Chamber music matinee of the Konzerthausorchester

By Barbara Gugisch Sept. 20, 2026

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Inhalt

Avigail Bushakevitz  Violine 
Luisa Rönnebeck  Violine 
Ernst-Martin Schmidt  Viola 
Alexander Kahl  Violoncello 
Igor Prokopets  Kontrabass 
Zhora Sargsyan  Klavier

DAS PROGRAMM

George Onslow (1784–1853)
Streichquintett Nr. 30 e-Moll op. 74 

Allegro grandioso
Menuetto. Moderato molto
Andantino grazioso
Finale. Allegro molto animato

Pause

Franz Schubert (1797–1828)
Klavierquintett A-Dur op. 114 D 667 („Forellen-Quintett“)

Allegro vivace
Andante
Scherzo. Presto
Thema. Andantino
Allegro giusto

 

Adelsspross vs. Lehrersohn

Ein Landgut in der Auvergne und die Wiener Vorstadt: Die Lebensumstände von George Onslow und Franz Schubert hatten kaum Gemeinsamkeiten. Beide – der als dreizehntes Kind eines Schulleiters in Himmelpfortgrund geborene Schubert und Onslow als der Erstgeborene eines englischen Lords und einer französischen Adligen aus Clermont-Ferrand – komponierten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Onslow, mehr als zehn Jahre älter, überlebte Schubert um ein Vierteljahrhundert. Heute firmiert er, der zu Lebzeiten als „französischer Beethoven“ verehrt wurde, eher als Geheimtipp, während Schubert im wahrsten Sinne des Wortes vor allem als Liedschöpfer in aller Munde ist.             

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George Onslows Liebe zu den tiefen Streichern

Als Kind eines im Heimatland in Ungnade gefallenen und nach Frankreich ausgewanderten englischen Adligen wuchs Onslow in sehr begüterten Verhältnissen auf, was eine weitgefächerte kulturelle Bildung und Klavierunterricht einschloss. Während der Wirren der Französischen Revolution ging er mit dem Vater nach Hamburg, später dann nach London und ließ sich 1808 schließlich in Paris nieder, wo er jeweils bei berühmten Kollegen, darunter Johann Ladislaus Dussek und Anton Reicha, Komposition studierte. In London begann er zudem, sich im Cellospiel ausbilden zu lassen.

Sein Hauptaugenmerk lag auf der Kammermusik, wobei er sich an der Wiener Klassik orientierte. Ein eher untypisches Verhalten für einen französischen Komponisten der Zeit, in der die Opéra Comique von Donizetti und Rossini ebenso wie romantische Klavierschöpfungen von Liszt und Chopin beliebt waren. Wegen des klassischen Stils und des großen Kammermusik-Œuvres, darunter 36 Streichquartette und 34 Streichquintette, kam es zu dem erwähnten Beethoven-Vergleich. Schubert hielt sehr viel von Onslows Kompositionen: die Musikgeschichtsschreibung geht davon aus, dass die Besetzung seines späten Streichquintetts D 956 durch ihn inspiriert wurde.

Viele von Onslows Quintetten verdoppeln nicht Bratschen- sondern die Cellostimme, oft sind auch ein zweites Cello und Kontrabass ad libitum angegeben. Glaubt man einem zeitgenössischen Text des Musikkritikers Léon Escudier, war der Kontrabass-Einsatz zunächst eine Notlösung. Als Onslows 10. Streichquintett uraufgeführt werden sollte, erschien der zweite Cellist nicht. Wie es der Zufall wollte, war Domenico Dragonetti, seines Zeichens Kontrabass-Virtuose, anwesend. Onslow soll sich zuerst mit Händen und Füßen gegen dessen Einspringen gewehrt haben – letztlich war er begeistert.

Das 30. Streichquintett op. 74 ist dem Geiger Jean-Pierre Maurin gewidmet und entstand 1847. Beginnend mit einem eindrucksvollen Allegro grandioso hört man dem Werk nicht an, dass sein Schöpfer mehr und mehr mit Selbstzweifeln kämpfte und zunehmend zurückgezogen auf seinen Ländereien lebte. Vielleicht offenbart das melodienselige und sehr polyphon gesetzte klassisch viersätzige Miteinander-Kommunizieren der Streicher neben Spielfreude, dramatischen und tänzerischen Passagen aber durchaus auch eine gewisse Melancholie.

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„In einem Bächlein helle“

Vom Spätwerk zum jugendlichen Wurf: Das Lied „Die Forelle“ entstand 1816/17, damals arbeitete der Zwanzigjährige als Schulgehilfe bei seinem Vater. Franz’ unübersehbare Musikalität war seit dem fünften Lebensjahr gefördert worden: Zuerst vom Vater mit Geigenunterricht, später kam er als Sängerknabe an die Wiener Hofkapelle und wurde ins kaiserliche Konvikt aufgenommen. Damit war neben einer fundierten musikalischen auch die „normale“ Schulbildung gesichert. Die erste Fassung der charmanten „Forelle“ auf einen Text Christian Friedrich Daniel Schubarts entstand an einem feuchtfröhlichen Abend bei Anselm Hüttenbrenner – sie hatten sich bei Antonio Salieris Kompositionsunterricht kennengelernt.

Auslöser für das Klavierquintett war dann eine musikalische Sommerreise mit dem Hofopernsänger Michael Vogl, den es während der Wiener Theaterferien in seine Heimatstadt Steyr zog. Der deutlich Ältere war fasziniert von Schuberts Liedern. Sein Bariton und die unverwechselbare Klavierbegleitung des Komponisten erschlossen ein begeistertes Publikum, darunter auch Silvester Paumgartner. Dieser, ein reicher Händler und Mäzen, hatte sein stattliches Haus am Marktplatz zum musikalischen Zentrum des Ortes gemacht, wobei er sich selbst auf dem Violoncello hören ließ. Natürlich waren auch Vogl und Schubert zu Gast.

Ob das Forellen-Quintett allerdings tatsächlich bereits auf dieser ersten Steyr-Reise entstand, kann nur vermutet werden. Der Schubert-Vertraute Anton Stadler behauptete es zumindest: „Er schrieb es auf besonderes Ersuchen meines Freundes Sylvester [sic] Paumgartner, der über das köstliche Liedchen ganz entzückt war. Das Quintuor hatte nach seinem Wunsche die Gliederung und Instrumentierung des damals noch neuen Hummelschen Quintetts zu erhalten. Schubert war damit bald fertig...“ Mit Sicherheit aber ist Paumgartner der Widmungsträger.

Der Variationssatz über das hinlänglich bekannte Lied bildet den eigentlichen Mittelpunkt. Doch erschöpft sich geniale Erfindung und Attraktivität damit keineswegs: Ungewöhnlich, wie sich das erste Thema des Eingangs-Allegros erst nach und nach konturiert, von fast wehmütiger Schönheit das weitausgreifende Andante mit seinen melancholischen Schattierungen...

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Avigail Bushakevitz

wurde in Israel geboren und ist in Südafrika aufgewachsen. Sie studierte an der New Yorker Julliard School bei Sylvia Rosenberg, anschließend in Tel Aviv sowie schließlich in Berlin bei Ulf Wallin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler. Seit 2014 ist sie Mitglied im Konzerthausorchester Berlin. Am Konzerthaus spielt sie außerdem im Franz Trio und im Konzerthaus Kammerorchester. Sie gewann Wettbewerbe in Israel, Spanien und Südafrika und tritt als Solistin regelmäßig mit allen großen Sinfonieorchestern Südafrikas auf. Als Kammermusikerin konzertiert sie unter anderem in Duoprogrammen mit ihrem Bruder, dem Pianisten Ammiel Bushakevitz.

Luisa Rönnebeck

studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in der Klasse von Michael Erxleben. Wichtige musikalische Impulse erhielt sie durch Georg Faust, Nora Chastain und Pamela Frank. Als Stipendiatin der Internationalen Musikakademie in Berlin nahm sie unter anderem 2009 an den Delphischen Spielen in Südkorea teil. Als Solistin konzertierte Luisa Rönnebeck mit dem Philharmonischen Orchester Cottbus, dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt, der Filharmonia Zielonogórska (Polen) sowie in der Philharmonie Berlin, dem Gewandhaus zu Leipzig und in der Laeiszhalle Hamburg.

Ernst-Martin Schmidt

studierte in in seiner Heimatstadt Berlin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler bei Gerhard Riedel und Walter Küssner und war Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Seit 2005 ist er Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin. Außerdem spielt er am Konzerthaus im Franz Trio und im Konzerthaus Kammerorchester.

Ernst-Martin Schmidt hat mit den Berliner Barocksolisten musiziert und tritt als passionierter Kammermusiker vor allem in verschiedenen Duo- und Triobesetzungen im In- und Ausland auf.

Alexander Kahl

wurde in Hanau geboren. Er studierte in Berlin und Rostock bei Michael Sanderling und Josef Schwab. Seit 2005 ist er Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin, außerdem spielt er im Konzerthaus Kammerorchester. Mit den „Berliner Cellharmonikern“ tritt er bei internationalen Festivals auf.

Igor Prokopets

wurde im weißrussischen Minsk geboren. Er studierte in Berlin an der Musikhochschule Hanns Eisler bei Barbara Sanderling sowie an der Universität der Künste bei Mikhael B. Wolf. Seit 2007 ist er Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin. Außerdem spielt er im Konzerthaus Kammerorchester, mit dem er auch als Solist zu erleben ist.

Igor Prokopets ist Mitbegründer und Dozent der Mecklenburger Schlossakademie, unterrichtet die Kontrabass-Stipendiaten der Kurt-Sanderling-Akademie des Konzerthausorchesters und gibt Meisterkurse in Deutschland, Österreich und China. Igor Prokopets ist Mitglied des aktuellen Orchestervorstands.

Zhora Sargsyan

studierte bei Klaus Hellwig an der Universität der Künste Berlin und schloss im Sommer 2025 sein Konzertexamen ab. Er ist Preisträger internationaler Wettbewerbe, unter anderem beim Long-Thibaud-Wettbewerb in Paris, beim Aram Khachaturyan Wettbewerb und beim Arthur-Schnabel-Wettbewerb (Berlin). Als Solist und Kammermusikpartner trat er international bereits bei zahlreichen Musikfestivals und mit Orchestern wie dem Orchestre National de France und dem Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo auf. Solistische Debüts führten Sargsyan nach Holland (Concertgebouw Amsterdam), Korea und China. Vergangene Saison war er im Rahmen des Programms ECHO Rising Stars mit dem Cellisten Benjamin Kruithof auf Tournee. Zhora Sargsyan unterrichtet und gibt seit 2022 Meisterkurse beim Harleshäuser Musikfest in Kassel. Er unterstützt das Projekt Kammerton, das jungen Menschen in Armenien und Georgien seit 2008 das Studium ermöglicht.

Gemeinsamer Atem & Ehe zu siebt

Konzerthaus Kammerorchester, Viola Bayer

Musik lässt sich individuell direkt über den Körper wahrnehmen. Zugleich besitzt sie eine enorme Kraft, Verbindung und Gemeinschaft herzustellen. Zu diesem Saisonthema haben wir uns im Konzerthausorchester umgehört und erfahren: Kammermusik zu spielen, bringt für unsere Musikerinnen und Musiker beides intensiv zusammen – ob im Konzerthaus Kammerorchester, im Horenstein Ensemble oder in unterschiedlichen Besetzungen, die sich für einzelne Konzerte im Laufe der Saison für insgesamt 11 Konzerte finden.

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Und täglich grüßt das Probespiel

Wer sich einen Platz an unserer Orchesterakademie erspielt, ist mit dem Musikstudium meistens fast fertig und beherrscht sein Instrument auf jeden Fall hervorragend. Im Konzerthausorchester lernen die Stipendiatinnen und Stipendiaten den Alltag ihres künftigen Berufs kennen. Immer ein Thema: Wo finden Probespiele um Orchesterstellen statt?

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