13.00 Uhr
Rundgang
„Aşina“, ein Wort persischen Ursprungs, bezeichnet etwas, das uns vertraut ist, auch wenn wir es nicht vollständig kennen: ein Gefühl der Nähe, das keiner Erklärung bedarf. Die Konzertreihe Aşina steht für ein neues Hören, das das Bekannte im vermeintlich Fremden erkennt und ihm neue Nähe schenkt. Aşina verbindet nicht durch eine Kultur, sondern über gemeinsame Empfindungen. Für die Reihe kommen international renommierte Musiker*innen nach Berlin, manche von ihnen nach langer Zeit eigens für diese Konzerte. Überlieferte Traditionen, Künstler*innen der urbanen Szene sowie in den Konzerthäusern selten gehörte musikalische Ausdrucksformen treffen auf der Bühne aufeinander und lassen die Musik unserer Gegenwart erklingen. Gleichzeitig begegnen sich im Publikum Lebenswelten, die sich im Alltag oft nur nebeneinander bewegen.
Eröffnungskonzert
Zülfü Livaneli gilt als Ikone und „Renaissance-Künstler“: Seit 60 Jahren prägt der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, Komponist, Sänger und Filmregisseur das kollektive Gedächtnis der Türkei. In seinen Werken und seinem Engagement für Frieden und Menschenrechte verbindet er Generationen und verleiht ihnen eine Stimme der Hoffnung, Sehnsucht und des Widerstands. Mit der Rumi Suite setzt Livaneli den zeitlosen Worten des persischen Sufi-Mystikers Rumi ein Denkmal. In einer bearbeiteten Fassung der Suite bildet die Deutschlandpremiere zusammen mit Livanelis Liedern, die Kultstatus genießen und weltweit in zahlreichen Sprachen gesungen werden, den Auftakt der neuen Konzertreihe.
Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris zählt zu den ältesten Klanglandschaften der Welt. Den zahlreichen Zivilisationen dieser Region ist ein gemeinsames musikalisches Erbe eingeschrieben. Im Konzert treffen alte Tonarten, Volksmelodien und Improvisationen aufeinander und verbinden verschiedene Sprachen und Rhythmen zu einem gemeinsamen Puls. Türkische, syrische, kurdische und persische Klänge laden dabei nicht zu einer Reise in die Vergangenheit ein, sondern zu einer Begegnung mit einer lebendigen Tradition.
Erkan Oğur zählt zu den prägenden musikalischen Persönlichkeiten der anatolischen Musik. Mit seinem Spiel auf der Kopuz verbindet er traditionelle Klangwelten mit improvisatorischer Offenheit. Im Duett mit dem Sänger İsmail Hakkı Demircioğlu – eine bedeutende Stimme u.a. der alevitischen Musik – interpretiert er Lieder und Gedichte aus der anatolischen Volks- und Sufi-Tradition. Stimme und Instrument treten dabei in einen ruhigen, konzentrierten Dialog, der die musikalische Erinnerung Anatoliens in die Gegenwart führt.
In einer Performance, die von Verwandlung und Widerstand geprägt ist, verbindet Anthony Hüseyin eigene zeitgenössische Songs und Texte mit barocken Arien und der Musik von Zeki Müren, der „Sonne“ der türkischen Kunstmusik. Die genresprengenden Lautenarrangements von David Bergmüller bilden dabei das klangliche Fundament für Hüseyins erweiterte vokale Arbeit: Mit Live-Technologie dekonstruiert das Duo traditionelle Rollen und formt eine „dritte Stimme“, die queere Freude und die Fluidität von Identität zelebriert.
Istanbul, ehemals Hauptstadt dreier Imperien, ist ein Ort, an dem sich über Jahrhunderte Sprachen, Religionen und Kulturen begegneten. Aus diesem vielschichtigen Gefüge ist eine reiche musikalische Tradition entstanden. Das Programm führt durch musikalische Spuren der griechischen, jüdischen, armenischen und muslimischen Gemeinschaften der Stadt und macht die vielfältigen Klangwelten Istanbuls hörbar.