Chamber music by the Konzerthausorchester

By Michael Horst March 27, 2026

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Inhalt

Konzerthaus Quartett Berlin


Sayako Kusaka  Violine
Johannes Jahnel  Violine
Amalia Aubert  Viola
Felix Nickel  Violoncello

Joseph Haydn (1732-1809)
Streichquartett C-Dur op. 76 Nr. 3 Hob III:77 („Kaiserquartett“)
Allegro
Poco adagio cantabile
Menuett. Allegro
Presto


Leoš Janáček (1852-1928)
Streichquartett Nr. 2 („Intime Briefe“)
Andante – Allegro
Adagio
Moderato
Allegro

 

PAUSE
 

Johannes Brahms (1833-1897)
Streichquartett c-Moll op. 51 Nr. 1
Allegro
Romanze: Poco adagio
Allegro molto moderato e comodo
Allegro

 

Emotionale Kontraste – das ist der rote Faden, der das heutige Streichquartett-Programm durchzieht. Der heiteren Gelassenheit, der Reife eines arrivierten Künstlers wie Joseph Haydn, wie sie sein „Kaiserquartett“ widerspiegelt, steht der Wille, sich in der großen Tradition zu bewähren, gegenüber, wie er bei Johannes Brahms‘ erstem Quartett zu spüren ist. Und dann ist da noch das 2. Streichquartett von Leoš Janáček, das wegen seiner schonungslosen Expressivität von ihm selbst den Beinamen „Intime Briefe“erhalten hat.

Mehr als die Kaiserhymne

Natürlich bezieht Haydns Streichquartett C-Dur op. 76 Nr. 3 seine Berühmtheit – und seinen Beinamen – aus dem langsamen Satz, in dem der Komponist sein eigenes Lied „Gott erhalte Franz den Kaiser“ variiert hat. Es wurde zum Geburtstag von Franz II. im Februar 1797 im Wiener Burgtheater uraufgeführt und erklang mit dem Text Hoffmann von Fallerslebens ab 1922 erstmals auch als deutsche Nationalhymne. Ungewöhnlich an den vier Variationen ist insbesondere, dass die Hymne selbst unangetastet bleibt und nur die Begleitstimmen verändert werden – die Majestät des Kaisers war halt so stark und unantastbar wie ein Cantus firmus!

Doch auch die übrigen Sätze des Quartetts lohnen das genaue Hinhören, zeigen sie doch die souveräne Satzkunst des 65-jährigen Komponisten, der seine übersprudelnden Einfälle mit scheinbar leichter Hand auf die vier Streichinstrumente verteilt. Das markante, rhythmisch pointierte Eingangsthema springt später in die unteren Stimmen, findet sich dann auch im fernen Es-Dur wieder – Haydn benötigt nur kleine Bausteine, um daraus einen ganzen Satz zu formen. Kurios wirken die rustikalen Quint-Bässe in der Durchführung, und auch die Reprise hält mit einer Minikadenz der 1. Violine und einer auskomponierten Fermate noch – wie immer bei Haydn – kleinere Überraschungen bereit. Nach einem eher rustikalen Menuett beginnt das Finale ebenso überraschend mit heftigen Akkordschlägen in c-Moll und einem aufgeregten Wirbel von Triolenketten, der immer mehr an Intensität zunimmt. Erst quasi im (vor)letzten Moment öffnet Haydn die Tür nach C-Dur, und das Quartett klingt kurz und knapp in gelöster Stimmung aus.

„Innige Liebeserklärung, unbändige Sehnsucht“

Auch ohne seine biografischen Hintergründe bleibt das 2. Streichquartett von Leoš Janáček ein Meisterwerk. Doch es liegt mehr als nahe, eine direkte Verbindung zwischen dem Schaffensrausch des Komponisten in den 1920-er Jahren und seiner leidenschaftlichen Zuneigung zu Kamila Stösslová zu sehen, die ihn zu immer neuen Werken inspirierte – von seinen Opern wie „Das schlaue Füchslein“ bis zu diesem Streichquartett kurz vor seinem überraschenden Tod im August 1928. In einem Brief an sie gestand er, „dieses Werk ,Intime Briefe‘“ sei „im Feuer entstanden“ und beschrieb ihr die Musik mit ekstatischen Worten: „Jubel, innige Liebeserklärung, flehentlich, unbändige Sehnsucht“. Dabei mussten die Worte ersetzen, was der Beziehung an erotischer Erfüllung versagt blieb…

In nur vier Wochen hat Janáček das Werk zu Papier gebracht: ein Wechselbad der musikalischen Gefühle, nur mühsam gebändigt durch die Form von vier Sätzen, in denen sich jedoch schnelle und langsame Abschnitte in bunter Reihenfolge abwechseln. Ausdrucksvolle Akkorde, fahle melodische Linien, schneidende Tremoli, kurze dramatische Ausbrüche – alles wird nahtlos aneinander montiert, aber nie thematisch weiterentwickelt. Manche sehnsuchtsvollen Klänge erinnern an Antonin Dvorák, tänzerische Rhythmen weisen auf Janáčeks mährische Heimat hin. Nicht zufällig findet sich immer wieder die Spielanweisung „espressivo“ (ausdrucksvoll): Der Komponist drückt in diesem Quartett mit jeder Note, jeder melodischen oder rhythmischen Geste seine überbordenden, einander widerstrebenden Gefühle für Kamila aus. Die Uraufführung allerdings hat er nicht mehr erlebt; sie fand einen Monat nach seinem Tod in Brünn statt.

Vorwärts unter ständiger Anspannung

Fast 40 Jahre alt musste Johannes Brahms werden, bis endlich sein Ringen um die überaus traditionsbelastete Gattung Streichquartett zu einem greifbaren – und vorzeigbaren – Ergebnis führte. Im Sommer 1873 vollendete er das c-Moll-Quartett op. 51,1; und es lässt von den ersten Takten an die Anspannung spüren, die sich in einem großen Aufschwung entlädt und dann plötzlich wieder in sich zusammensinkt. Dieses Hin und Her beherrscht den ganzen Satz – so wie das punktierte Eingangsmotiv, das immer wieder und in allen Stimmen auftaucht. Brahms komponiert enorm dicht und kontrapunktisch; für zusätzliche Irritationen sorgen die ständigen rhythmischen Verschiebungen, die den vorgegebenen 6/4-Takt nur selten wiedererkennen lassen.

Deutlich ruhiger geht es in der „Romanze“ zu, doch auch hier flicht der Komponist ein überaus dichtes Gewebe, das in der Wiederholung des A-Teils durch zusätzliche Nebenstimmen noch intensiviert wird. Statt des zu erwartenden Scherzos folgt ein versonnenes Allegretto im wenig freundlichen f-Moll, das mit seinen mühevoll voranschreitenden Bewegungen für wenig Erleichterung sorgt. Und das Finale knüpft erst recht dort an, wo auch der erste Satz begonnen hat: mit einem punktierten, im Unisono herausgeschleuderten Motiv, das unerbittlich vorangetrieben wird – nur zwei kleine Inseln der Entschleunigung lässt der Komponist zu. Anders als Haydn verzichtet Brahms am Ende auch darauf, den Satz im lichten C-Dur ausklingen zu lassen. Stattdessen steuert er kompromisslos und mit zugespitztem Tempo auf die harschen Schlussakkorde zu!

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Konzerthaus Quartett Berlin

Sayako Kusaka

Sayako Kusaka wurde in Ashiya (Japan) geboren, studierte in Tokio bei Takashi Shimizu, in den USA bei Eduard Schmieder sowie in Freiburg im Breisgau bei Rainer Kußmaul. Seit 2008 ist sie als Erste Konzertmeisterin Mitglied im Konzerthausorchester. Sie ist Primaria im Konzerthaus Quartett und Künstlerische Leiterin des Konzerthaus Kammerorchesters. Die Geigerin ist Gewinnerin und Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe (darunter Rodolfo-Lipizer-Violinwettbewerb, Papanini-Wettbewerb, Sibelius-Violinwettbewerb, Michelangelo Abbado International Violin Competition, Idemitsu Music Prize). Als Solistin und Kammermusikern konzertiert sie in Europa, Japan und den USA. Seit 2013 ist sie „Special guest“-Konzertmeisterin des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio.

Johannes Jahnel

1979 in Berlin geboren. Fünfjährig erster Violinunterricht. Studium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei Werner Scholz. Mit einem DAAD-Stipendium zwei Jahre Studium an der Indiana University in Bloomington, USA, bei Nelli Shkolnikova und Mauricio Fuks. Seit 2003 Schüler von Michael Erxleben, wiederum an der Berliner Musikhochschule. 1. Preis beim internationalen Concerto Competition 1997 in Interlochen, Michigan. Preisträger des Internationalen Violinwettbewerbs Kloster Schöntal 1999. Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Internationalen Musikakademie in Deutschland e.V. Seit 2005 als Konzertmeister der 2. Violinen Mitglied im Konzerthausorchester Berlin.

Amalia Aubert

Die Schweizerin wurde 1978 in Berlin geboren und studierte in Karlsruhe, Berlin, Boston und Salzburg bei Madeline Prager, Kim Kashkashian und Thomas Riebl. Sie gewann unter anderem den Boris-Pergamenschikow-Preis für Kammermusik und den 1. Preis des Internationalen Max-Rostal Wettbewerbs. Amalia Aubert war Solo-Bratschistin der Camerata Salzburg, im Sinfonieorchester Basel und ist seit 2005 in gleicher Position im Konzerthausorchester Berlin. 2015 erhielt sie den Ruf einer Professur in Rostock und unterrichtet jetzt an der Universität der Künste Berlin. Sie trat auf Kammermusikfestivals in Davos, Verbier, Kronberg und Ravinia auf und ist Mitglied des Konzerthaus Quartetts.

Felix Nickel

1976 in Hamburg geboren. Ausbildung unter anderem bei Bernhard Gmelin (Musikhochschule Hamburg), Hans-Christian Schweiker (Musikhochschule Aachen) und Paul Katz (New England Conservatory, Boston). Mehrfach Erster Bundespreisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ sowie 1998 beim Elise Meyer-Wettbewerb in Hamburg. Meisterkurse bei János Starker, Itzhak Perlman, György Kurtág, Donald Weilerstein und Mitgliedern des Alban-Berg-Quartetts und des Cleveland Quartet. Von 2000 bis 2008 war Felix Nickel Cellist des Kuss Quartetts, mit dem er 2002 den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs sowie den 1. Preis des internationalen Borciani-Wettbewerbs zuerkannt bekam. Seit Januar 2009 ist Felix Nickel Solo-Cellist im Orchester der Komischen Oper Berlin.

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