Von Apoll bis Zugabe

von Konzerthaus Berlin 31. Mai 2022

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Das Konzerthaus-Lexikon gibt künftig Antworten auf Fragen rund ums Konzerthaus, das Konzerthausorchester Berlin und den Konzertbesuch. Zum Anfang: Stimmführer*in, Solo-Streicher*in, Konzertmeister*in, Stellvertreter*in, Vorspieler*in – die Titel der Musiker*innen an den ersten Pulten können schnell etwas verwirren. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

S

Stimmführer*in

Fast immer ist von Stimmführer*innen in Zusammenhang mit den Streichinstrumenten die Rede. Die der Ersten Geigen tragen den Titel 1. Konzertmeister*in. Das ist eine besonders exponierte Position. Das Konzerthausorchester Berlin hat drei, von denen mindestens eine*r bei unseren Konzerten spielt, ganz vorn außen sitzt und die wichtigste Kontaktstelle des Dirigenten ins Orchester ist. Sie geben seine Impulse weiter an die Kolleg*innen weiter hinten und in anderen Stimmgruppen.

In manchen Werken (zum Beispiel von Richard Strauss) gibt es sogenannte Konzertmeister-Soli, die von ihnen gespielt werden. Darauf freuen sie sich natürlich besonders. Dazu kommen zwei Konzertmeister*innen als Stellvertreter*innen, die je nach aktueller Besetzung daneben oder am zweiten Pult sitzen.

In den Zweiten Geigen heißen die beiden Stimmführer in unserem Orchester ebenfalls „Konzertmeister“, außerdem gibt es hier zwei „Stellvertretende Konzertmeister*innen“.

In den Bratschen wechseln sich bei uns zwei Solo-Bratscher*innen als Stimmführer*innen ab, in den Celli zwei Solo-Cellisten, im Kontrabass zwei Solo-Kontrabassist*innen. In jeder Gruppe spielen auch zwei Stellvertreter*innen. Nicht in jedem Orchester gibt es wie bei uns außerdem noch pro Streichersektion eine*n Vorspieler*in zur Verstärkung des Führungsteams.

Ein Konzertabend, an dem gleich zwei 1. Konzertmeisterinnen spielen – Suyoen Kim (1. Pult außen) und Sayako Kusaka (1. Pult innen).

Unser Solo-Cellist Friedemann Ludwig über seine Aufgaben als Stimmführer

Die Stimmführerposition ist historisch gewachsen – um ähnlich wie in einem Streichquartett rasch musikalische Sachverhalte für das ganze Orchester zu klären. Die dazugehörige Hierarchie ist etwas überkommen, denn heutzutage spielen alle in einer Stimmgruppe wie unserer sehr gut. Vorne ist eine gewisse Führungsqualität im musikalischen wie menschlichen Sinne gefragt. Ich muss schnell begreifen, was eine Stelle erfordert und wie sie am besten klingt. Ich bin sozusagen das Scharnier zwischen Dirigent und Stimmgruppe und gewährleiste, dass innerhalb der Cellogruppe gemeinsam ein ähnliches musikalisches Verständnis entsteht. Fingersätze wählt jedes Mitglied der Gruppe individuell, aber wenn Striche angepasst werden müssen, kümmern sich die Stimmführer aller Streicherstimmgruppen gemeinsam darum. Dass man hin und wieder wunderbare Soli zu spielen hat, macht die Position natürlich zusätzlich reizvoll."

 

Unsere beiden Solo-Cellisten Friedemann Ludwig (1. Pult links) und Stefan Giglberger (1. Pult rechts) mit der Cellogruppe.

Ein bisschen Zusatzwissen

Streicher*innen, die nicht an den ersten Pulten sitzen, heißen „Tuttist*innen“ (von ital. tutti, alle).

Blasinstrumente haben ebenfalls Stimmgruppen oder Sektionen. Bei ihnen sind beispielsweise Solo-Oboistin oder Solo-Hornist die Stimmführer*innen.

In einzelnen Sinfonieorchestern führen die Musiker*innen an den ersten Pulten traditionell etwas andere und manchmal auch zusätzliche Titel wie „Konzertmeister*in der Violoncelli“ oder „Kammervirtuos*in“.

Abgesehen von „Concertmaster" ist die englische Bezeichnung für Solist*innen im Orchester „Principal“.

Fotos: Marco Borggreve

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