13.00 Uhr
Rundgang
Der französische Staroboist und Dirigent ist zurück – und beantwortet unsere Fragen mit demselben Charme und Temperament, mit dem er am kommenden Wochenende das KHO mit Dvořák, Mozart & Hummel leitet.
Ich freue mich sehr darauf, in diesem wunderschönen Saal wieder das Konzerthausorchester zu dirigieren und mit ihm zu musizieren – und ganz besonders auf die „Legenden“ von Dvořák, die nicht so oft zu hören sind. Es sind kleine, total schön orchestrierte Stücke mit vielen verschiedenen Charakteren. Für alle gibt es viel zu tun und sie sind sehr heikel, aber die Stimmung ist super, weil es für uns ein toller „Showcase“ ist und eine großartige Weise, sich kennenzulernen. Dvořák hat die „Legenden“ 1881 für Klavier zu vier Händen geschriebe. Sie waren so erfolgreich, dass er sie nicht mal ein Jahr später orchestriert hat. Brahms hat sie sehr gelobt – sie erinnern ein bisschen an seine „Ungarischen Tänze“.
Vor genau 35 Jahren! Ich war 19 und hatte gerade den ARD-Wettbewerb gewonnen. Die damalige Wettbewerbspräsidentin Renate Ronnefeldt besaß ein feines Gespür und sagte: „Sie sind der geborene Dirigent – ich wette mit Ihnen, dass Sie spätestens in 10 Jahren Orchester leiten werden!“ Nach meinen Konzerten habe ich oft gehört: „Kommen Sie wieder und dirigieren Sie!“ Als ich 25 war, habe ich tatsächlich damit begonnen. Ich wurde Generalmusikdirektor des Kammerorchesters Ensemble del Arte in Neuburg an der Donau.
Aber ich habe eine wunderbare Frau, die Geigerin Lisa Batiashvili, die eine große Karriere hat, und wir haben zwei Kinder. Als Dirigent hat man wenig Zeit, also habe ich mich lange darauf konzentriert, Solist zu sein und nur ein bisschen zu dirigieren. Ich wollte nicht übertreiben. Jetzte sind die Kinder groß, und es blüht auf (lacht).
Es ist mir sehr wichtig, drei Fehler zu vermeiden, die man als Dirigent machen kann. Der erste wäre, das Orchester nicht genug spielen zu lassen. Wenn man das nicht beherzigt, kann man nicht erwarten, dass es gut spielt. Es muss warm werden, in ein Stück hineinwachsen und selbst bei einem bekannten Werk erst wieder in die Sprache des Komponisten eintauchen. Jede Komposition ist wie ein Gemälde mit verschiedenen Farbtemperaturen, Tiefen und Ausmaßen, die das Orchester erkunden muss.
Der zweite Fehler, den man als Dirigent machen kann: Bei der ersten Probe zuviel zu sprechen und sofort zu sehr ins Detail zu gehen. Man muss erst das Gerüst geben, also Charakter, Artikulation und Dynamik.
Als drittes sollte man es nicht an Respekt vor den Orchestermusikerinnen und -musikern mangeln lassen, denn es ist einer der schwersten Jobs, den ich kenne. Man sollte ihnen als Dirigent ein bisschen Platz lassen, denn sie merken oft selbst, wenn etwas nicht richtig war. Deshalb ist es gut, in der Probe einfach noch einmal zurückzugehen und erst beim zweiten Mal etwas zu sagen, falls das nötig ist.