Sounds of Pain

By Johannes Schultz July 3, 2026

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Inhalt

Konzerthausorchester Berlin
Juraj Valčuha  Dirigent
Jean-Guihen Queyras  Violoncello

Vito Žuraj (*1979)

„Unveiled“ – Konzert für Violoncello und Orchester


PAUSE


Robert Schumann (1810–1856)

Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61
Sostenuto assai – Allegro ma non troppo
Scherzo. Allegro vivace
Adagio espressivo
Allegro molto vivace

 

Schmerzensklänge

„Das Cellokonzert war auch eine Therapie, meinen Schmerz zu überwinden.“ berichtet der Komponist Vito Žuraj sehr persönlich in einem Vorgespräch zum heutigen Konzert. Blickt der 1979 geborene Slowene auf 2020 zurück, das Jahr, in dem er mit der Arbeit an seinem Konzert für Violoncello und Orchester begann, berichtet er von einer tiefen Krise: Eine unglückliche Verliebtheit während seines Stipendiatenaufenthalts in der Bamberger Villa Concordia, ein emotionaler Ausnahmezustand, der den Komponisten mitten in der sozialen Vereinzelung der Corona-Pandemie in die Verzweiflung trieb. Das Komponieren schien nicht mehr möglich. „Ich habe keine Musik mehr in mir selbst gehört“ sagt Žuraj im Rückblick. Erst die Verwandlung seines Schmerzes in ein Klangereignis, die Keimzelle für sein Konzert, habe den Ausweg gebracht. Das Abschließen der Komposition sei für ihn zugleich der Ausweg aus seinem Zustand gewesen. Auf dieser biografischen Ebene schlägt Vito Žurajs Cellokonzert eine Brücke zur heutigen zweiten Konzerthälfte. 1844 hatte Robert Schumann seinen bis dahin schwersten physischen und psychischen Zusammenbruch erlitten. „Die Symphonie schrieb ich im Dezember 1845 noch krank; mir ist´s als müßte man ihr dies anhören“ berichtet Schumann in einem Brief an den Hamburger Musikdirektor Georg Dietrich Otten. Dankbar zeigt er sich, dass „solche Schmerzensklänge“ bei seinem Kollegen auf große Resonanz gestoßen waren. Im Nachhinein schreibt Schumann dem Kompositionsprozess eine therapeutische Wirkung zu: „Erst im letzten Satz fing ich an mich wieder wohler zu fühlen; wirklich wurde ich auch nach Beendigung des ganzen Werkes wieder wohler. Sonst aber, wie gesagt, erinnert sie mich an eine dunkle Zeit.“

Enthüllung einer persönlichen Welt

Vito Žurajs „Unveiled“

Der im slowenischen Maribor geborene Vito Žuraj ist eine wichtige Stimme der zeitgenössischen Musik. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die Žuraj erhielt, zählen der Claudio-Abbado-Kompositionspreis der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker, sowie der Förderpreis der Prešeren-Stiftung – die höchste Auszeichnung für Künstler in Slowenien. Zuletzt entstanden Auftragskompositionen für die Berliner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks oder die Alte Oper Frankfurt. Erst vor wenigen Monaten wurde Vito Žurajs Violinkonzert „Desorption“ von Isabelle Faust mit dem WDR Sinfonieorchester uraufgeführt.

Für das Konzerthausorchester ist Žuraj kein Unbekannter. Bereits 2016 spielten die Musiker*innen sein Hornkonzert „Hawk-eye“ unter der Leitung von Simone Young und Saar Berger als Solisten. Im Anschluss gab das Konzerthaus Berlin gemeinsam mit dem Festival Ljubljana, dem Gürzenich-Orchester Köln und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien bei Žuraj ein Cellokonzert in Auftrag. Mit den drei Aufführungen dieses Wochenendes feiert das Cellokonzert „Unveiled“ nun seine Berliner Premiere.

Kompositorischer Neuanfang

Im Schaffen des Komponisten markiert das Konzert einen Neuanfang. Zum ersten Mal nahm Žuraj bewusst eine biographische Gegebenheit zum Ausgangspunkt einer Komposition. Bis dahin waren es vor allem äußere Inspirationsquellen: Das Wirken des Alchemisten Johann Friedrich Böttger, dem Erfinder des europäischen Porzellans („Der Verwandler“), ein sizilianisches Märchen („Alavò“) oder die Auseinandersetzung mit Küchenritualen („Hors d’œuvre“). In einer umfangreichen Werkreihe hatte sich Žuraj auf einer abstrakten Ebene zudem intensiv mit Spielsituationen beschäftigt – inspiriert von seinen Erfahrungen als passionierter Tennisspieler.

Seine bisherige Kompositionstechnik, sein Interesse für algorithmische Verfahren und die Ausarbeitung komplexer Klangstrukturen verbindet Žuraj in „Unveiled“ mit einer persönlichen Ebene, die hier – der englische Titel spielt darauf an - „enthüllt“ wird: Eine unglückliche Liebe und zermürbende emotionale Krise während seines einjährigen Aufenthalts als Stipendiat im internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg – mitten in der der Corona-Pandemie.

„Es schien mir so, als drehten sich alle meine Gedanken nur um die Unerreichbare. […] Nun wanderte ich, angeschlagen, während des Lockdowns ziellos durch die Bamberger Wälder, nach Klängen suchend, denn in mir hörte ich keine Musik mehr – nur Stille im Dunkeln. Bis ich plötzlich ein Klangatom spürte: Eine kurz andauernde hohe Frequenz, die zeitgleich zu meinem Herzpuls erklang. Dieses Klangereignis verwandelte ich in einen leisen Schlag auf die große Trommel, gepaart mit kurz angestrichenen Crotales, und setzte somit den Ausgangsklang für mein Cellokonzert fest.“

Schmerzerfüllter Ausnahmezustand

Das Stück spreche vom „Wahnsinnigwerden vor Emotionen und wie man sich von ihnen loslöst, wie man da wieder rauskommt“, so Žuraj. Vor diesem Hintergrund bekommen die wiederkehrenden Elemente und Formteile eine inhaltliche Bedeutung. Zum herzschlagartigen Klangereignis des Beginns tritt mit dem Solocello – Žuraj ist selbst Cellist – ein unruhiges, erratisches Individuum. Schon seine ersten Klänge verdeutlichen den schmerzerfüllten Ausnahmezustand. Der Klang des Instruments ist durch eine besondere Kombination aus Flageolett und Glissandotechnik, dem sogenannten „Möwen-Effekt”, verfremdet.

Dem Cellisten an die Seite gestellt ist eine Gitarrenstimme, „fast ein obligato, ein Kontrahent, vielleicht eine unsichtbare Ebene, ein Schatten des Cellisten im Unterbewusstsein und Verrücktsein. […] Es ist diese eine Stimme, die man in sich hat, die einen nicht loslässt.“ sagt Žuraj. Und tatsächlich scheint die Gitarre in psychedelischer Weise bis zum Ende die extremen Stimmungsschwankungen der Cellostimme zu kommentieren. Nach einer ersten Solokadenz erklingt dann zum ersten Mal eine romantisch angehauchte Phrase, die wie eine „Idée fixe“ immer wiederkehrt. Das viertönige Kopfmotiv stammt aus einem Lied, das Žuraj aus seiner eigenen Liebessehnsucht heraus geschrieben, aber nie veröffentlicht hatte: Eine Vertonung von Shakespeares Sonnett „How oft, when thou, my music, music play’st”.

Bamberg und Berlioz: Glocken und Wahnsinn

Nach ungefähr zehn Minuten wird es im Stück ruhiger. Ein Gefühl wie in einer schwülen Sommerhitze stellt sich ein. Holz- und Blechbläser spielen nur noch mit Windgeräuschen. Aus der Ferne zwei Kirchenglocken: C, C, G. Dieselben Glockentöne, die schon in Hector Berlioz‘ „Symphonie fantastique“ den Dies Irae-Choral im „Hexensabbat“ ankündigten. Die Anspielung ist beabsichtigt. Wie kein anderer Komponist zuvor goss Berlioz schon 1830 seinen Liebeskummer in seine berühmt gewordene Programmmusik über einen von Liebeswahn und Opium berauschten Protagonisten. Bei Žuraj sind die Glocken zugleich eine Hommage an die Bamberger Kirchenglocken, die mit ihrem prophetischen Charakter seinen damaligen Zustand befeuerten.

In „Unveiled“ folgt auf das anschwellende Glockengeläut eine neue Stufe des Wahns. Die Blechbläser scheinen verrückt geworden zu sein und klingen wie wild durcheinander gackernde Enten, wenn sie nur noch auf ihren Mundstücken („Buzzing“), in sturer Präzision komplexe rhythmische Pattern exerzieren. Und auch der volle Celloklang verkümmert zum geräuschhaften Kratzen. Statt mit seinem Bogen streicht der Cellist nur noch mit einem genoppten Bleistift auf den Seiten. Im Schlussteil verdichten sich dann die Ereignisse. Der Herzschlag wird zum Pochen. Immer schneller werdende Sechzehntelketten preschen voran. Sie gipfeln in einem energischen Aufgang des Cellos. Es sei wie eine letzte Wut vor dem endgültigen Entschluss, der Loslösung und dem Ausweg, sagt Žuraj.

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„in mir paukt und trompetet es“

Robert Schumanns C-Dur-Sinfonie

Endet Žurajs Cellokonzert abrupt wie eine Selbstrettung aus letzter Kraft, so erleben wir in Schumanns C-Dur-Sinfonie die Entwicklung hin zu einem hymnischen Schlusssatz, den man durchaus in die sinfonische Tradition eines „Vom Dunkel zum Licht“ stellen kann. Nach dem schwermütigen Adagio espressivo sprudelt das Finale mit seinen beschwingten Rhythmen und leidenschaftlichen Kantilenen vor tiefempfundenem Glück. An diesem Kontrast können wir vielleicht am ehesten nachvollziehen, was Schumann meint, wenn er gegenüber dem Hamburger Kollegen Georg Dietrich Otten von einer therapeutischen Wirkung spricht und bekennt, sich erst nach Vollendung des letzten Satzes wieder wohler gefühlt zu haben.

Der schlechte Zustand, das war eine seit 1844 einsetzende Phase in Schumanns Leben, während der er unter Depressionen und gesundheitlichen Beschwerden litt. Körperliche Ursachen, wie eine schon früher erworbene Syphilis-Erkrankung, aber möglicherweise auch eine beginnende bipolare Störung können hier die Ursache gewesen sein. Es mögen auch äußere Umstände eine Rolle gespielt haben. Die finanzielle Situation war angespannt. Die Hoffnung, die Nachfolge Mendelssohns als Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters antreten zu können, wurde zerschlagen, als hier statt Schumann der Däne Niels W. Gade die Stelle bekam. Im Oktober 1844 siedelte die junge Familie Schumann – Clara, Robert und ihre zwei ersten Töchter Marie und Elise – von Leipzig nach Dresden über. Ein Ortswechsel sollte einen Neuanfang bringen.

Innere Kämpfe

Zur vorübergehenden Schonung betrieb Robert Schumann Kontrapunktstudien und beschäftigte sich intensiv mit der Musik Bachs. Daraus entstanden unter anderem Sechs Fugen Op. 60 über den Namen BACH, eine Arbeit, die auch in seiner sinfonischen Arbeit Spuren hinterließ. Der Besuch eines Konzerts mit Schuberts großer C-Dur-Sinfonie gab dann den Anstoß. Im Dezember 1845 schreibt Schumann an seinen Freund Mendelssohn: „In mir paukt und trompetet es seit einigen Tage sehr (Trombe in C); ich weiß nicht, was daraus werden wird.“ In den Beschreibungen gegenüber seinem Biographen Wilhelm Joseph von Wasielewski wird deutlich, mit welch inneren Kämpfen die Entstehung der Sinfonie verbunden war: „Ich skizzierte sie, als ich psychisch noch sehr leidend war, ja ich kann wohl sagen, es war gleichsam der Widerstand des Geistes, der hier sichtbar influiert hat und durch den ich meinen Zustand zu bekämpfen suchte. Der erste Satz ist voll dieses Kampfes und in seinem Charakter sehr launenhaft, widerspenstig.“

Eine Bläserfanfare eröffnet die langsame Einleitung des ersten Satzes. Durch ihre zeitlich große Dehnung nimmt man sie zunächst eher als Klangfläche wahr. Im Vordergrund steht die schwermütig kreisende Melodie der Streicher. Holzbläser und Vorhaltketten intensivieren den intimen Ausdruck. Zusammen mit den choralhaften Einwürfen erinnert dieser Beginn an die Einleitung der etwas jüngeren Reformations-Sinfonie von Mendelssohn. Unruhige und schnellere Fanfaren durchbrechen den Bläserchoral und geben schon eine Vorahnung auf Späteres. Im Hauptsatz wirken „launenhaft“ und „widerspenstig“ vor allem die scharfen Punktierungen und die triolischen Repetitionen in den Blechbläsern. Immer wieder brechen sie hinein in die suchenden Melodiephrasen, welche wiederum nicht selten bereits von den nachschlagenden Begleitstimmen nervös vorangetrieben werden. Ist dies der innere Kampf von dem Schumann gesprochen hat?

Vorbilder Beethoven und Bach

Wie in Beethovens neunter Sinfonie folgt auch bei Schumann direkt auf den Kopfsatz ein Scherzo. Es ist bestimmt von einer fast unheimlichen mechanischen Energie. Wie ein „perpetuum mobile“ treibt das Orchester seine ersten Geigen durch den Satz. Nur die zwei Trios bieten da eine kurze Erholungsphase von den sonst auch spieltechnisch so gefürchteten durchlaufenden Sechzehntelketten. Der Dirigent der Uraufführung dürfte eine weitere Ähnlichkeit bemerkt haben: Es war der Freund Mendelssohn, der die Sinfonie in Leipzig dirigierte und Anklänge an das Scherzo seines „Sommernachtstraums“ gehört haben muss.

Der Adagio-Satz gehört zu den berührendsten langsamen Sätzen, die Schumann geschrieben hat. Getragen von einer synkopierenden Streicherbegleitung singen die Geigen eine tieftraurige und zugleich tröstend schöne Melodie. Sie wird von den Holzbläsern übernommen und immer wieder melodisch fortgesponnen. Besonders deutlich wird in diesem Satz auch Schumanns intensive Beschäftigung mit Bach. Die ausdrucksstarke Intervallfolge kann auf Melodien aus dem Largo aus Bachs „Musikalischem Opfer“ zurückgeführt werden. Ebenso wie ein fugenartiges Zwischenspiel, das rätselhaft phlegmatisch hervorscheint, um dann gleichsam unbemerkt wieder hinter dem Hauptthema zu verschwinden.

Überreichung an Clara

Der Finalsatz gilt als sinfonische Meisterleistung. In kunstvoller Weise zitiert Schumann hier noch einmal thematisches Material aus allen vorangegangenen Sätzen. Und auch das große Vorbild Beethoven scheint noch einmal hervor. Der Aufbau und Charakter erinnert an den triumphalen Finalsatz seiner großen „Neunten“. Nur fehlt bei Schumann der Chor. Für den zeitgenössischen Rezensenten in der Neuen Zeitung für Musik kein Manko, sondern Beweis für Schumanns Größe: „Ludwig konnte es noch nicht mit den bloßen Instrumenten, er mußte von der Dichtkunst das Wort borgen, Robert vollbringt’s zum ersten Male mit den bloßen Instrumenten“. Was nur zur Hälfte stimmt. Für die musikalische Versöhnung seiner widerstrebenden Themen kommt auch Schumann nicht gänzlich ohne eine Textgattung aus. So zitiert er ein Beethoven-Lied aus dessen Zyklus „An die ferne Geliebte“ op. 98. Am markanten Übergang von c-Moll nach C-Dur erklingt in inniger Weise zum ersten Mal die Melodie des Liedes „Nimm sie hin denn, diese Lieder“. Der Musikwissenschaftler Peter Gülke nannte dies „eine auskomponierte Überreichung der Sinfonie an Clara“.

Das Konzerthausorchester Berlin spielt seit der Saison 2023/24 unter Leitung von Chefdirigentin Joana Mallwitz. Sie folgt damit Christoph Eschenbach, der diese Position ab 2019 vier Spielzeiten innehatte. Als Ehrendirigent ist Iván Fischer, Chefdirigent von 2012 bis 2018, dem Orchester weiterhin sehr verbunden.

1952 als Berliner Sinfonie-Orchester (BSO) gegründet, erfuhr das heutige Konzerthausorchester Berlin von 1960 bis 1977 unter Chefdirigent Kurt Sanderling seine entscheidende Profilierung und internationale Anerkennung. Seine eigene Spielstätte erhielt es 1984 mit Wiedereröffnung des restaurierten Schauspielhauses am Gendarmenmarkt. Zehn Jahre später wurde das BSO offizielles Hausorchester am nun umgetauften Konzerthaus Berlin und trägt seit 2006 dazu passend seinen heutigen Namen. Dort spielt es pro Saison mehr als 100 Konzerte. Außerdem ist es regelmäßig auf Tourneen und Festivals im In- und Ausland zu erleben. An der 2010 gegründeten Kurt-Sanderling-Akademie bilden die Musiker*innen hochbegabten Orchesternachwuchs aus.

 Einem breiten Publikum auf höchstem Niveau gespielte Musik nah zu bringen, ist dem Konzerthausorchester wesentliches Anliegen. Dafür engagieren sich die Musiker*innen etwa bei „Mittendrin“, wobei das Publikum im Konzert direkt neben Orchestermitgliedern sitzt, als Mitwirkende in Clipserien im Web wie dem mehrfach preisgekrönten #klangberlins oder in den Streams „Spielzeit“ auf der Webplattform „twitch“. Die Verbundenheit mit Berlin zeigt sich im vielfältigen pädagogischen und sozialen Engagement des Orchesters mit diversen Partnern in der Stadt.

Juraj Valčuha

Juraj Valčuha genießt international hohes Ansehen für seine große Ausdruckskraft und profunde Musikalität. Seine Auftritte überzeugen durch präzise Schlagtechnik und natürliche Bühnenpräsenz und machen ihn zu einem der gefragtesten Dirigenten seiner Generation. 2022 übernahm er die Position des Music Director beim Houston Symphony. Seit 2023 ist er Erster Gastdirigent des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra. Von 2016 bis 2022 war er Music Director des Teatro San Carlo in Neapel, von 2009 bis 2016 Chefdirigent des Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI und bis 2023 war er Erster Gastdirigent des Konzerthausorchesters Berlin. Er studierte Dirigieren und Komposition in Bratislava, bei Ilya Musin in St. Petersburg und in Paris, wo er 2005 beim Orchestre National de France debütierte. Rasch folgten Einladungen der großen Orchester: So stand er bislang u. a. am Pult des Philharmonia Orchestra London, des Gewandhausorchesters Leipzig, des Swedish Radio Orchestra, der Wiener Symphoniker, der Staatskapelle Dresden, der Münchner und Berliner Philharmoniker, des Concertgebouworkest Amsterdam, des NDR Elbphiharmonie Orchesters, des hr-Sinfonieorchesters, des SWR Symphonieorchesters, des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom und der Filarmonica della Scala di Milano. Engagements in Nordamerika führten ihn zu den Symphonieorchestern von Pittsburgh, Boston, Chicago, Cleveland, Cincinnati und San Francisco, zum Los Angeles Philharmonic und zum New York Philharmonic. Zu den künstlerischen Höhepunkten der letzten Jahre zählen Konzerte mit dem Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI in München, Köln, Zürich, im Wiener Musikverein und in der Berliner Philharmonie. Juraj Valčuha ist auch ein gefragter Operndirigent. So leitete er jüngst Aufführungen an der Bayerischen Staatsoper und der Deutschen Oper Berlin.

Jean-Guihen Queyras

Neugier und Vielfalt prägen das künstlerische Wirken von Jean-Guihen Queyras. Auf der Bühne und bei Aufnahmen erlebt man einen Künstler, der sich mit ganzer Leidenschaft der Musik widmet, sich dabei aber vollkommen unprätentiös und demütig den Werken gegenüber verhält, um das Wesen der Musik unverfälscht und klar wiederzugeben.

So nimmt er sich mit gleicher Intensität sowohl Alter Musik – wie z.B. mit dem Freiburger Barockorchester und der Akademie für Alte Musik Berlin – als auch zeitgenössischer Werke an. Unter anderem hat er Kompositionen von Ivan Fedele, Gilbert Amy, Bruno Mantovani, Michael Jarrell, Johannes-Maria Staud, Thomas Larcher und Tristan Murail zur Uraufführung gebracht.

Diese Vielfältigkeit hat viele Konzerthäuser, Festivals und Orchester dazu bewegt, Jean-Guihen Queyras als Artist-in-Residence einzuladen, wie das Concertgebouw Amsterdam, das Festival d’Aix-en-Provence, das Vredenburg Utrecht, De Bijloke Gent und das Orchestre Philharmonique de Strasbourg.

Jean-Guihen Queyras ist regelmäßig zu Gast bei renommierten Orchestern wie dem Philadelphia Orchestra, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Koninklijk Concertgebouw Orkest, dem Orchestre de Paris, dem Orquesta Nacional de España, dem Cleveland Orchestra, dem London Symphony Orchestra sowie am Leipziger Gewandhaus. Er arbeitet mit Dirigenten wie Iván Fischer, Philippe Herreweghe, Yannick Nézet-Séguin, Maxim Emelyanychev, Sir John Eliot Gardiner und Sir Roger Norrington.

Seine Aufnahmen der Cellokonzerte von Edward Elgar, Antonín Dvořák, Philippe Schoeller und Gilbert Amy wurden von der Fachkritik begeistert aufgenommen. Auf seinem Album mit dem Titel „THRACE - Sunday Morning Sessions“ kreuzen sich, unter Mitwirkung der Chemirani-Brüder und Sokratis Sinopoulos, zeitgenössische Werke, Improvisationen und traditionelle Musik des Mittelmeerraums. Zudem veröffentlichte er eine erneute Einspielung der kompletten Cellosuiten von Johann Sebastian Bach, 17 Jahre nach der ersten Gesamtaufnahme aus dem Jahr 2007. Jean-Guihen Queyras nimmt exklusiv für harmonia mundi auf.

Jean-Guihen Queyras ist Professor an der Musikhochschule Freiburg und künstlerischer Leiter des Festivals „Rencontres Musicales de Haute-Provence“ in Forcalquier. Er spielt auf dem „Kaiser“-Stradivari, das 1707 in Cremona hergestellt wurde und freundlicherweise von der Firma Canimex Inc. aus Drummondville (Quebec) zur Verfügung gestellt wird.

Vor dem Spiel #6

Was war da los? Unsere KHO-Mitglieder erzählen, wie es zu einem Schnappschuss vor dem Konzert kam – dieses Mal mit Bratscherin Pei-yi Wu und Hornist Yu-Hui Chuang in der Mittagspause.

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