13.00 Uhr
Rundgang
Zwischen Euphrat und Tigris liegt eine der ältesten Musiklandschaften der Welt, die gemeinsames Erbe ebenso wie die Pflege lebendiger Tradition verbindet. In der zweiten Ausgabe unserer Reihe Aşina bringen Kemençe-Spieler Derya Türkan und sein Ensemble in Form überlieferter Melodien und Improvisationen „The Sounds of Mesopotamia“ in den Kleinen Saal. Wir haben ihn dazu befragt.
Die Region Mesopotamien erstreckt sich über ein sehr weitläufiges geografisches Gebiet. Diese Region ist außerdem multikulturell, und gerade das macht sie so außergewöhnlich reichhaltig. Viele antike Zivilisationen haben in dieser Region geblüht und die menschliche Zivilisation bereichert. Das förderte natürlich die Entwicklung der Musik und führte zur Entstehung eines umfangreichen musikalischen Repertoires innerhalb der Volkskultur.
In diesem Projekt möchte ich Beispiele für alle Volksmusiktraditionen vorstellen, die insbesondere in dieser Region ihre Blütezeit erlebt haben. Ich freue mich daher sehr über die Gelegenheit, jeden dieser kulturellen Schätze zu präsentieren. Ich plane, das Programm mit einer hurritischen Hymne aus vorchristlicher Zeit zu beginnen, wobei die folgenden Stücke die Entwicklung dieser Traditionen widerspiegeln sollen.
Die mesopotamische Kultur hat ja bekanntermaßen nicht nur die Ursprungsregion, sondern auch Europa beeinflusst. Die modale Musik entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter, und die charakteristischen Töne des modalen Systems verstärkten ihre Ausdruckskraft. Die europäische Musik wiederum hat diesen Einfluss in ihren eigenen kulturellen Kontext integriert und damit ihre musikalische Tradition bereichert. So findet sich beispielsweise die in Mesopotamien verwendete diatonische Sieben-Ton-Tonleiter – wenn auch nicht in exakt derselben Form – in der modernen Musik wieder.
Ja, ich hatte das Glück, in eine Musikerfamilie hineingeboren zu werden. Das ist zwar einerseits einfach, andererseits aber auch sehr schwierig. Einfach ist es, weil ich schon von Kindesbeinen an viele bedeutende Musiker kannte. Als ich jedoch schließlich ihr Schüler wurde, stellte mich die künstlerische Tiefe und der damit verbundene Schwierigkeitsgrad vor große Herausforderungen. Die Istanbuler Kemenche trat in mein Leben, als ich 11 Jahre alt war; es war ein Instrument, dessen Klang ich schon zuvor gehört hatte, dessen Tiefe mir jedoch noch nicht bewusst war. Erst als ich meinem Meister zuhörte und die Ehre hatte, sein Schüler zu werden, verstand ich es wirklich, und es wurde ein Teil von mir. Denn in Wahrheit habe ich mich in den Klang verliebt, den mein Meister erschuf.