Willkommen an der Kurt-Sanderling-Akademie

von Annette Zerpner 14. Oktober 2026

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Musikerinnen & Musiker der Orchesterakademie am Tag der offenen Tür © Pablo Castagnola

UNSERE „NEUEN“

An Wochenenden ohne Probe schläft Bratscher Jaeyoung Kim samstags gern aus und macht sich einen ruhigen Tag. Sonntags geht er in die Kirche. Musik liegt bei ihm in der Familie: „Weil mein Vater und mein älterer Bruder Cello spielen, wollte ich auch Musik machen. Und weil ich auf eine Mittelschule mit mit künstlerischem Schwerpunkt gehen wollte, habe ich mich für die Bratsche entschieden.“

Der koreanische Musiker mag eigentlich immer gerade die Komponisten, die er spielt – insbesondere aber Brahms und Bach. Eine Alternative zur Bratsche wäre für ihn Gesang: „Es gibt Bassarien, die ich sehr mag.“

In einem anderen Leben wäre er vielleicht chef, denn er liebt es, für sich und andere gut zu kochen. Sein Lieblingsessen ist Pork Kimchi-Jjim: „Immer wenn ich das Gefühl habe, dass ich nach Korea möchte, koche ich es mir.“ Jaeyoung sammelt Kerzen: „Zuerst habe ich sie nur als Beleuchtung bei Mahlzeiten gekauft, aber inzwischen gefällt mir auch der Duft selbst sehr gut.“

Geiger Noah Klein liebt Berlin, ist aber auch froh, wenn er am Wochenende „mal rauskommt, vorzugsweise in die Natur“. Sein persönlicher Berliner Lieblingsort stammt aus der Coronazeit, als er das erste Mal in der Stadt gelebt hat: „Damals bin ich in die Nähe des Schwedter Stegs gezogen und viel dort entlangspaziert. Damit verbinde ich heute immer noch etwas.“

Bei Eltern, die Musik studiert haben, lag nah, dass auch Noah ein Instrument gelernt hat: „Meine Mutter hat vor langer Zeit mal eine eher schrottige Geige auf dem Flohmarkt gekauft, auf der ich schon als Dreijähriger leidenschaftlich rumprobiert habe – allerdings in Cello-Haltung.“

Bach, Tschaikowsky und den Mendelssohn-Geschwistern, aber auch Schnittke und Weill könnte er „ewig zuhören“ und hat „großen Respekt vor Komponistinnen wie Emilie Mayer oder Louise Farrenc, die sich allein durch ihr Können gesellschaftlichen Gegnern gegenüber beweisen mussten.“

Im Finalsatz von Mahlers Sechster würde Noah die Violine gern mal gegen den „Mahler-Hammer“ tauschen. In einem alternativen Leben wäre der pädagogisch und gesellschaftlich besonders interessierte Musiker „wahrscheinlich Lehrer für Philosophie und Politik“ geworden. Er nennt eine Sammlung „zu wenig genutzter Outdoorartikel und ungelesener Bücher“ sein Eigen. Glücklich macht ihn eine „richtig gute Tomatensoße zu Nudeln“.

Akademist Noah Klein spielt am Tag der offenen Tür Streichquartett

In einem Streichquartett der Akademie spielt Noah Klein am Tag der offenen Tür im Oktober 2026 Filmmusik (c) Pablo Castagnola

Der Lieblingsort von Kontrabassist Jiwoo Ryu in Berlin ist sein Zuhause. Dass er zum Kontrabass gefunden hat, sei seiner ausgeprägten Abneigung gegen das Lernen für die Schule geschuldet, erzählt er: „Mein Vater konnte das irgendwann nicht mehr mitansehen und hat mir vorgeschlagen, ein Instrument zu lernen. So habe ich ganz spontan angefangen... und wie man sieht, hat es mich bis nach Deutschland verschlagen!“

Der Lieblingskomponist des koreanischen Musikers ist Richard Strauss, und wenn er ein anderes Instrument wählen sollte, wäre das die Oboe: „Ich liebe einfach total ihren Klang.“ Als alternativer Beruf würde ihn Psychiater reizen, aber das mit dem Lernen dafür, meint er, würde vielleicht doch nicht so gut klappen. Jiwoo sammelt elektronische Gadgets und mag „supergerne japanisches und chinesisches Essen“.

Hochkonzentriert – Jiwoo Ryu (rechts) mit Kontrabasskollege Theo Lee und Solo-Tubist Yuki Takebayashi während des Gastspiels beim Lucerne Festival im September 2026 (c) Lucerne Festival

Zu Berliner Wochenenden gehört für Bratscherin Seonwoo Ryu, sich „zu Hause zu entspannen, in gemütliche Cafés zu gehen und in ruhigen Parks spazieren zu gehen.“ Schon als Kind ist die Musikerin aus Korea mit der Bratsche in Kontakt gekommen: „Meine Lehrerin hat damals im selben Haus gewohnt. Der warme Klang der Bratsche, der mich an eine menschliche Stimme erinnert, und ihre schöne Rolle im Orchester haben mich fasziniert – und so spiele ich sie bis heute.“ Seonwoos Lieblingskomponist ist Johannes Brahms: „Ich liebe seine Musik, die warm und zugleich etwas melancholisch ist – manchmal tut sie fast weh und ist doch wunderschön.“

Akademistin Seonwoo Ryu spielt am Tag der offenen Tür Streichquartett

In einem Streichquartett der Akademie spielt Seonwoo Ryu am Tag der offenen Tür im Oktober 2026 Filmmusik (c) Pablo Castagnola

Zum „besten Plan fürs Wochenende“ in Berlin gehört für Schlagzeugerin Mariia Shmeleva, „auf Flohmärkten herumzulaufen, lecker zu essen, Sport zu machen und sich einfach draußen mit Freunden zu treffen.“ Unter den Komponisten ist Bach für sie „ganz unvergleichbar“, außerdem schätzt die Musikerin aus St. Petersburg Tschaikowsky, Schostakowitsch und Mahler besonders. Sie könnte sich gut vorstellen, ein Blechblasinstrument wie Posaune oder Horn zu spielen, „oder Cello!“ Statt Musik hätte sie in einem anderen Leben vielleicht ihre sportlichen Leidenschaften zum Beruf gemacht – Reiten oder Eiskunstlauf. Am liebsten isst sie peruanische Ceviche und Meeresfrüchte aller Art.

Akademistin Mariia Shmeleva in einer Probe Oktober 2026

Mariia Shmeleva in einer KHO-Probe Anfang Oktober 2026 (c) Marco Borggreve

Zum ersten Mal hat Flötistin Alma Sonenshtain ihr Instrument in einem Kinderkonzert gehört. Da war klar für sie: Das möchte ich auch können! Abgesehen von der Flöte schätzt sie besonders das Cello: „Es wäre schön, auch mal ein tieferes Instrument zu spielen. Außerdem gibt es ein wundervolles Solo- und Kammermusikrepertoire für Cello.“ Almas Lieblingskomponist ist Gustav Mahler: „Als ich jünger war, habe ich durch seine Sinfonien klassische Musik erst richtig zu lieben begonnen.“ Ein Faible hat die Musikerin aus Tel Aviv für Kaffee und japanische Küche.

Akademistin Alma Sonenshtain an der 2. Flöte beim Musikfest 2026

Gleich mittendrin – Alma Sonenshtain an der 2. Flöte beim Musikfest Berlin in der Philharmonie am 4. September 2026. (c) Simon Pauly

Geigerin Salma Sorour ist an ihren Berliner Wochenenden wichtig, zu üben und sich daheim auszuruhen: „Ich genieße es dann, ruhige Zeit für mich allein zu haben.“ Berlin mag die Musikerin aus Kairo sehr: „Für einen Lieblingsort habe ich die Stadt aber noch nicht ausreichend erkundet. Weil ich gern unter Leuten bin, würde ich sagen: Überall dort, wo es lebendig zugeht, könnte es mir gefallen!“

Salma stammt aus einer Musikerfamilie. „Meine beiden älteren Geschwister spielen auch Geige, da haben sich meine Eltern bei mir vermutlich gedacht, warum nicht?“ lacht sie. In einem alternativen Leben wäre sie Sportlerin, „wahrscheinlich Turnerin. Das sieht cool und anspruchsvoll aus – genau mein Ding!“ Salmas Lieblingsessen ist ein ägyptisches Gericht namens Molokhya.

In Berlin ist Geigerin Leyang Tang sehr gern auf der Museumsinsel unterwegs: „Der ganze Ort strahlt eine Atmosphäre aus, die einen in vergangene Zeiten zurückversetzt.“

Die Geige hat sie schon vor ihrer Geburt begleitet: „Meine Mutter ist Geigenlehrerin. Als ich klein war – oder sogar noch in ihrem Bauch – habe ich viel Musik gehört. Irgendwann fing ich dann an, mit Essstäbchen so zu tun, als würde ich Geige spielen und bat sie, es mir beizubringen. So hat alles angefangen.“ Außerdem liebt Leyang das Cello – das wäre „auf jeden Fall“ ihre Wahl, wenn sie ein weiteres Instrument spielen könnte. Früher hat die Musikerin aus China viel getanzt und wäre in einem anderen Leben vielleicht Tänzerin – „oder Schauspielerin, das würde ich gerne mal ausprobieren.“

... UND WER SCHON LÄNGER DABEI IST

Bratscher Joon Hurh entspannt an Wochenenden gern mal daheim – Gesellschaft leistet ihm dabei seine Katze. Als er ein kleiner Junge war, fanden seine Eltern, dass ihm ein Instrument gut tun würde. Er begann mit Geige: „Am Anfang war es sehr schwierig, einen schönen Klang zu erzeugen. Ich beschloss, mich der Herausforderung zu stellen und spielte weiter. Aber ich war sehr unzufrieden.“ Das änderte sich, als er mit 17 zur Bratsche wechselte. In deren Klang hatte der britische Musiker sich in einem Konzert verliebt: „Bis heute bin ich froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben.“

Sein Lieblingskomponist ist Robert Schumann. In einem anderen Leben hätte er vielleicht Cello oder Saxophon gespielt. Joon ist froh, dass er in seinem Beruf „etwas macht, was ich liebe.“ Ein alternativer Job müsste für ihn gut bezahlt sein, denn er kauft gern „schöne Dinge“. Weil er auch sehr gern immer neue Bratschen und Bögen verschiedener Geigenbauer ausprobiert, könnte er sich gut vorstellen, Bögen zu sammeln. Koreanisches Essen mag Joon am liebsten.

Joon Hurh im Gespräch mit Mentorin Nilay Özdemir im Frühjahr 2026 (c) Andreas Antoni

Wenn er am Wochenende nicht grade selbst spielt, geht Geiger Johannes Tentschert sehr gern in Konzerte: „Berlins Kultur- und Orchesterlandschaft ist so vielfältig, dass man immer interessante und hochklassige Konzerte quasi vor der Haustür hat.“ Schon als Kind haben ihn Gustav Mahlers Sinfonien „für den berauschenden Klang eines Orchesters” begeistert. Bis heute ist der Komponist sein Favorit.

Wegen der „harmonischen Möglichkeiten und des wunderbaren Repertoires“ wäre der Geiger auch gerne Pianist. Als großer Sport- und insbesondere Fußballfan hätte er in einem anderen Leben vielleicht seinen Kindheitstraum verwirklicht und wäre Sportreporter geworden.

Johannes liebt auf dem Teller „so ziemlich alles, was die italienische Küche zu bieten hat.“ Ganz oben auf der Liste: Lasagne!

Akademist Johannes Tentschert auf Tournee Mai 26 in Linz

Johannes Tentschert auf der KHO-Frühjahrstournee 2026 vor der Anspielprobe in Linz (c) Reinhard Winkler

Cellistin Yu-Ju Yen stammt aus Taiwan. Als Neuberlinerin ist sie am Wochenende gern in verschiedenen Kiezen unterwegs und entdeckt Cafés. Außerdem versucht sie natürlich, auch am Wochenende etwas zu üben. Yu-Ju kann sich noch erinnern, dass ihr als kleines Mädchen eigentlich das Horn am besten gefallen hätte, aber ihre Mutter überzeugte sie dann, Cello zu lernen: „Vermutlich fand sie, dass ein Blasinstrument in der Familie genug ist – meine ältere Schwester hat nämlich schon Oboe gespielt.”

Johann Sebastian Bach ist gerade der Lieblingskomponist der Cellistin. Auch heute noch wäre das Horn ihre Lieblingsalternative unter den Instrumenten: „Ehrlich gesagt würde ich jedes der Blechblasinstrumente wählen – ein wasserdichtes Instrument ist einfach viel cooler!“

Die Frage, was sie wohl im Leben täte, wenn sie keine Musikerin wäre, hat Yu-Ju in letzter Zeit viel beschäftigt: „Ich würde wohl mein Bestes geben, um einen Medizinstudienplatz zu bekommen und Gynäkologin werden. Oder ich würde eine kleine biologische Gemüsefarm betreiben.“

In einem Streichquartett der Akademie spielt Yu-Ju Yen am Tag der offenen Tür im Oktober 2026 Filmmusik (c) Pablo Castagnola

Außerdem ist der aus China stammende Cellist Xiaotang Xu bereits seit letzter Saison Mitglied der Kurt-Sanderling-Akademie.

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