Programmtipp
Dienstag, 18. September, 22.45 Uhr, rbb Fernsehen
Er galt nicht als Show-Dirigent, sondern als jemand, der die Werke in der Tiefe durchdrang. Auch wenn er ein Werk schon fünfzigmal dirigiert hatte, widmete er sich ihm, als sei es das erste Mal. Aber Kurt Sanderling dirigierte nicht alles. Seine Auswahl war eine höchst persönliche und umfasste nur Musik, die ihm ans Herz gewachsen war. Dazu gehörte neben Beethoven, Mahler, Mozart, Sibelius und vielen anderen auch der russische Komponist Schostakowitsch, mit dem ihn ein Stück seiner Lebensgeschichte verband.
Er wurde fast 100 Jahre alt und seine Biografie liest sich wie eine Reise durch das letzte Jahrhundert:
Geboren wurde er 1912 in Arys, im damaligen Ostpreußen. Als Jugendlicher kam er nach Berlin, nach der Schule begann er als Korrepetitor an der Städtischen Oper. Als Jude floh er vor den Nazis nach Moskau, am dortigen Radiosinfonieorchester konnte er erstmals selbst dirigieren. Bei Kriegsausbruch floh er nach Novosibirsk und wurde 2. Dirigent der dorthin evakuierten Leningrader Philharmoniker. Mit dem Orchester kam er nach dem Krieg zurück nach Leningrad. 1960 ging er nach Ostberlin und wurde Chefdirigent des Berliner Sinfonie-Orchesters. 1977 hörte er auf, er war ja nun im Rentenalter. Aber bis 2002 folgte er den Rufen von Orchestern in alle Welt.
„Das spielen Sie zu gemütlich. Gejagt werden!“ So etwas konnte er den Musikern zuwerfen, um sie etwa in die Stimmung der 5. Sinfonie von Schostakowitsch zu versetzen. Bilder und Assoziationen begleiteten seine Probenarbeit, und am Ende waren die Klangergebnisse häufig überraschend anders, aber immer wieder durchdrungen von der großen Ernsthaftigkeit, mit der Kurt Sanderling der Musik begegnete.
Der Film gibt Einblick in seine Arbeit und zeichnet die Lebensstationen von Kurt Sanderling nach. Er lässt Menschen zu Wort kommen, die mit ihm zusammenarbeiteten, ihm begegneten, für ihn wichtig waren oder für die er wichtig war: Simon Rattle, Mitsuko Uchida, Barbara, Thomas und Michael Sanderling, Irina Schostakowitsch, Orchestermusiker in London, Berlin und Sankt Petersburg, Zuschauer in Novosibirsk.
Der Dirigent KURT SANDERLING – Reisender durch ein Jahrhundert
Ein Film von Elke Sasse (Länge: 45 Minuten)
Erstausstrahlung: Dienstag, 18. September, 22.45 Uhr, rbb Fernsehen
