Traum und Terror
DO 02.09. – SA 04.09.10 | 20.00 Uhr | Großer Saal
»Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.« Das sagte einer der wichtigsten und mittlerweile meistgespielten Komponisten des 20. Jahrhunderts:
Gustav Mahler. Anlässlich seines 150. Geburtstages und 100. Todestages macht sich das Konzerthaus Berlin in der neuen Saison 2010/11 bei »Musik mit Mahler« auf die Suche nach dem Wesen des Mahlerschen Schaffens – und lässt dabei auch Musik anderer Komponisten erklingen: Vorgänger, Ideengeber, Wegbereiter, ebenso wie Anhänger, Verehrer und Nachkommen. Das große Universum Mahler wird quasi von zwei Seiten umkreist.
Teil 1 der dreiteiligen Reihe trägt den Titel »Wo die schönen Trompeten blasen«, die Mahlers Solidarität mit den Erniedrigten und Beleidigten zum Thema hat. Es beginnt mit einem Werk von
Oskar Fried. Der gebürtige Berliner galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem durch seinen Einsatz für die jüngere Musikgeschichte als ein Vorkämpfer der Moderne. So führte Fried viele Werke Mahlers auf, mit dem er seit 1905 gut befreundet war. Auch seine Kompositionen, die heute weitestgehend vergessen sind, erregten damals großes Aufsehen, vor allem »Die Auswanderer« von 1912. Das Melodram skizziert in ergreifender Weise einen schier endlosen Zug Flüchtender, die als letzten Akt des puren Überlebenswillens ihre Fortune in der Großstadt suchen – und verschlungen werden. Frieds Musik – eine Art Wagnersche Spätromantik Mahlerscher Prägung – entwickelt dabei eine ganz eigene Sprache.
Im zweiten Teil des Konzerts, das das Konzerthausorchester Berlin unter seinem ehemaligen Chefdirigenten Eliahu Inbal gestaltet, wird die Friedsche Schreckensvision quasi rückblickend kommentiert.
Dmitri Schostakowitschs 4. Sinfonie lässt sich als offene Kritik an Stalins Terrorregime lesen. Das Werk ist voller Ironie, bitterböser Satire und schonungsloser Kraft. Bei der Form seiner Vierten orientierte sich Schostakowitsch stark an Mahlers 3. Sinfonie, die ebenfalls eine auf den ersten Blick völlig unkontrolliert scheinende Fülle von Ideen exponiert, jedoch nach strenger Sonatenform kongenial geordnet ist. Im Verlauf des Werks zitiert Schostakowitsch aus Mahlers 2. und 7. Sinfonie sowie dessen »Lied von der Erde«.
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