Konzerthaus Kammerorchester

By Leah Biebert Nov. 9, 2023

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Inhalt

Konzerthaus Kammerorchester
Sayako Kusaka Leitung
Szilvia Pápai Oboe
Helge von Niswandt Posaune

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

Divertimento B-Dur KV 137
Andante
Allegro di molto
Allegro assai

 

Ludwig August Lebrun (1752 – 1790)

Konzert für Oboe und Orchester Nr. 1 d-Moll
Allegro
Grazioso
Allegro


PAUSE
 

Georg Christoph Wagenseil (1715 – 1777)

Konzert für Posaune und Orchester Es-Dur
Adagio
Allegro assai

 

Joseph Haydn (1732 – 1809)

Sinfonie Nr. 45 fis-Moll Hob I:45
Allegro assai
Adagio
Menuetto. Allegretto
Finale. Presto – Adagio

Von Komponisten und ihren Gönnern

Im Dienst der Habsburger: Wagenseil in Wien

Als Georg Christoph Wagenseil eine Anstellung am Habsburger Hof erhält, eilt der Ruf der Wiener Hofkapelle schon weit über die Grenzen des Reichs hinaus. Im Jahr 1739 ist die Stadt der politische und kulturelle Mittelpunkt Europas, die Habsburger stecken viel Geld in die Förderung der Künste. Und so wird Wagenseil nicht nur mit der Ausbildung des kaiserlichen Nachwuchses betraut; Fürstin Maria Theresia – einst selbst seine Schülerin – unterstützt auch seine Laufbahn als Komponist. Er reist nach Italien, schreibt Stücke fürs Musiktheater. Bald werden seine Werke in Mailand, London und Paris gedruckt.

Im Jahr 1762 gastiert die Musikerfamilie Mozart in Wien. Auf Wunsch von Maria Theresia soll der sechsjährige Wolfgang im Schloss Schönbrunn konzertieren. Das Kaiserpaar ist begeistert vom flinken Klavierspiel des Kindes, das selbstbewusst nach Wagenseil verlangt: „Ich spiele ein Konzert von Ihnen. Sie müssen mir umwenden.“

Wagenseil gilt damals als bester Repräsentant der österreichischen Musik, schon früh studiert Mozart seine Werke. Der Einfluss des Hofkomponisten auf den jungen Musiker, auf die Wiener Klassik überhaupt, ist enorm: Prägnante Themen durchziehen seine Konzerte, die vor Lebendigkeit sprühen. Seine Sinfonien: humorvoll, ähnlich denen des jungen Haydn, aber auch sinnlich und kantabel. Außerdem hat Wagenseil eine Vorliebe für ausgefallene, bisweilen solistische Besetzungen.

Die Mannheimer Schule: Komponieren in der Residenzstadt

Doch Wien ist nicht die einzige Stadt, in der das kulturelle Leben floriert. Auch die Residenzstadt Mannheim erlebt Mitte des 18. Jahrhunderts ihre goldene Ära. Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz entpuppt sich als großzügiger Mäzen: Er lässt die Hofkapelle reformieren und zu einem Elite-Ensemble erziehen, das herausragende Musizierende aus ganz Europa vereint. Diesem Kreis gehört auch Ludwig August Lebrun an.

Lebrun ist nicht nur ein gefeierter Oboenvirtuose, er komponiert auch: Fünfzehn Bläserkonzerte sind von ihm überliefert. Eng verflochten sind bei ihm Orchesterspiel und kompositorische Erfindung; dynamische Kontraste treffen auf engstem Raum aufeinander. Darunter mischen sich französische Nuancen, die Lebrun von seinen Reisen mitbringt.

In keinem anderen Orchester gibt es damals mehr Virtuosen, die zugleich bedeutende Komponisten sind. Mit ihren Stücken – reich an motivischen Ideen, Seufzerfiguren und überraschenden Pausen – setzen die Mannheimer neue Maßstäbe, die auch Mozart faszinieren.

Mozart in Salzburg: Angespannte (Dienst-)Verhältnisse

Im Jahr 1772 erhält dieser einen Job als Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle. Sein neuer Arbeitgeber, Fürsterzbischof Colloredo, ist ein fortschrittlicher Denker von kühler Rationalität. Für seine abendlichen Konzerte wünscht er sich Musiken, die „kürzer als gewöhnlich seien“. Und so schreibt Mozart – er ist gerade von seiner zweiten Italienreise zurückgekehrt – drei Divertimenti im neuesten italienischen Stil, mit virtuosem Streichersatz, ganz im Sinne der Salzburger Vorlieben. Er gestaltet ein entzückendes Cantabile, spielt mit den überraschenden Kontrasten von Piano und Forte, komponiert ein rauschendes Hauptthema.

Mozart gibt sich Mühe, seinen Arbeitgeber zu beeindrucken. Doch das Verhältnis zwischen den beiden ist angespannt, denn Colloredo verwehrt Mozart die ausschweifenden Reisen durch Europa. „Er wird für die Arbeit am Hof bezahlt“, so die Haltung des Erzbischofs, „und nicht für Reisen nach Paris und Italien.“ Fünf Jahre hält Mozart durch, dann reicht er sein Abschiedsgesuch ein.

Hofmusik in der Provinz: Haydn bei den Esterházys

Während Mozart in Salzburg komponiert, werkelt Joseph Haydn bereits an seiner 45. Sinfonie. Seit zehn Jahren arbeitet er als Kapellmeister für die Esterházys, der wichtigsten Magnatenfamilie Ungarns, die – wie die Mannheimer – bekannt ist für ihr herausragendes Orchester.

Den Sommer 1772 verbringt der Hof im prunkvollen, abseits gelegenen Landschloss. Dem Fürsten gefällt es dort so gut, dass er beschließt, die Sommerfrische zu verlängern. Doch die Musiker sehnen sich nach ihren Familien, möchten nach Hause. Haydn komponiert ihnen eine Sinfonie, an deren Ende die Musiker nacheinander ihre Noten zusammenpacken, das Licht löschen und, die Instrumente unter dem Arm, von der Bühne abgehen.

Für solche Scherze ist Haydn bekannt. Die 45. Sinfonie ist seine ungewöhnlichste, einmalig mit ihrer extremen Musik, die mürrisch beginnt und sich zu äußerster Dramatik steigert. Zudem ist Haydn ein warmherziger Mensch und ein neugieriger Innovator. Seinen Durchbruch erlebt er erst spät, im England der 1790er Jahre. Dort gilt der Österreicher von Anfang an als bedeutendster Komponist seiner Zeit. Und sein Einfluss auf die Musikgeschichte ist groß: Jede Sinfonie, jede Sonate, jedes Streichquartett folgt seinem Vorbild. Indem Haydn diese Gattungen weiterentwickelt, macht er sogar der Oper die Vorrangstellung streitig.

Konzerthaus Kammerorchester

Konzerthaus Kammerorchester

Das 2009 von Musikern des Konzerthauses gegründete Konzerthaus Kammerorchester besteht fast ausschließlich aus Mitgliedern des Konzerthausorchesters Berlin und kommt ohne Dirigenten aus. Der demokratisch organisierte Klangkörper hat einen festen Platz in der Konzertsaison des Hauses und tritt wiederholt auf internationalen Podien in Erscheinung. So führten mehrere Konzertreisen das Ensemble beispielsweise in die Türkei, nach Holland und nach Japan.

Mehrere CD-Einspielungen sind erschienen, darunter mit dem Geiger Daniel Hope aus der Reihe „Recomposed by Max Richter“ die „Vier Jahreszeiten“ nach Antonio Vivaldi, ausgezeichnet mit dem „Echo Klassik“ 2013. Das Repertoire konzentriert sich hauptsächlich auf Werke für Streichorchester, aber auch auf Bearbeitungen von großen Kammermusikwerken wie zum Beispiel Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ in der Bearbeitung von Gustav Mahler. Auch sinfonische Werke mit kleinerer Bläserbesetzung oder Solokonzerte mit Solisten wie Julian Steckel, Ning Feng oder Matthias Kirschnereit gehören zum Programm.

Sayako Kusaka

Sayako Kusaka wurde in Ashiya (Japan) geboren, studierte in Tokio bei Takashi Shimizu, in den USA bei Eduard Schmieder sowie in Freiburg im Breisgau bei Rainer Kußmaul. Seit 2008 ist sie als Erste Konzertmeisterin Mitglied im Konzerthausorchester. Sie ist Primaria im Konzerthaus Quartett und Künstlerische Leiterin des Konzerthaus Kammerorchesters. Die Geigerin ist Gewinnerin und Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe (darunter Rodolfo-Lipizer-Violinwettbewerb, Papanini-Wettbewerb, Sibelius-Violinwettbewerb, Michelangelo Abbado International Violin Competition, Idemitsu Music Prize). Als Solistin und Kammermusikern konzertiert sie in Europa, Japan und den USA. Seit 2013 ist sie „Special guest“-Konzertmeisterin des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio.

Szilvia Pápai

stammt aus Ungarn und studierte an der Ferenc Liszt Musik Akademie in Budapest. Seit 2000 ist sie Solo-Oboistin des Konzerthausorchesters Berlin, außerdem spielt sie im Konzerthaus Kammerorchester. Die Preisträgerin internationaler Kammermusikwettbewerbe war Mitglied des Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer und des Gustav Mahler Jugendorchesters unter Leitung von Claudio Abbado. Vor ihrem Eintritt ins Konzerthausorchester war sie Stipendiatin der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker.

Helge von Niswandt

wurde im baden-württembergischen Sindelfingen geboren. Er studierte in Trossingen bei Abbie Conant, in London bei Eric Crees und Simon Wills sowie bei Jonas Bylund in Hannover. 2001 trat der Solo-Posaunist ins Konzerthausorchester Berlin ein. Er spielt auch im Konzerthaus Kammerorchester und bei Konzerthaus Brass.

Er war Stipendiat des Deutschen Musikwettbewerbs. Neben seiner Tätigkeit im Orchester ist Helge von Niswandt Mitglied im Ensemble Ambrassador. Nach langjähriger Lehrtätigkeit an der Musikhochschule Leizpig unterrichtet er seit 2016 an der Berliner Universität der Künste.

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