Instrument of the month #7 Timpani - full on fur

By Konzerthaus Berlin June 8, 2022

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In der letzten Reihe des Orchesters sitzen die Instrumente mit hohem Spaßfaktor: Auf die Pauke hauen, mit der Triangel klingeln, ratschen, rasseln oder das halbe Publikum mit den großen Becken aufschrecken – wer würde das nicht gern? Was jedoch alles an Wissen, Geduld und vor allem hohem Können dahintersteckt, erzählt unser Solo-Pauker Michael Oberaigner.

Wie bist Du zur Pauke gekommen?

Ich bin in Tirol aufgewachsen, dort gibt es viele Blaskapellen. Mein Vater und meine beiden Brüder haben in einer mitgespielt. Als Kind hat es mir hinten bei den Schlagzeugern am besten gefallen. Es war immer etwas los, da wollte ich auch mitmischen. Irgendwann fingen meine Brüder an, in Orchestern zu spielen – und ich kam einfach hinterher. Im Studium habe ich erst alle Schlaginstrumente gelernt, aber ziemlich schnell festgestellt, dass Pauke mein Ding ist.

Wie funktionieren Pauken?

Bei alten Pauken muss man mit einem extra Schlüssel an jeder einzelnen Schraube ziehen, um das Fell zu straffen oder zu lockern. Das dauert lange. Vor allem ist es sehr schwierig, so die genaue Tonhöhe zu erreichen.

Weil man ab Mozart und vor allem Beethoven schneller die Töne ändern musste, hat man Kurbelpauken entwickelt. Ihre Tonhöhe verändert sich durchs Drehen einer Kurbel. Es gibt die „Wiener Pauke“, deren Kessel nach oben oder unten gegen das Fell gedrückt wird, und die deutschen Kurbelpauken. Bei denen wird das Fell unterschiedlich fest über den fixierten Kessel gezogen.

Und dann gibt es noch Pauken, bei denen man mit einem Fußpedal den Rahmen rauf und runter bewegt, in dem das Fell gespannt ist. Das ist sehr praktisch, weil man die Hände frei hat!

Das klingt aber nach viel Stimmerei!

Die Vorbereitung auf möglicherweise nur einen einzigen Ton ist ein großer Teil meines Jobs. Im Konzerthaus verwenden wir Naturfelle für die Pauken. Sie sind sehr anfällig für Luftfeuchtigkeit, können sich schnell verziehen und müssen häufig während des Konzerts nachgestimmt werden. Das ist der Grund, wieso ich mich so oft über die Instrumente beuge. Nur so kommt am Ende der Ton raus, der in den Noten steht!

Ließe sich das irgendwie einfacher lösen?

Man könnte auch Pauken mit Plastik- statt Naturfellen hinstellen. Die stimmt man einmal vor – so bleiben sie das ganze Stück. Aber dann klingt es eben auch ein bisschen nach Plastik.

Woraus sind denn Deine Schlägel?

Je nachdem, welchen Klang wir erreichen wollen, entscheiden wir uns für ein Material in bestimmter Ausführung. Dünner Filz aus Schafswolle ergibt beispielsweise einen härteren Klang. Synthetischer Kork klingt anders als natürlicher Kork. Die Basis ist meist Bambus-Rohr aus China. Ein gut gebautes Schlägepaar hält bis zu 40 Jahre. Allerdings werden nur Stiel und Kern so alt. Das Äußere, das in Kontakt mit dem Instrument kommt, muss man ungefähr alle zwei Jahre austauschen. Um Mantel auf den Kern zu fixieren, benutzt mein Schlägelbauer Jason Ginter übrigens gewachste Zahnseide.

Es gibt den Beruf des Schlägelbauers?

Zum Glück! Jason ist ein großer Spezialist, der selbst Schlaginstrumente studiert hat. Es gibt Kolleg*innen, die bauen sich ihre eigenen Schlägel. Aber ich habe weder das Talent noch die Zeit und vor allem nicht die Geduld dafür.

Wie viele Schlägel hast Du?

Ungefähr 150 – alle bringen einen unterschiedlichen Klang hervor. Und es werden mehr! Mit Jason arbeite ich an einer neuen Serie. Es gibt schon eine unter meinem Namen bei seiner Firma JG Percussion.

Ich sammle nämlich historische Paukenschulen. Darin sind Zeichnungen von Schlägeln, die ich so interessant finde, dass ich ihn bitte, sie mir nachzubauen. Zum Beispiel den berühmten Schwamm-Schlägel, bei dem eine Holzscheibe in einen Schwamm gewickelt und dann mit Stoff bespannt wird. 1810 hat Hector Berlioz als erster Komponist genau so einen Schlägel in seiner Partitur verlangt. Bis dahin konnten die Schlagzeuger immer selbst entscheiden, womit sie spielen.

Fotos: Martin Walz (Titel), Marco Borggreve

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