
für Jahre.“ Er machte die Sterne gleichfalls.
Nr. 13 Rezitativ
Uriel. In vollem Glanze steiget jetzt die
Sonne strahlend auf; ein wonnevoller Bräutigam,
ein Riese stolz und froh, zu rennen seine Bahn.
Mit leisem Gang und sanftem Schimmer
schleicht der Mond die stille Nacht hindurch.
Den ausgedehnten Himmelsraum ziert
ohne Zahl der hellen Sterne Gold, und die Söhne
Gottes verkündigten den vierten Tag mit
himmlischem Gesang, seine Macht ausrufend also:
Nr. 14 Chor und Terzett
Chor. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.
Und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament.
Gabriel, Uriel, Raphael. Dem kommenden Tage
sagt es der Tag, die Nacht, die verschwand,
der folgenden Nacht.
Chor. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.
Und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament.
Gabriel, Uriel, Raphael. In alle Welt ergeht das Wort,
jedem Ohre klin¬gend, keiner Zunge fremd.
ZWEITER TEIL
Nr. 15 Rezitativ
Gabriel. Und Gott sprach:
„Es bringe das Wasser in der Fülle hervor
webende Geschöpfe, die Leben haben, und Vögel,
die über der Erde fliegen mögen in dem
offenen Firmamente des Himmels!“
Nr. 16 Arie
Gabriel. Auf starkem Fittiche schwinget sich
der Adler stolz, und teilet die Luft im
schnellesten Fluge zur Sonne hin.
Den Morgen grüßt
der Lerche frohes Lied und Liebe, und Liebe
girrt das zarte Taubenpaar. Aus jedem Busch
und Hain erschallet der Nachtigallen süße Kehle.
Noch drückte Gram nicht ihre Brust, noch war
zur Klage nicht gestimmt ihr reizender Gesang.
Nr. 17 Rezitativ
Raphael. Und Gott schuf große Walfische,
und ein jedes lebende Geschöpf, das sich beweget,
und Gott segnete sie, sprechend:
„Seid fruchtbar alle, mehret euch!
Bewohner der Luft, vermehret euch,
und singt auf jedem Aste! Mehret euch,
ihr Flutenbewohner, und füllet jede Tiefe!
Seid fruchtbar, wachset, mehret euch,
erfreuet euch in eurem Gott, erfreuet
euch in eurem Gott!“
Nr. 18 Rezitativ
Raphael. Und die Engel rührten ihr' unsterblichen
Harfen und sangen die Wunder des fünften Tags.
Nr. 19 Terzett und Chor
Gabriel. In holder Anmut stehn, mit jungem Grün
geschmückt, die wogigten Hügel da.
Aus ihren Adern quillt, in fließendem Kristall,
der kühle Bach hervor.
Uriel. In frohen Kreisen schwebt, sich wiegend
in der Luft, der munteren Vögel Schar.
Den bunten Federglanz erhöht im Wechselflug
das goldene Sonnenlicht.
Raphael. Das helle Nass durchblitzt der Fisch,
und windet sich in stetem Gewühl umher.
Vom tiefsten Meeresgrund
wälzet sich Leviathan auf schäumender Well empor.
Gabriel, Uriel, Raphael. Wieviel sind seiner Werk,
o Gott! Wer fasset ihre Zahl?
Nr. 20 Terzett und Chor
Gabriel, Uriel, Raphael. Der Herr ist groß
in seiner Macht, und ewig bleibt sein Ruhm.
Gabriel, Uriel, Raphael. Chor. Der Herr ist groß ...
Nr. 21 Rezitativ
Raphael. Und Gott sprach: „Es bringe die Erde
hervor lebende Geschöpfe nach ihrer Art;
Vieh und kriechendes Gewürm, und Tiere der
Erde nach ihren Gattungen.“
Nr. 22 Rezitativ
Raphael. Gleich öffnet sich der Erde Schoß,
und sie gebiert auf Gottes Wort Geschöpfe jeder Art,
in vollem Wuchs und ohne Zahl. Vor Freude brüllend
steht der Löwe da. Hier schießt der gelenkige Tiger
empor. Das zackig' Haupt erhebt der schnelle Hirsch.
Mit fliegender Mähne springt und wieh'rt voll
Mut und Kraft das edle Ross. Auf grünen Matten
weidet schon das Rind, in Herden abgeteilt.
Die Triften deckt, als wie gesät, das
wollenreiche, sanfte Schaf.
Wie Staub verbreitet sich in Schwarm und
Wirbel das Heer der Insekten.
In langen Zügen kriecht am Boden das Gewürm.
Nr. 23 Arie
Raphael. Nun scheint in vollem Glanze der Himmel;
nun pranget in ihrem Schmucke die Erde.
Die Luft erfüllt das leichte Gefieder,
die Wasser schwellt der Fische Gewimmel.
Den Boden drückt der Tiere Last.
Doch war noch alles nicht vollbracht:
Dem Ganzen fehlte das Geschöpf, das Gottes
Werke dankbar sehn, des Herren Güte preisen soll.
Nr. 24 Rezitativ
Uriel. Und Gott schuf den Menschen nach
seinem Ebenbilde, nach dem Ebenbilde Gottes
schuf er ihn. Mann und Weib erschuf er sie.
Den Atem des Lebens hauchte er in sein Angesicht,
und der Mensch wurde zur lebendigen Seele.
Nr. 25 Arie
Uriel. Mit Würd‘ und Hoheit angetan, mit Schönheit,
Stärk‘ und Mut begabt, gen Himmel aufgerichtet,
steht der Mensch, ein Mann und König der Natur.
Die breit gewölbt erhabne Stirn verkünd't der
Weisheit tiefen Sinn, und aus dem hellen Blicke
strahlt der Geist, des Schöpfers Hauch und Ebenbild.
An seinen Busen schmiegt sich, für ihn,
aus ihm geformt, die Gattin hold und anmutsvoll.
In froher Unschuld lächelt sie, des Frühlings
reizend Bild, ihm Liebe, ihm Liebe,
Glück und Wonne zu.
Nr. 26 Rezitativ
Raphael. Und Gott sah jedes Ding,
was er gemacht hatte; und es war sehr gut;
und der himmlische Chor feierte das Ende
des sechsten Tages mit lautem Gesang.
Nr. 27 Chor und Terzett
Chor. Vollendet ist das große Werk,
der Schöpfer sieht's und freuet sich.
Auch unsre Freud erschalle laut!
Des Herren Lob sei unser Lied!
Gabriel, Uriel. Zu dir, o Herr, blickt alles auf,
um Speise fleht dich alles an. Du öffnest
deine Hand, gesättigt werden sie.
Raphael. Du wendest ab dein Ange¬sicht:
da bebet alles und erstarrt. Du nimmst den
Odem weg: in Staub zerfallen sie.
Gabriel, Uriel, Raphael. Den Odem hauchst du
wieder aus, und neues Leben sprosst hervor.
Verjüngt ist die Gestalt
der Erd' an Reiz und Kraft.
Chor. Vollendet ist das große Werk.
Des Herren Lob sei unser Lied!
Alles lobe seinen Namen; denn er
allein ist hoch erhaben, alleluja, alleluja.
DRITTER TEIL
Nr. 28 Rezitativ
Uriel. Aus Rosenwolken bricht, geweckt
durch süßen Klang, der Morgen jung und schön.
Vom himmlischen Gewölbe strömt reine Harmonie
zur Erde hinab. Seht das beglückte Paar,
wie Hand in Hand es geht. Aus ihren Blicken
strahlt des heißen Danks Gefühl. Bald singt in
lautem Ton ihr Mund des Schöpfers Lob.
Lasst unsre Stimme dann sich mengen in ihr Lied!
Nr. 29 Duett und Chor
Eva, Adam. Von deiner Güt, o Herr und Gott,
ist Erd und Himmel voll. Die Welt, so groß,
so wunderbar, ist deiner Hände Werk.
Chor. Gesegnet sei des Herren Macht.
Sein Lob erschall in Ewigkeit!
Adam. Der Sterne hellster, O wie schön verkündest
du den Tag! Wie schmückst du ihn, o Sonne du,
des Weltalls Seel und Aug!
Chor. Macht kund auf eurer weiten Bahn,
des Herren Macht und seinen Ruhm!
Eva. Und du, der Nächte Zierd und Trost,
und all das strahlend Heer, verbreitet überall,
verbreitet sein Lob in eurem Chorgesang!
Adam. Ihr Elemente, deren Kraft, stets neue
Formen zeugt, ihr Dünst und Nebel, die der
Wind versammelt und vertreibt.
Eva, Adam, Chor. Lob singet alle Gott dem Herrn!
Groß wie sein Name ist seine Macht.
Eva. Sanft rauschend lobt, o Quellen ihn!
Den Wipfel neigt, ihr Bäum! Ihr Pflanzen duftet,
Blumen, haucht ihm euern Wohlgeruch!
Adam. Ihr, deren Pfad die Höh'n erklimmt,
und ihr, die niedrig kriecht, ihr, deren Flug die
Luft durchschneide, und ihr im tiefen Nass,
Eva, Adam. Ihr Tiere, preiset alle Gott!
Chor. Ihr Tiere, preiset alle Gott!
Eva, Adam, Chor. Ihn lobe, was nur
Odem hat.
Eva, Adam. Ihr dunklen Hain, ihr Berg und Tal,
ihr Zeugen unsers Danks, ertönen sollt ihr früh
und spät von unserem Lobgesang.
Chor. Heil dir, o Gott, o Schöpfer, Heil!
Aus deinem Wort entstand die Welt; dich beten
Erd und Himmel an. Wir preisen dich in Ewigkeit.
Nr. 30 Rezitativ
Adam. Nun ist die erste Pflicht erfüllt,
dem Schöpfer haben wir gedankt. Nun folge mir,
Gefährtin meines Lebens! Ich leite dich, und jeder
Schritt weckt neue Freud in unsrer Brust, zeigt
Wunder überall. Erkennen sollst du dann, welch
unaussprechlich Glück der Herr uns zugedacht,
ihn preisen immerdar, ihm weihen Herz und Sinn.
Komm, komm, folge mir, folge mir! Ich leite dich!
Eva. O du, für den ich ward! Mein Schirm, mein Schild,
mein All! Dein Will ist mir Gesetz. So hat's der Herr
bestimmt, und dir gehorchen bringt mir
Freude, Glück und Ruhm.
Nr. 31 Duett
Adam. Holde Gattin! Dir zur Seite fließen sanft die
Stunden hin. Jeder Augenblick ist Wonne;
keine Sorge übet sie.
Eva. Teurer Gatte! Dir zur Seite schwimmt in
Freuden mir das Herz. Dir gewidmet ist mein
Leben, deine Liebe sei mein Lohn.
Teurer Gatte! Dir zur Seite ...
Adam. Holde Gattin! Dir zur Seite ...
Der tauende Morgen, o wie ermuntert er!
Eva. Die Kühle des Abends, o wie erquicket sie!
Adam. Wie labend ist der runden Früchte Saft!
Eva. Wie reizend ist der Blumen süßer Duft!
Eva, Adam. Doch ohne dich, was wäre mir
Adam. der Morgentau,
Eva. der Abendhauch,
Adam. der Früchte Saft,
Eva. der Blumenduft!
Adam. Mit dir, mit dir erhöht jede Freude.
Mit dir, mit dir genieß' ich doppelt sie; mit dir,
mit dir ist Seligkeit das Leben; dir, dir sei es ganz geweiht!
Nr. 32 Rezitativ
Uriel. O glücklich Paar! Und glücklich immerfort,
wenn falscher Wahn euch nicht verführt,
noch mehr zu wünschen, als ihr habt, und mehr
zu wissen, als ihr sollt.
Nr. 33 Schlusschor mit Soli
Chor und Soli. Singet dem Herren
alle Stimmen! Dankt ihm, alle
seine Werke! Lasst zu Ehren seines Namens
Lob im Wettgesang erschallen!
Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit.
Amen, Amen.
Das Konzerthausorchester Berlin spielt seit der Saison 2023/24 unter Leitung von Chefdirigentin Joana Mallwitz. Sie folgt damit Christoph Eschenbach, der diese Position ab 2019 vier Spielzeiten innehatte. Als Ehrendirigent ist Iván Fischer, Chefdirigent von 2012 bis 2018, dem Orchester weiterhin sehr verbunden.
1952 als Berliner Sinfonie-Orchester (BSO) gegründet, erfuhr das heutige Konzerthausorchester Berlin von 1960 bis 1977 unter Chefdirigent Kurt Sanderling seine entscheidende Profilierung und internationale Anerkennung. Seine eigene Spielstätte erhielt es 1984 mit Wiedereröffnung des restaurierten Schauspielhauses am Gendarmenmarkt. Zehn Jahre später wurde das BSO offizielles Hausorchester am nun umgetauften Konzerthaus Berlin und trägt seit 2006 dazu passend seinen heutigen Namen. Dort spielt es pro Saison mehr als 100 Konzerte. Außerdem ist es regelmäßig auf Tourneen und Festivals im In- und Ausland zu erleben. An der 2010 gegründeten Kurt-Sanderling-Akademie bilden die Musiker*innen hochbegabten Orchesternachwuchs aus.
Einem breiten Publikum auf höchstem Niveau gespielte Musik nah zu bringen, ist dem Konzerthausorchester wesentliches Anliegen. Dafür engagieren sich die Musiker*innen etwa bei „Mittendrin“, wobei das Publikum im Konzert direkt neben Orchestermitgliedern sitzt, als Mitwirkende in Clipserien im Web wie dem mehrfach preisgekrönten #klangberlins oder in den Streams „Spielzeit“ auf der Webplattform „twitch“. Die Verbundenheit mit Berlin zeigt sich im vielfältigen pädagogischen und sozialen Engagement des Orchesters mit diversen Partnern in der Stadt.
Joana Mallwitz ist seit Beginn der Saison 2023/24 Chefdirigentin und künstlerische Leiterin des Konzerthausorchesters Berlin. Auf internationaler Bühne zählt sie spätestens seit ihrem umjubelten Debüt bei den Salzburger Festspielen 2020 mit Mozarts „Cosí fan tutte“ zu den herausragenden Dirigenten ihrer Generation. Große Erfolge feierte die Dirigentin auch an der Metropolitan Opera New York, der Bayerischen Staatsoper, der Semperoper Dresden, am Royal Opera House Covent Garden, der Oper Frankfurt und dem Königlichen Opernhaus Kopenhagen. Regelmäßig wird sie auch weltweit von den großen Orchestern eingeladen. In der Saison 2025/26 wird sie zu Beginn einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit dem Mahler Chamber Orchestra die Osterfestspiele Baden-Baden mit einer Neuproduktion von Wagners „Lohengrin“ eröffnen. Zur Saisoneröffnung am Opernhaus Zürich kehrt sie mit einer Premiere von Richard Strauss‘ „Rosenkavalier“ zurück.
Joana Mallwitz ist Exklusivkünstlerin der Deutschen Grammophon. Für ihre CD „The Kurt Weill Album“ mit dem Konzerthausorchester Berlin wurde sie als Dirigentin des Jahres mit dem OPUS Klassik ausgezeichnet. In der aktuellen Saison stehen mit dem Konzerthausorchester neben vielen Abonnementkonzerten eine Aufnahme der „Schöpfung“ von Haydn und eine Tournee auf dem Programm, die unter anderem nach Hamburg, Linz und Köln führt.
Mit ihrem Antritt am Theater Erfurt 2014/15 war Joana Mallwitz die jüngste Generalmusikdirektorin in Europa. 2018 wechselte sie in gleicher Funktion ans Staatstheater Nürnberg. Dort brachte sie zahlreiche Produktionen, Konzerte und Formate zu großer überregionaler Aufmerksamkeit und wurde bereits nach der ersten gemeinsamen Saison 2019 in der Kritikerumfrage der „Opernwelt“ als „Dirigentin des Jahres“ ausgezeichnet. Die von ihr ins Leben gerufenen „Expeditionskonzerte“ sowie die Gründungen der Orchesterakademie in Erfurt und der Jungen Staatsphilharmonie in Nürnberg sind anhaltende Erfolgsgeschichten. Die Staatsphilharmonie Nürnberg ernannte Joana Mallwitz im April 2024 zur Ehrendirigentin.
In Hildesheim geboren, studierte Joana Mallwitz an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Sie ist Trägerin des Bayerischen Verfassungsordens. Für ihre langjährige Arbeit im Bereich Vermittlung klassischer Musik und Nachwuchsförderung wurde ihr 2023 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Der im Frühjahr 2024 erschienene Dokumentarfilm „Joana Mallwitz – Momentum“ von Günter Atteln stieß bei Publikum und Medien auf großes Interesse.
Joana Mallwitz lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Der RIAS Kammerchor Berlin, der in der vergangenen Saison seinen 75. Geburtstag feierte, zählt zu den weltweit führenden Profichören. 34 professionell ausgebildete Sänger*innen bilden den multinationalen Klangkörper. Sein Repertoire erstreckt sich von historisch informierten Renaissance- oder Barock-Interpretationen über Werke der Klassik und Romantik bis hin zu regelmäßigen Uraufführungen.
Seit der Saison 2017/18 ist Justin Doyle Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Ensembles, das mit bis zu 50 Konzerten pro Saison auf den Bühnen Deutschlands und der Welt zu den wichtigsten Tourneechören des Landes zählt. In seiner Heimatstadt präsentiert sich das Ensemble mit sechs Abo-Konzerten, darunter das renommierte Neujahrskonzert, sowie mit den ForumKonzerten, die an außergewöhnliche Orte führen.
Zu den Musikvermittlungs-Projekten gehören Chorpatenschaften mit Berliner Schulchören, Musikalische Salons, das RIAS Kammerchor Studio, die Klingenden Bilder in der Gemäldegalerie Berlin und Publikumsworkshops unter der Leitung von Justin Doyle. Darüber hinaus veranstaltet das Ensemble mit dem Deutschen Musikrat alle zwei Jahre das Abschlusskonzert des Deutschen Chordirigentenpreises.
Regelmäßige Kooperationen bestehen mit bedeutenden Ensembles wie der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Chamber Orchestra of Europe und dem Freiburger Barockorchester sowie Dirigenten wie Sir Simon Rattle, René Jacobs, Yannick Nézet-Séguin, Iván Fischer, Rinaldo Alessandrini und Krista Audere.
Der RIAS Kammerchor Berlin ist ein Ensemble der Rundfunk Orchester und Chöre gGmbH Berlin (ROC). Gesellschafter sind Deutschlandradio, die Bundesrepublik Deutschland, das Land Berlin und der Rundfunk Berlin-Brandenburg.
Seit ihrem Eintritt ins Studio der Berliner Staatsoper im Jahr 2015 und ihrer anschließenden Aufnahme ins Ensemble feierte Elsa Dreisig Rollendebüts an führenden Opernhäusern in ganz Europa. Zu den Höhepunkten der letzten Saison zählen Auftritte an der Bayerischen Staatsoper, darunter in „Le nozze di Figaro“ (Gräfin), sowie eine Europatournee mit Mahlers 4. Sinfonie. Sie kehrte außerdem ans Grand Théâtre de Genève für Aufführungen von „Roberto Devereux“, „Maria Stuarda“ (Elisabetta) und „Anna Bolena“ (Titelrolle), an die Wiener Staatsoper in „Carmen“ (Micaëla), ans Teatro Real Madrid und an die Salzburger Festspiele für „Mitridate, re di Ponto“ (Sifare), ans Theater an der Wien für „Das Paradies und die Peri“, an die Hamburgische Staatsoper als Manon zurück und ging auf Europatournee mit „Il Pomo d’Oro“ als Alcina. Elsa gab ihr Rollendebüt als Mimi in „La Bohème“ an der Trondheim Opera und bei den Salzburger Festspielen als Gräfin in „Capriccio“. Die Saison 25/26 eröffnete sie mit der Rolle der Fiordiligi in Mozarts „Così fan tutte“ an der Mailänder Scala. Zu ihren Opernhöhepunkten zählen Auftritte als Pamina in Mozarts „Die Zauberflöte“ an der Deutschen Staatsoper Berlin, die Titelrolle in „Louise“ an der Opéra de Lyon und als Mimi in „La Bohème“ am Teatro di San Carlo in Neapel. Neben ihren Bühnenauftritten hat Elsa ein umfangreiches Liederprogramm mit geplanten Konzerten in Taiwan, der Wigmore Hall in London und dem Grand Théâtre de Genève. Darüber hinaus präsentiert sie in Zusammenarbeit mit Joseph Middleton an der Hamburgischen Staatsoper eine neue Bearbeitung von Schumanns „Frauenliebe und Leben“.
Der deutsch-britische Tenor legte den Grundstein für seine sängerische Laufbahn bereits in jungen Jahren im Knabenchor Gütersloh. Beim Bundeswettbewerb Gesang gewann er 2020 den Zweiten Preis und gehört seither zum Ensemble der Deutschen Oper Berlin mit Partien wie Tamino („Die Zauberflöte“), Don Ottavio („Don Giovanni“), Walther („Tannhäuser“), Erik („Der fliegende Holländer“), Graf Almaviva („Il barbiere di Siviglia“) und Lysander („A Midsummer Night’s Dream“). Als Rinaldo in Haydns „Armida“ war er bei den Bregenzer Festspielen zu Gast; in der laufenden Spielzeit debütierte er als Tamino an der Oper Köln. Zukünftige Engagements führen ihn unter anderem zum Glyndebourne Festival und an das Opernhaus Zürich.
Als Konzert- und Liedsänger ist er in dieser Saison unter anderem zum ersten Mal mit Brittens „War Requiem“ am Staatstheater Darmstadt unter Daniel Cohen und mit Haydns „Die Jahreszeiten“ beim Maggio Musicale Florenz unter Marc Minkowski zu hören. Außerdem singt er Bachs Weihnachts-Oratorium mit dem Gewandhausorchester Leipzig und die Evangelistenpartie in der Matthäus-Passion mit dem Noord Nederlands Orkest.
Bereits 2019 gab Kieran Carrel sein Lied-Debüt im Berliner Pierre Boulez Saal und war im selben Jahr Finalist beim Wigmore Hall International Song Competition. Seitdem ist er regelmäßig zu Gast in beiden Sälen. Kürzlich war er mit Schuberts „Schwanengesang“ an der Seite von Kristian Bezuidenhout beim MA Festival 2024 in Brügge zu hören und debütierte bei der Schubertiade Schwarzenberg. Eine langjährige Verbindung zum Heidelberger Frühling führte ihn zum Eröffnungskonzert der letzten Saison zurück nach Heidelberg. Seine Ausbildung begann er bei Christoph Prégardien in Köln und setzte sie an der Royal Academy of Music in London bei Neil Mackie – selbst ein Student von Peter Pears – fort. Wichtige künstlerische Impulse erhielt er im Rahmen der Heidelberger Liedacademy von Thomas Hampson und Hartmut Höll.
Der Bassist studierte an der Hochschule für Musik und Theater in München bei Edith Wiens und Christian Gerhaher und wurde privat von Hartmut Elbert unterrichtet. Seine Karriere begann im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper, der er bis 2016 als Ensemblemitglied angehörte.
Zu den prägenden Opernrollen seiner Laufbahn zählen Sarastro bei den Salzburger Festspielen 2022 sowie sein Debüt als König Heinrich in Wagners „Lohengrin“ an der Wiener Staatsoper. Bei den Osterfestspielen Salzburg 2024 war er als Alvise in „La Gioconda“ unter Antonio Pappano zu erleben. An der Bayerischen Staatsoper und beim Tokyo Spring Festival 2025 sang er nach seinem Debüt am Grand Théâtre de Genève den Gurnemanz in Wagners „Parsifal“.
In der Saison 2025/26 führt Tareq Nazmis Weg an die Wiener Staatsoper und die Staatsoper Unter den Linden Berlin. In Tokio debütiert er als Daland in Wagners „Der fliegende Holländer“ (Marek Janowski und das NHK Symphony Orchestra). Mit Verdis Messa da Requiem war er im Januar 2026 auf einer USA-Tournee. Weitere Stationen sind das NDR Elbphilharmonie Orchester (Manfred Honeck) und die Wiener Philharmoniker (Andris Nelsons). Sein Konzertrepertoire reicht von Bach über Haydn, Mozart und Dvořák bis hin zu Brahms und Mahler. Auch als Liedsänger ist er regelmäßig auf internationalen Bühnen präsent – zuletzt mit Gerold Huber bei der Schubertiade Hohenems, in München, Köln und in der Londoner Wigmore Hall. 2023 war das Duo mit Schuberts „Winterreise“ beim Tokyo Spring Festival zu Gast.
Die aus Nordrhein-Westfalen stammende Sopranistin ist seit der Spielzeit 2018/19 festes Ensemblemitglied am Staatstheater Nürnberg. Dort ist sie seitdem an zahlreichen Produktionen beteiligt. 2021/22 debütierte sie mit Micaëla („Carmen“), Mélisande („Pelléas et Mélisande“) und Sophie („Der Rosenkavalier“). Bei den Bayreuther Festspielen trat Julia Grüter 2023 erstmals als Blumenmädchen („Parsifal“) sowie als Junger Hirt („Tannhäuser“) auf. 2023/24 gab sie als Donna Anna („Don Giovanni“) in Nürnberg ein weiteres Rollendebüt. Im Sommer 2024 gastierte sie an der Komischen Oper Berlin in einer szenischen Produktion von Händels „Messiah“ im Tempelhof-Hangar. 2025 debütierte sie in Nürnberg als Alcina und als Contessa („Le nozze di Figaro“). Zum Ende der Spielzeit sang sie bei einer konzertanten Aufführung von Wagners „Siegfried“ die Stimme des Waldvogels am Teatro Comunale di Bologna. Zahlreiche Konzerte führten die Sopranistin quer durch Europa. Im Mai 2025 gab sie ihr Nordamerika-Debüt mit Beethovens Missa Solemnis mit dem Atlanta Symphony Orchestra unter der Leitung von Nathalie Stutzmann.
Julia Grüter absolvierte ihr Gesangsstudium an der Musikhochschule Münster bei Zelotes Edmund Toliver mit Bestnoten und Opernzertifikat, ergänzt von Meisterkursen bei KS Brigitte Fassbaender und Mireille Delunsch. Bevor sie ins Nürnberger Ensemble wechselte, war sie für zwei Spielzeiten Mitglied im Oberösterreichischen Opernstudio des Landestheaters Linz.
Julia Grüter ist Zweite Preisträgerin des Internationalen Liedduo-Wettbewerbs Ratingen 2015 und war im Jahr darauf Stipendiatin des Dortmunder Richard-Wagner-Verbandes. 2017 erhielt sie den Ersten Preis und den Publikumspreis beim Linzer Operettenwettbewerb.
Der 1995 geborene Wiener feierte in den letzten Jahren Erfolge in seinen Debüts an der Opéra National de Paris als 1. Priester und 2. Geharnischter in „Die Zauberflöte“, bei den Bregenzer Festspielen als Donner in „Das Rheingold“, an der Opéra du Rhin in Strasbourg als Leporello und an der Opéra national de Lorraine in Nancy als Papageno. Als Conte di Ceprano in „Rigoletto“ gab er sein Debüt an der Dresdner Semperoper, mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in Strawinskys „Pulcinella“ in der Berliner Philharmonie. Mit dem Gürzenich Orchester Köln war er als Polydor und Père de famille in Berlioz’ „L’enfance du Christ“ im Kölner Dom zu hören, in Bachs Weihnachts-Oratorium gab Michael Nagl sein Debüt im Wiener Musikverein.
Als Mitglied des Opernstudios debütierte er in der Spielzeit 2016/17 an der Staatsoper Stuttgart. Dort sang er, bevor er in der Spielzeit 2018/19 ins Ensemble übernommen wurde, Partien wie etwa Masetto in „Don Giovanni“.
Michael Nagl erhielt seine musikalische und stimmliche Grundausbildung im Wiener Mozart Knabenchor. Im Sommer 2016 beendete der junge Künstler sein Gesangsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien in der Klasse von Karlheinz Hanser. Sein erfolgreiches Bühnendebüt feierte der Bassbariton 2014 im Schlosstheater Schönbrunn als Don Alfonso in „Così fan tutte“. Als 2. Geharnischter und Leporello gab er sein professionelles Debüt am Stadttheater Baden.
Während seiner Studienzeit konnte man Michael Nagl im Schlosstheater Schönbrunn etwa als Masetto, Leporello oder Simone in „Gianni Schicchi“ erleben. Im Sommer 2014 gewann er beim Otto Edelmann Gesangswettbewerb den Preis für den besten Nachwuchssänger. 2015 wurde er beim Künstlertreffen der Gottlob Frick Gesellschaft mit der Gottlob Frick Medaille ausgezeichnet.
schloss zunächst eine Ausbildung zur staatlich geprüften Assistentin für Agrarwirtschaft im Fachbereich Biotechnologie ab und absolvierte anschließend den zweiten Bildungsweg. Sie studierte Evangelische Theologie in Reutlingen sowie Religions- und Kulturwissenschaft an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Studienaufenthalte führten sie nach Amman (Jordanien) und Alexandria (Ägypten). Seit 2019 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin; während dieser Tätigkeit war sie vier Jahre lang dezentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte.
ist Vorstandsvorsitzende der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa. Die gebürtige Hamburgerin ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin und arbeitet seit mehr als fünfzehn Jahren an der Schnittstelle von Zivilgesellschaft, Kultur und Politik.
Am Maxim Gorki Theater baute sie das Gorki Forum auf, einen Ort für zeitgenössische Debatten und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse. In den vergangenen sieben Jahren war sie Vorständin der Allianz Foundation, wo sie Programme zu Kunst, Demokratie und sozialer Transformation verantwortete.
In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit den Zukunftsfragen einer Gesellschaft im Wandel. Ihr Fokus liegt auf kultureller Teilhabe, demokratischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit in Zeiten tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Umbrüche.
mit Geigerin Linda Fichtner
Wie hat das angefangen mit Dir und der Geige?
Musik hat immer eine große Rolle in meiner Familie gespielt, mein Vater ist Musiker. Ich habe viel klassische Musik gehört, im Chor gesungen, Ballettunterricht genommen – das hat mich alles sehr fasziniert. Zuerst bekam ich Klavierunterricht. Das Zimmer der Lehrerin war ganz weiß – die Schränke, der Flügel, der Teppich, alles. Das fand ich als Kind irgendwie unheimlich. Deshalb habe ich gesagt, da gehe ich nicht wieder hin. Ein Bekannter meiner Familie gab Geigenunterricht, also habe ich das probiert. Der Anfang war nicht leicht, aber ich bin dabeigeblieben.