Vogler Quartet

By Karen Allihn Oct. 17, 2026

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Inhalt

Vogler Quartett
   Tim Vogler  Violine
   Frank Reinecke  Violine
   Stefan Fehlandt  Viola
   Stephan Forck  Violoncello
Gordon Kwan Hon Lau Viola 

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Streichquintett A-Dur op. 18

Allegro con moto
Intermezzo. Andante sostenuto
Scherzo. Allegro di molto
Allegro vivace


Dmitri Schostakowitsch (1906–1975)
Streichquartett f-Moll op. 122

Introduktion. Andantino  
Scherzo. Allegretto 
Rezitativ. Adagio 
Etüde. Allegro 
Humoreske. Allegro 
Elegie. Adagio 
Finale. Moderato


PAUSE


Johannes Brahms (1833–1897)
Streichquintett G-Dur op. 111

Allegro non troppo, ma con brio
Adagio
Un poco allegretto
Vivace ma non troppo presto

 

1825 erwarben die Eltern des damals 16 Jahre alten Felix Mendelssohn Bartholdy an der Leipziger Straße 3 das sogenannte Reck’sche Palais. Zu dem repräsentativen Berliner Anwesen – benannt nach seinem Vorbesitzer, einem preußischen Kammerherrn – gehörte auch ein parkähnlicher Garten mit einem zusätzlichen Haus, in dem der junge Komponist und auch seine Schwester Fanny allein oder gemeinsam mit anderen Musikern sonntags öffentlich musizierten und neue Werke vorstellten. Von Fannys Sohn Sebastian ist eine Zeichnung dieses Gartenhauses überliefert: Es zeigt einen von dorischen Säulen flankierten Eingang, zu dem vier Stufen emporführen, und hohe Sprossenfenster unter einem spitz aufragenden Walmdach.

Hier wurde 1826 das Streichquintett A-Dur op. 18 uraufgeführt. In der Tradition Mozarts und Beethovens hatte Mendelssohn das traditionelle Streichquartett um eine Viola erweitert – mit dem Ergebnis einer dunkleren Färbung sowie einer größeren Klangfülle. Acht Jahre später hat er dieses Werk dann gründlich überarbeitet. Den Anstoß dazu gab die Nachricht vom frühen Tod seines Jugendfreundes sowie Geigen- und Bratschenlehrers Eduard Rietz, der regelmäßig bei den Sonntagsmusiken mitgewirkt hatte.

Quasi als musikalischen Nachruf schrieb Mendelssohn 1832 – am Ende seiner großen Bildungsreise nach England und Schottland gerade in Paris angekommen – einen langsamen Satz für Streichquintett. Dieses Intermezzo beginnt als Lied ohne Worte, steigert sich zu einer anrührenden Totenklage und ist mit seinen vergleichsweise kühnen Modulationen, dramatischen Steigerungen und stockenden Seufzermotiven einer der Höhepunkte seines A-Dur-Quintetts. Denn er integrierte diesen Satz in sein Werk und nahm dafür das ursprüngliche Menuett in fis-Moll heraus. Das zunächst an zweiter Stelle stehende Scherzo wiederum rückte eine Stelle nach hinten.

Während dieses Streichquintett heute, 200 Jahre nach seiner Entstehung, im Konzertsaal „lebt“, ist der Ort seiner Uraufführung verschwunden: Dort steht jetzt das Preußische Herrenhaus, in dem der Bundesrat residiert.

LEBENSMOTTO UND TODESSYMBOL

Auch die Entstehung von Dmitri Schostakowitschs f-Moll-Streichquartett op. 122 ist eng mit einer Todesnachricht verbunden. Im August 1965 starb sein Jugendfreund, der Geiger, Komponist, Pädagoge und Dirigent Wassili Schirinski, der an der Uraufführung fast aller seiner Streichquartette beteiligt gewesen war. Als langjähriger zweiter Geiger des berühmten, 1923 als Moskauer Konservatoriumsquartett gegründeten Beethoven-Quartetts hatte er fast alle bis dahin entstandenen Streichquartette Schostakowitschs (Nr. 2 bis 10) aus der Taufe gehoben. Außerdem hatte Schirinski die ersten zehn Streichquartette von Schostakowitsch herausgegeben.

Und doch ist das eigenwillige 11. Streichquartett, dessen sieben kurze Sätze ohne Pause attacca ineinander übergehen, weniger eine Trauermusik als eine Huldigung des vielseitigen Freundes. In der Introduktion werden zwei Grundmotive etabliert, die in allen folgenden Sätzen wiederkehren: eine fließende Violinfigur als Lebens-Motto und ein schroffes, sich streng wiederholendes Motiv im Violoncello als Symbol für den Tod, dem niemand entrinnen kann. Der zentrale Satz des Quartetts, in dem fast alle tonalen Bindungen aufgehoben sind, ist die Etüde, ein Gleichnis für Freiheit und Lebendigkeit. Im Finale werden alle vorangegangenen Ereignisse wie in einem Brennspiegel zusammengefasst. Das Schirinski gewidmete Quartett wurde am 25. März 1966 in Moskau uraufgeführt.

Ein vorgezogener Abschied

Auch das zum Abschluss des heutigen Kammermusikabends erklingende Streichquintett op. 111 von Johannes Brahms verdankt seine Entstehung der Endlichkeit menschlichen Daseins. Doch trauerte Brahms nicht um einen Freund, sondern hielt sein eigenes Leben für so gut wie beendet. „Mit diesem Brief können Sie sich von meiner Musik verabschieden, denn es ist sicherlich Zeit zu gehen“, schrieb er im Dezember 1890 an seinen Verleger Fritz Simrock, als er ihm das in Bad Ischl entstandene G-Dur-Werk zur Veröffentlichung sandte. 57 Jahre alt war er damals und hielt sein kompositorisches Werk für abgeschlossen. Dennoch hat er in den folgenden Jahren noch ein beeindruckendes Spätwerk geschaffen, mit u.a. zwei Viola- und zwei Klarinettensonaten.

Anders, als Brahms’ vorgezogene Abschiedsworte an Simrock vermuten lassen, ist sein G-Dur-Streichquintett kein grundsätzlich trauriges Werk. Zwar gibt es Momente von Resignation und ein Adagio, in dem die Musik fast stehenbleibt und das Brahms nach eigenen Worten „vielleicht der liebste Satz“ war. Dann wieder führen extreme Lagen, Tremoli und Akkorde weit über kammermusikalische Intimität hinaus. Im weiteren Verlauf gibt es heitere und zupackende Passagen, die einen regelrecht orchestralen Eindruck hinterlassen. Ein übermütiger ungarischer Csárdás übernimmt im Finale die Rolle des Rausschmeißers. Bei der Uraufführung am 11. November 1890 in Wien wurde das Werk enthusiastisch gefeiert, wie Brahms notierte: „Das ausverkaufte Haus jubelte jedem der Sätze zu.“

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Das Ensemble, das seit 1985 in unveränderter Besetzung spielt, wurde bereits ein Jahr nach seiner Gründung an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin mit dem Ersten Preis beim Streichquartettwettbewerb in Evian 1986 international bekannt. Eberhard Feltz, György Kurtág und das LaSalle Quartett wurden zu seinen prägenden Mentoren. Sein umfangreiches Repertoire reicht von Haydn über Bartók und die Zweite Wiener Schule bis zu Neuer Musik. Regelmäßig arbeitet das Vogler Quartett mit Künstlern wie Jörg Widmann, David Orlowsky, Salome Kammer, Jochen Kowalski, Tatjana Masurenko oder Oliver Triendl zusammen. In der Vergangenheit konzertierte es unter anderem auch mit Lynn Harrell, James Levine, Bernard Greenhouse, Boris Pergamenschikow und Menahem Pressler.

In den europäischen Musikzentren fühlen sich die vier Musiker ebenso zu Hause wie in den USA, Japan, Australien und Neuseeland. Seit 1993 veranstaltet das Vogler Quartett im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt eine eigene Konzertreihe, seit 2000 ebenfalls in Neubrandenburg. 2000 gründete das Ensemble das jährlich stattfindende Kammermusikfestival „Musik in Drumcliffe“ im irischen Sligo und übernahm 2002 die künstlerische Leitung der Kammermusiktage Homburg (Saar). Die Mitglieder des Vogler Quartetts unterrichten an den Hochschulen in Berlin, Frankfurt, Leipzig und Stuttgart und geben Meisterkurse im In- und Ausland. Als Nachfolger des Melos-Quartetts hatte das Vogler Quartett die Professur für Kammermusik an der Musikhochschule in Stuttgart inne. Im Bereich der Musikvermittlung ist es bei „Musik in Drumcliffe“ und seit 2005 auch bei den Nordhessischen Kindermusiktagen tätig.

Anlässlich des 30-jährigen Quartettjubiläums erschien 2015 im Berenberg Verlag das Buch „Eine Welt auf sechzehn Saiten – Gespräche mit dem Vogler Quartett“. Die Diskographie des Ensembles umfasst Werke unter anderem von Beethoven und Schubert, Mendelssohn und Schumann, Reger und Schulhoff, Hartmann und Golijov, ein Tango-Album mit dem Bandoneonisten Marcelo Nisinman und die CD „Paris Days – Berlin Nights“ mit Ute Lemper und Stefan Malzew. Sukzessive entsteht eine Gesamtaufnahme der Dvořák-Quartette für das Label cpo. Anfang 2021 erschienen Alben beim Label Capriccio mit Werken von Georgi Catoire (mit Oliver Triendl) und Grigori Frid (mit Elisaveta Blumina).

Gordon Kwan Hon Lau

Gordon K. H. Lau, geboren 1999 in Hongkong, ist ein vielseitiger Bratschist und lebt in Berlin.

Er war Mitglied und Mitbegründer des 2023 gegründeten preisgekrönten Viatores Quartetts, darunter den 1. Preis und einen Sonderpreis beim Mendelssohn-Wettbewerb Berlin, den 2. Preis beim Internationalen Streichquartettwettbewerb Irene Steels-Wilsing in Heidelberg sowie je einen Sonderpreis bei der Wigmore Hall International String Quartet Competition in London und der Banff International String Quartet Competition. Das Quartett wurde von Tabea Zimmermann und Oliver Wille (Kuss Quartett) betreut. Gordon war zu Gast bei renommierten Festivals wie „Spannungen“ Heimbach, dem Gstaad Menuhin Festival und dem Zermatt Music Festival, u. a.

Er musizierte mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern, darunter Christian Tetzlaff, Torleif Thedéen, Alexander Lonquich, Sayaka Shoji, Peter Bruns, Bruno Delepelaire und Tabea Zimmermann. Wichtige künstlerische Impulse erhielt er von Eberhard Feltz, John Storgårds und Enrico Onofri.

Gordon rief das „Löwenberg Kammermusikfest“ ins Leben, das er gemeinsam mit seinem Bruder Alex Lau in München gegründet hat.

Als Orchestermusiker spielte er unter anderem bei den Berliner Philharmonikern und dem NDR Elbphilharmonie Orchester Hamburg und war als Gastsolobratschist beim Königlichen Stockholmer Philharmonischen Orchester, dem Münchener Kammerorchester, der Kammerakademie Potsdam und dem Schleswig-Holstein Festival Orchester tätig.

In der Saison 2026/27 übernimmt er die Position des Künstlerischen Leiters und Dirigenten des Jungen Ensembles Berlin und dirigiert 2027 sein Debütkonzert im Großen Saal der Philharmonie Berlin.

Gordon studierte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln bei Werner Dickel und schloss sein Studium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei Tabea Zimmermann und German Tcakulov ab. 2026 schloss er sein Masterstudium Kammermusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt bei Tabea Zimmermann ab.

Gordon spielt eine moderne Bratsche des ungarischen Geigenbauers Nikola Popara.

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