Akademie für Alte Musik

By Linus Bickmann Dec. 11, 2025

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Inhalt

Mitglieder der akademie für alte musik Berlin

Mayumi Hirasaki Violine
GEORG KALLWEIT Violine
JAN FREIHEIT Violoncello
RAPHAEL ALPERMANN Cembalo und Orgel
MICHAEL FREIMUTH Theorbe
MARGRET KOELL Harfe
 

Marco Uccellini (1610 – 1680)
Sonata quarta a tre „La Trasformata“ aus: „Sonate, arie et correnti“ op. 3 (1642)
 

Johann Kapsberger (1580 – 1651)
Diminution über das Madrigal „Ancidetemi pur grievi martiri“ („Tötet mich nur, grausame Qualen“) von Jacques Arcadelt aus: „Libro terzo di intavolatura di chitarrone“ (1626)
 

Marco Uccellini 
Sonata seconda „Luciminia contenta” aus: „Sonate, correnti et arie da camera e da chiesa“ op. 4 (1645)
 

Bernardo Storace (1637 – 1704)
Passacaglia a-Moll aus: „Selva di varie compositioni d'intavolatura per cimbalo ed organo“ (1664)
 

Biagio Marini (1596 – 1663)
Sonata quarta aus: „Sonate, symphonie, canzoni, passe'mezzi, baletti, corenti, gagliarde e retornelli“ op. 8 (1626)
 

Arcangelo Corelli (1653 – 1713)    
Sonata a tre A-Dur Nr.12 aus: „Sonate a trè; doi Violini e Violone, ò Arciliuto, col Basso per l'Organo“ op. 3 (1689)
Grave – Allegro – Adagio – Allegro - Adagio
Vivace
Allegro
Allegro
Allegro

 

- Pause -
 

Giuseppe Antonio Avitrano (ca. 1670 – 1756)
Sonata a tre e-Moll Nr. 3 aus „Sonate a tre, due violini, e violone col basso per l’organo“ op. 1 (1697)
Adagio
Allegro
Adagio
Presto

 

Arcangelo Corelli 
Sonata a tre C-Dur Nr. 8 aus: „Sonate a trè; doi Violini e Violone, ò Arciliuto, col Basso per l'Organo“ op. 3 (1689)
Largo
Allegro
Largo
Allegro


Preludio und Allemanda aus der Sonata a tre e-Moll Nr. 8 aus: „Sonate a Violino e Violone ò Cimbalo“ op. 5 (1700)
 

Nicola Porpora (1686 – 1768)
Sinfonia da camera D-Dur Nr. 4 aus: „6 Sinfonie da camera a tre istromenti“ op. 2 (1736)
Adagio
Allegro
Adagio
Allegro

 

Arcangelo Corelli    
Ciaccona aus der Sonata a tre G-Dur Nr.12 aus: „Sonate a trè, doi Violini e Violone, ò Cembalo“ op. 2 (1685)                


 

Triosonaten all’italiana

Im 17. Jahrhundert setzte in der italienischen Instrumentalmusik ein langer kreativer Aufbruch ein. Komponisten wie Marco Uccellini und Biagio Marini schrieben eine zuvor unerhörte Musik, die von emotionalen Stimmungswechseln geprägt und gleichermaßen reich an Virtuosität wie Intimität war. Ihre oftmals im sogenannten stylus phantasticus geschriebenen Sonaten sind klingende Zeugnisse einer neuen künstlerischen Freiheit. Sie sind Teil des heutigen Streifzugs durch die Klangwelt der italienischen Kammermusik, der bis ins 18. Jahrhundert führt.
Ohrenfällig wird, dass Arcangelo Corellis Triosonaten dank ihrer erlesenen Eleganz zu Meilensteinen der Gattungsbildung wurden. Uccellinis Sonata a tre ‚La Trasformata‘ vereint bereits viele der Komponenten, die auch die spätere, mehrsätzige Triosonate prägten: kurze motivische Imitationen, Passsagen in parallelen Terzen sowie ausdrucksvoll kostrastrierende Abschnitte – hier jedoch noch an der Schwelle zur Dur-Moll-Tonalität.

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Die Geburt einer neuen Instrumentalmusik

Als Affetti musicali bezeichnete Marini eine seiner ersten Sonatensammlungen. Hinter diesen programmatischen Worten stand nichts weniger als ein neuer Blick auf die Tonkunst: Nicht allein der Gesang, sondern nunmehr auch die Instrumentalmusik eigne sich zum Ausdruck vielfältigster Gefühle (affetti). Zu den aufregendsten Zeugnissen dieser frühbarocken Experimentierfreude zählt die Sonata quarta aus Marinis Op. 8. Expressive Gesten sowie Tempo- und Metrumwechsel lassen sie nahezu wie improvisiert wirken. Zudem erschloss der Komponist darin der Violine weitere Klangräume durch anspruchsvolle Doppelgriffe.

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Kreative Repertoirebildung

Der klangliche Horizont des Barock kannte keine Grenzen. Auch durch Aufführungen und Adaptionen von Werken mittels wechselnder Instrumentalfarben wurden neue Ausdrucksbereiche erschlossen. So z.B. durch das Verfahren der Intavolierung, der Übertragung polyphoner Vokalmusik auf Tasten- oder Lauteninstrumente. Zu diesem Repertoire zählt die Adaption des Madrigals Ancidetemi pur von Jacques Arcadelt durch Johann Hieronymus Kapsberger. In der kunstvoll ausgezierten Umschrift des seiner Zeit hoch gerühmten ‘Tedesco della tiorba’ tritt das Ausgangswerk hinter der Übertragung soweit zurück, dass man bereits eine freie Komposition zu hören meint.
Auch die Harfe war seit jeher dazu geeignet, mehrstimmige Musik mit improvisierten Figurationen darzustellen, wie z.B. die Passacaglia in a-Moll von Bernardo Storace, die bei ihrer Publikation 1664 ursprünglich für ein Tasteninstrument bestimmt war. Im 18. Jahrhundert fanden rasch zahlreiche Übertragungen von Werken Corellis Eingang in das Harfenrepertoire. Angelehnt an diese Praxis ist das Satzdoppel von Preludio und Allemanda aus seinem Op. 5 im heutigen Konzert im reizvollen Klanggewand von Harfe und Theorbe zu hören.

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Eine neue Ära

Die große Verbreitung der Werke Corellis auch in Bearbeitungen belegt, wie epochemachend seine Musik wurde. Seine insgesamt vier Sammlungen mit Triosonaten, zwischen 1681 und 1694 erschienen, nahmen Modellcharakter für die Gattung an. Der Großmeister des römischen Barock vereinte in Werken wie der Kirchensonate in C-Dur Schönheit der Melodie und Erhabenheit des Ausdrucks auf unnachahmliche Weise. Doch erstarrten seine Werke niemals im Wohlklang. Zu den bestechenden Einfällen des Komponisten zählt etwa das Aufgreifen des virtuosen Orgeltoccata-Stils am Beginn der letzten Sonate aus Op. 3 oder deren beschließende Fuge, die gelehrten Kontrapunkt mit graziösem Ausdruck zu verbinden weiß.

Der Schlusssatz von Op. 2 wird dagegen von einem betörenden Variationssatz, einer Ciaccona, bekrönt. In dieser Sammlung widmete sich Corelli ganz dem Typus der sonata da camera, für die das Aufgreifen von Tanzsätzen charakteristisch ist.

Wie groß der Vorbildcharakter der Werke Corellis war, zeigt die Vielzahl der Komponisten, die in der Nachfolge mit Sammlungen von Triosonaten debütierten, darunter Antonio Vivaldi, Tomaso Albinoni, Antonio Caldara und der Neapolitaner Giuseppe Antonio Avitrano. Die von ihm überlieferten Werke zählen zu den noch wenig bekannten Schätzen der süditalienischen Barockmusik, in welcher die Vokalmusik traditionell dominierte. Zur Popularität verhalf Avitrano in seiner Zeit auch der sonata a quattro, in der die Triosonate um eine dritte Violinstimme und damit zum Quartetto erweitert wurde.
Ein weiterer Neapolitaner, Nicola Porpora, wird heute primär als Opernkomponist und Gesangslehrer erinnert, der die italienische Vokalkunst zu neuen Höhen führte. Dass sich der 1736 auch auf Londoner Theaterbühnen gefeierte Komponist mit seinen galanten sinfonie da camera nun erstmalig auch der Kammermusik für drei Stimmen zuwandte, zeigt, dass die Gattung der Triosonate auch für den inzwischen 50-Jährigen zu einem Prüfstein künstlerischer Reife werden konnte.

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Musik von Weltrang

Anziehungs- wie Ausbreitungskraft der Werke Corellis waren im 18. Jahrhundert so enorm, dass der Römer wohl als einer der ersten weltweit gespielten Komponisten zu gelten hat. Früh gelangte seine Musik durch den italienischen Missionar und Cembalisten Teodorico Pedrini sogar bis an den Hof des chinesischen Kaisers Kangxi (1654-1722). Musikdrucke seiner Sonaten reisten zudem auf den Schiffen der Britischen Ostindien-Kompanie bis nach Kalkutta. Eine besondere musikalische Huldigung sollte François Couperin dem bewunderten Vorbild mit seiner Grande Sonate en Trio Le Parnasse ou L’Apothéose de Corelli erweisen. Darin imaginierte er auf fantasievolle Weise Corellis Reise auf den Parnass, wo dieser neben dem Gott Apollo seinen Sitz unter den Göttern einnimmt. Diesen herausragenden Platz in der Musikgeschichte hat Corelli – berechtigterweise – bis heute nicht verlassen.

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Akademie für Alte Musik Berlin

1982 in Berlin gegründet, gehört die Akademie für Alte Musik Berlin (kurz „Akamus“) heute zur Weltspitze der historisch informiert spielenden Kammerorchester.

Seit mehr als vier Jahrzehnten beweist das Orchester immer wieder seine Wandlungsfähigkeit mit aufregenden Konzertprojekten und musikalischen Entdeckungsreisen. So leistete Akamus Wesentliches für die Wiederentdeckung der Musik Carl Philipp Emanuel Bachs und Georg Philipp Telemanns. Im Kulturleben seiner Heimatstadt Berlin ist Akamus ein zentraler Pfeiler. Seit über 35 Jahren gestaltet das Orchester eine Abonnement-Reihe im Konzerthaus Berlin, seit 1994 widmet es sich an der Berliner Staatoper regelmäßig der Barockoper. Mit dem RIAS Kammerchor besteht seit mehr als 30 Jahren eine kontinuierliche und erfolgreiche Zusammenarbeit. Zugleich sind die Musikerinnen und Musiker ständiger und vielgefragter Gast auf den wichtigsten europäischen und internationalen Konzertpodien.

Das Ensemble musiziert unter der wechselnden Leitung seiner Konzertmeister Bernhard Forck und Georg Kallweit, seiner Konzertmeisterin Mayumi Hirasaki sowie ausgewählter Dirigenten und Dirigentinnen. Besonders mit René Jacobs verbindet das Ensemble eine enge und langjährige künstlerische Partnerschaft. Darüber hinaus leiteten in jüngster Zeit Emmanuelle Haim, Bernard Labadie, Paul Agnew, Diego Fasolis, Fabio Biondi, Rinaldo Alessandrini, Christophe Rousset und Francesco Corti das Orchester. Regelmäßig arbeitet Akamus mit international renommierten Solisten wie Isabelle Faust, Kit Armstrong, Alexander Melnikov, Anna Prohaska und Carlo Vistoli zusammen. Gemeinsam mit der Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests entstand die Erfolgsproduktion von Henry Purcells „Dido & Aeneas“, die weltweit eine Vielzahl an Aufführungen von Berlin bis Sydney erlebte. Aufnahmen des Ensembles wurden mit allen bedeutenden Schallplattenpreisen ausgezeichnet, darunter der Grammy Award, Diapason d’Or, Gramophone Award, Choc de l‘année sowie der Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. 2006 erhielt das Orchester den Telemann-Preis der Stadt Magdeburg, 2014 die Bach-Medaille der Stadt Leipzig.

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