The Sounds of Mesopotamia

By Filiz Oflazoğlu Nov. 10, 2026

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Inhalt

Aşina
The Sounds of Mesopotamia

Derya Türkan  Kemençe & Kuration 
Dilek Türkan  
Gesang 
İbrahim Muslimani  Perkussion & Gesang 
Shahab Azinmehr  Setar & Gesang 
Serkan Halili  Kanun
Efrén López  Oud 
Sedef Erçetin  Violoncello
 

Programm 


Überlieferte Melodien und Improvisationen zwischen Euphrat und Tigris. Unter anderem:

Traditionell / Anonym
Hurritische Hymne Nr. 6 (ca. 1400 v. Chr.)

Diyarbekir Peshrev

Evlerinin Önü Yonca

Bahçada Yeşil Çınar

Ya Mayla Âal Ghoussoun

Gholam Reza Minbashian (1861–1935)
Ze Daste Mahboob 

 

Mesopotamien, das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, ein uralter Kulturraum, ist Teil des sogenannten „Fruchtbaren Halbmonds“, in dem die frühesten Zivilisationen und die ältesten Klanglandschaften der Menschheitsgeschichte entstanden. Seit Jahrtausenden blicken Menschen hier auf dieselben Berge, Flüsse und weiten Ebenen – aus unterschiedlichen Perspektiven, in unterschiedlichen Sprachen. Doch ihre Freuden, Sehnsüchte und Hoffnungen ähneln sich oft. Ebenso wie ihre Musik, die sie durch alle Lebensphasen begleitet: als Wiegenlied, Hochzeitsmelodie, Klage- oder Liebeslied. Diese Melodien waren nie an einen einzigen Ort gebunden. Sie wanderten über Grenzen und Sprachräume hinweg, wurden in anderen Dörfern mit neuen Texten gesungen und erhielten in der Musik anderer Gemeinschaften eine neue Gestalt. Instrumente gingen auf Reisen, musikalische Traditionen und melodische Vorstellungen beeinflussten einander.

Von den Ufern des Euphrat und des Tigris über die musikalischen Welten des Iran und Anatoliens bis nach Syrien erstreckt sich ein geschichtsträchtiger und dennoch lebendiger Klangraum. Hier begegnen sich unterschiedliche Maqam-Traditionen, türkische, kurdische und arabische Volksmusikarten sowie christliche und weitere regionale Musikkulturen. Aus diesen Verflechtungen entstand ein vielschichtiges musikalisches Erbe, das bis heute in unterschiedlichen Regionen weiterlebt und sie miteinander verbindet.

Ein wesentliches Element dieses Erbes sind die Maqam-Traditionen. Der Begriff bezeichnet weit mehr als eine Sammlung von Tonleitern, auf die er häufig reduziert wird. Vielmehr beschreibt der Maqam ein modales System, das auf bestimmten Intervallbeziehungen beruht und zugleich charakteristische Wege der melodischen Entfaltung vorgibt. Jeder Maqam eröffnet einen eigenen musikalischen Möglichkeitsraum, in dem sich Melodien entwickeln und spezifische Ausdrucksqualitäten entfalten können. Was wir heute unter Maqam verstehen, ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung, die in verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Zeiten eigene Formen angenommen hat. So haben sich der arabische maqām, der türkische makam, der persische dastgāh, der aserbaidschanische muǵam sowie der tadschikische und usbekische makom und der uigurische maqām als eigenständige, zugleich historisch miteinander verflochtene Traditionen entwickelt und sind zu einem musikalischen Allgemeingut der jeweiligen Regionen geworden.

Wie lebendig diese Traditionen sind, zeigt sich auch in der Art ihrer Weitergabe. Ein großer Teil des musikalischen Repertoires wurde durch Hören, Nachspielen und Auswendiglernen vom Meister an den Schüler überliefert. Dabei geht es nicht um bloßes Nachahmen, sondern darum, das Überlieferte mit dem eigenen ästhetischen Verständnis und der individuellen Gestaltungskraft lebendig werden zu lassen. So werden Melodien neu interpretiert und erhalten persönliche Nuancen; die Tradition bleibt erkennbar und wandelt sich zugleich mit jeder Aufführung.

An dieses Erbe knüpft das heutige Konzert an. Persische, kurdische, türkische und syrische Klänge begegnen sich auf einer gemeinsamen Bühne. Mesopotamien erscheint dabei nicht allein als geografischer Raum, sondern als ein weitreichendes kulturelles Geflecht, dessen musikalische Geschichte über heutige nationale Grenzen hinausreicht. Die unterschiedlichen Traditionen sollen dabei nicht zu einem einheitlichen Klang verschmelzen. Vielmehr geht es darum, ihre Eigenheiten hörbar zu machen und zugleich Raum für neue musikalische Verbindungen zu schaffen. Dieses Konzert ist deshalb eine Feier der Vielstimmigkeit und lädt dazu ein, die Unterschiede zwischen den musikalischen Traditionen ebenso wahrzunehmen wie ihre Verbindungen. „Musik kann die Zugehörigkeit zu einem Ort ausdrücken und zugleich Wege zu anderen Orten eröffnen. Überlieferte Melodien leben weiter, indem sie von neuen Stimmen aufgegriffen, neu interpretiert und Teil anderer Geschichten werden. So bewahren sie trotzdem ihre Herkunft, ohne zu Relikten der Vergangenheit zu erstarren. Denn Grenzen werden auf Landkarten gezogen, doch die Melodie zieht weiter“, so der musikalische Leiter des Abends, Derya Türkan.

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Derya Türkan

zählt zu den führenden Meistern der klassischen Kemençe. Er studierte am Staatlichen Konservatorium der Technischen Universität Istanbul und trat später als Mitglied dem Türkischen Hörfunk- und Fernsehanstalt, TRT-Radio Istanbul, bei.

Seine von der New York Times für ihre emotionale Tiefe und technische Meisterschaft gewürdigten Improvisationen präsentiert Türkan in Solo-Projekten, internationalen Kooperationen und Einspielungen, u.a. mit Jordi Savall, Kudsi Ergüner, Renaud Garcia-Fons, Sokratis Sinopoulos sowie dem armenischen Duduk-Meister Djivan Gasparyan. 1997 gründete er gemeinsam mit Cengiz Onural das Ensemble İncesaz, mit dem er acht Alben und eine DVD veröffentlichte.

Türkan konzertierte in renommierten Sälen wie der Berliner Philharmonie, dem Concertgebouw Amsterdam und der Carnegie Hall. Neben seiner Konzerttätigkeit engagiert sich Türkan für die Bewahrung und Vermittlung musikalischer Traditionen und organisiert regelmäßig Künstlerateliers. Darüber hinaus entwickelt er Projekte für das Museum für Islamische Kunst im Berliner Pergamonmuseum und unterrichtet an der eigenen Akademie in Berlin, die er gemeinsam mit seiner Frau, der Sängerin Dilek Türkan, gegründet hat.

Dilek Türkan

zählt zu den profilierten Sängerinnen der türkischen Musik. Ausgehend von der traditionellen türkischen Musik hat sie ihr künstlerisches Spektrum in der Auseinandersetzung mit sinfonischer Musik, Jazz und Volksmusik erweitert. In ihrer Arbeit verbindet Dilek Türkan die Ausdruckskraft traditioneller türkischer Musik mit einer zeitgenössischen Perspektive und erschließt ihr damit neue Klangräume und ein breites Publikum. Mit ihrem ersten Soloalbum „Aşk Mevsimi“ (Love Season) begann sie, ihren eigenen musikalischen Weg zu gestalten. Auf den nachfolgenden Alben „An“, „Suya Söyledim“ und „İz“ verbindet sie ihre Interpretation türkischer Musiktraditionen zunehmend mit eigenen Kompositionen und Texten und setzt ihre kontinuierliche künstlerische Exploration fort.

İbrahim Muslimani

Im Zentrum der Arbeit von Ibrahim Muslimani steht die mündlich überlieferte Musiktradition Aleppos. Als Perkussionist und Forscher widmet er sich seit mehr als zwei Jahrzehnten der arabischen Kunstmusik und den osmanischen Musiktraditionen, insbesondere der Maqām-Praxis, dem Muwashshah-Repertoire und traditionellen Rhythmussystemen.

Er ist Gründer und Leiter des Ensembles Nawa Band sowie der Nefes Foundation for Arts & Culture und von Spaces of Music Production. Mit diesen Initiativen entwickelt er Projekte zur Vermittlung und Bewahrung musikalischer Traditionen und fördert den internationalen Kulturaustausch. Besonders engagiert er sich in der musikalischen Bildungsarbeit mit vertriebenen Gemeinschaften in der Türkei. Durch seine Projekte konnten bereits mehr als 1.000 Schüler*innen musikalisch ausgebildet und bei ihrer künstlerischen Entwicklung unterstützt werden.

Muslimani konzertiert und arbeitet international; seine Projekte wurden unter anderem an den Universitäten Oxford, Cambridge und am King’s College London präsentiert. Zu seinen Veröffentlichungen zählen „NAWA – Ancient Sufi Invocations & Forgotten Songs from Aleppo“, das Buch- und Albumprojekt WASL sowie „Breaths from Aleppo“. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit engagiert er sich in internationalen Fachgremien zur Erforschung und Vermittlung arabischer Kunstmusik und osmanischer Musiktraditionen.

Shahab Azinmehr

ist iranischer Sänger, Tar- und Setar-Spieler, Komponist und Musikwissenschaftler mit Schwerpunkt auf klassischer persischer Musik. Nach einem Bachelorstudium in der Restaurierung historischer Monumente absolvierte er ein Masterstudium in der Interpretation persischer Musik.

Seine musikalische Laufbahn begann als Sänger, bevor er sich intensiv dem Spielen von Tar und Setar widmete und bei renommierten Meistern der persischen Musiktradition studierte. Als Sänger und Instrumentalist konzertiert Azinmehr international und ist an zahlreichen Festivalauftritten und Einspielungen beteiligt. Er ist Mitglied des von Jordi Savall geleiteten Ensembles Orpheus XXI, mit dem er ausgedehnte Konzertreisen unternommen hat.

Zu seinen künstlerischen Projekten zählen das Setar-Soloalbum Showq-e Mastur, Sineh be Sineh und das Projekt MEHRNAVAA. In seiner Arbeit verbindet Azinmehr die Aufführungspraxis persischer klassischer Musik mit ihrer Erforschung und Vermittlung.

Serkan Mesut Halili

zählt zu den profiliertesten Kanun-Spielern seiner Generation. Geboren in Istanbul, studierte er am Staatlichen Konservatorium für Türkische Musik der Technischen Universität Istanbul und absolvierte anschließend ein Masterstudium sowie ein Artist Diploma an der Haliç-Universität.

Tief in der türkischen Maqam-Tradition verwurzelt, verbindet Halili diese mit westlicher klassischer Musik, barocken Klangwelten und mediterranen Musiktraditionen wie Ladino und Rebetiko. Er arbeitete mit renommierten Musiker*innen wie André Rieu, Fazıl Say, Kudsi Erguner, Burhan Öcal, Ara Dinkjian und Renaud Garcia-Fons zusammen. Zu seinen Ensembleprojekten zählen Kooperationen mit dem Pera Ensemble, L'arte del Mondo, dem Hezarfen Ensemble und dem Trickster Orchestra. Er konzertierte unter anderem in der Royal Albert Hall, der Elbphilharmonie Hamburg und dem Konzerthaus Berlin sowie bei internationalen Festivals wie Young Euro Classic und dem Schleswig-Holstein Musik Festival.

Neben seiner internationalen Konzerttätigkeit lehrt Halili als Associate Professor am Staatlichen Konservatorium für Türkische Musik der Technischen Universität Istanbul und engagiert sich für die Weiterentwicklung des Kanun und die Ausbildung einer neuen Musikergeneration.

Efrén López

ist Multiinstrumentalist, Komponist, Produzent und Toningenieur. Er ist auf die Drehleier und historische Lauteninstrumente spezialisiert und beschäftigt sich mit den Musiktraditionen des europäischen Mittelalters, des östlichen Mittelmeerraums, des West- und Zentralasiens.

Seit mehr als 30 Jahren wirkt López an internationalen Musikprojekten mit, in denen unterschiedliche musikalische Traditionen aufeinandertreffen. Als Musiker, Komponist und Produzent arbeitet er unter anderem mit Jordi Savall und Ross Daly zusammen und war an der Aufnahme von mehr als 120 Alben beteiligt. Darüber hinaus produziert und arrangiert er Musik und komponiert für Oper, Film, Dokumentation, Theater und Tanz.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit gibt López international Workshops zu mittelalterlicher, traditioneller und modaler Musik sowie zu Tontechnik. Dabei verbindet er seine praktische Erfahrung mit der Vermittlung historischer Instrumente und unterschiedlicher musikalischer Sprachen.

Sedef Erçetins

künstlerisches Spektrum reicht von klassischer Musik über Jazz und Tango bis hin zu Improvisation und genreübergreifenden Projekten. Ihre musikalische Ausbildung begann sie im Alter von fünf Jahren am Klavier. Anschließend studierte sie Violoncello am Staatlichen Konservatorium der Universität Istanbul und setzte ihre Ausbildung an der École Normale de Musique de Paris fort, wo sie Diplome in künstlerischer Aufführung, Musikpädagogik und Kammermusik mit Auszeichnung erwarb. 1999 erhielt sie den Abdi-İpekçi-Preis für Frieden und Freundschaft.

Im Laufe ihrer internationalen Karriere arbeitete Erçetin mit Künstler*innen wie Ayla Erduran, Florin Niculescu, Juan Carlos Cáceres, Burhan Öçal, Diana Krall und Manu Dibango zusammen. Sie konzertierte bei renommierten Festivals wie dem Festival Pablo Casals und dem Nice Jazz Festival und trat in Europa, den USA und Asien auf. Neben der Interpretation klassischer Werke, darunter die Cellosuiten von Johann Sebastian Bach, widmet sie sich eigenen Kompositionen und Projekten wie dem Cello & Kanun Duo. In ihrer musikalischen Arbeit verbindet sie klassische Spieltechnik mit Improvisation und unterschiedlichen musikalischen Traditionen.

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