Haydn day at the Konzerthaus

By Annette Zerpner / Fotos: Sebastian Runge June 8, 2026

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Haydn-Tag im Konzerthaus © Sebastian Runge

Servus Haydn! Der Komponist war kein Wunderkind wie Mozart und nahm nicht wie Beethoven Anteil an den politischen Strömungen seiner Zeit. Doch was er fernab vom Getriebe der Musikwelt als Kapellmeister am Fürstenhof Esterházy schuf, war auf seine Weise ebenso wunderbar wie revolutionär: Er erneuerte die Sinfonie, entwickelte das Streichquartett zu einer ausgereiften Kunstform und schuf zahlreiche originelle Werke voller Witz, Dramatik und Empfindung. Erst gegen Ende seines Lebens sollte der Komponist dafür auch andernorts groß gefeiert werden. Selbst war er sich aber lange schon sicher: „Meine Sprache wird auf der ganzen Welt verstanden.“

Das haben wir am 7. Juni gefeiert – einen ganzen Haydn-Tag lang, bei dem Heiden und Gläubige, Ornithologinnen und Hühnerhalter, Bärliner und Bärlinerinnen, Abendschwärmerinnen und Frühaufsteher, Familienmenschen und Pflastermalerlein, Melangeliebhaberinnen und Einspännerexistenzialisten, Rätselenthusiastinnen und Brieffreunde, Arienanhängerinnen und Kammermusikkennenlerner, Auf-der-Freitreppe-Pause-Macher und Glückspielerinnen am Baccarat-Tisch auf ihre Kosten kamen. Ein Rückblick.

Haydns Nicolaimesse

Den Sonntagmorgen begrüßte Haydns Nicolaimesse in der Sankt Hedwigs-Kathedrale.  Die pastorale „Missa Sancti Nicolai“ für Oboen, Hörner und Streicher von 1772 hat Haydn vermutlich, um den Namenstag von Fürst Nikolaus Esterházy am 6. Dezember zu feiern.

Nicht nur als Musiker, auch als Mensch fasziniere ihn Joseph Haydn, stellte Justin Doyle fest: „Sei es als Hofdiener oder internationaler Superstar, er fühlte sich wohl und konnte Menschen aus allen Gesellschaftsschichten erreichen.“ Und, so der Chefdirigent und Künstlerische Leiter des RIAS Kammerchor, seine Musik bringe ihn oft zum Lächeln – das waren beste Voraussetzungen, um mit seinem Ensemble unseren Haydn-Tag zu umrahmen! 

Zwitschern vor Sonnenaufgang mit Haydn im Quartett

Freude an musikalisch dargestellter Natur in zwei Streichquartetten von Haydn hatte das Publikum der Sonntagsmatinee ebenso wie unsere vier KHO-Mitglieder Petr Mateják (1. Geige), Linda Fichtner (2. Geige), Matthias Gallien (Bratsche) und Nerina Mancini (Cello).

Petr mag das Quartett mit dem Beinamen „Sonnenaufgang“ besonders gern: „Im Zusammenspiel ist es ein schwieriges Stück, man muss es ausführlich vorbereiten und sich genau absprechen. Aber es macht Spaß,das zu proben, denn es lässt sich unterschiedlich interpretieren. Man muss sich einigen. Für Haydns Zeit war es sehr modern. Er hat neue Harmonien und Kompositionstechniken verwendet, und die Erste Geige hat von ihm eine echte Führungsrolle bekommen. Das heißt nicht, dass die anderen Stimmen weniger wichtig sind. Ich habe zwar am meisten zu üben und zu spielen, aber es kommt drauf an, dass das Zusammenspiel gut ausbalanciert ist – mit einem kraftvollen Bass vom Cello.“

„Das Cello ist die Basis“, bestätigt Cellistin Nerina Mancini. „Es ist der große Baum, auf dem die zwitschernden Geigen und die Bratsche sitzen und den Sonnenaufgang begrüßen. Haydn hat zwar Solo-Konzerte für mein Instrument geschrieben, im Quartett geht er aber eher traditionell damit um. Trotzdem gibt es Stellen, in denen ich der Violine antworte.“

Bereits vor „Sonnenaufgang“ wurde gezwitschert: „Beim anderen Werk, dem ‚Vogelquartett‘ liegt in der Natur der Sache, dass sich weniger in der Tiefe abspielt“, erzählt Petr. „Es gibt Stellen im dritten Satz, wo nur meine Geigenkollegin Linda Fichtner und ich spielen. Zwitschern ist keine leichte Arbeit.“ Auf kleinen Vogelpfeifen jubilierten Bratscher und Cellistin an dieser Stelle dann einfach mit.

Im Familienkonzert steppte der Bär

Tiermaske auf und ab in den Großen Saal! Kleine und Große konnten mit dem Konzerthausorchester, Dirigent Friedrich Praetorius und Moderatorin Abak Safaei-Rad entdecken, welches Getier durch Haydns Musik gackert, tiriliert und auf täppischen Tatzen tanzt.

Che bella scena!

Als aus ihrem Zirkus verjagte Clows gewandet waren Studierende der Musikhochschule Hanns Eisler mit Arien, Duetten & Ensembles aus Haydn-Opern für Überraschungsauftrittel im Haus unterwegs und versammelten sich schließlich auf der Suche nach einem neuen Zuhause im Werner-Otto-Saal.

Hausmusik unter Freunden

Unsere Artist in Residence, die Pianistin Alice Sara Ott, hat Haydns Umfeld zu einem Programm mit Kammerorchester inspiriert: „Er wurde von seinen Musikerkollegen und Zeitgenossen liebevoll ‚Papa Haydn‘ genannt. Das war Ausdruck ihrer Zuneigung zu ihm als Mensch und einer Art ‚Vaterfigur‘ sowie ihrer Bewunderung für den Komponisten, dessen Stil nicht nur ihre, sondern auch viele nachfolgende Generationen prägte, die ihn ‚Vater der Sinfonie‘ und ‚Vater des Streichquartetts‘ nennen sollten.“

Im Kleinen Saal erklang mit einem Kammerorchester aus KHO-Mitgliedern eine Hommage an Haydn, Mozart, Pleyel und Carl Philipp Emanuel Bach im Stile von Hausmusik – ein Einblick, so Alice Sara Ott, wie diese Musik daheim unter befreundeten Musikern gespielt wurde.

Lieblingsbeschäftigungen im Salon

Den Bergblick und die ländliche Abgeschiedenheit von Schloss Esterházy, die Joseph Haydn während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu vielen seiner Werke inspiriert haben, konnten wir im Konzerthaus mitten in Berlin leider nicht duplizieren. Aber einigen Beschäftigungen, denen man sich in Haydns Umfeld neben Musik in raren Mußestunden widmete, konnte man bei uns auch nachgehen: Lektüre, Korrespondenz mit fernen Freunden, Gesellschaftsspiele und natürlich Kaffeegenuss!

Wenn alle Messen gesungen sind

1761 wünschte sich Fürst Esterházy vom frisch eingestellten Hofmusiker, (Vize-)Kapellmeister und Hauskomponisten Haydn einen Sinfoniezyklus zu den Tageszeiten – und bekam ihn natürlich: Morgen, Mittag und Abend entfalten sich in drei Sinfonien, die dem Hoforchester Gelegenheit gaben, sein hohes Können zu zeigen.

KHO und Justin Doyle ließen bei uns allerdings nur „Le soir“ erklingen, denn mit dem  RIAS Kammerchor sollte der Tag mit Haydns „Schöpfungsmesse“ beendet werden – im „Gloria“ steckt ein musikalisches Zitat aus dessen berühmtem Oratorium „Die Schöpfung“.

Fotos: Sebastian Runge

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